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Soziales Jahr Heiligabend in Perleberg

Von hata | 24.12.2016, 12:00 Uhr

Das soziale Jahr beim CJD endet für die junge Ukrainerin Bozhena Lozynska

Weihnachten in Deutschland – das Fest feiere man hier schon etwas anderes, gesteht die 23-Jährige, die für ein soziales Jahr in die Prignitz kam. Mit dem 1. Dezember beginne in Deutschland Weihnachten. Alles werde geschmückt, alles erstrahle im Lichterglanz. „Es ist einfach wunderschön anzusehen“, schwärmt die junge Ukrainerin. Natürlich sei sie auf dem Weihnachtsmarkt gewesen, in Berlin und auf dem Perleberger. Der eine sei riesig und voller Leben, der andere eben klein, aber sehr gemütlich. Und auch die Vorweihnachtszeit habe sie genossen, mit all den Heimlichkeiten, mit Geschenkepacken und Stollen backen. In der Heimat wird Weihnachten am 6. Januar gefeiert, „so komme ich noch rechtzeitig“, sagt sie lachend.

Japanisch habe sie studiert und parallel dazu im Kundendienst einer IT-Firma gearbeitet. „Mit meinem Uni-Abschluss sind die beruflichen Möglichkeiten zuhause sehr begrenzt. Was also tun?“ Wer Lena kennt, weiß, sie packt ihren Rucksack und auf geht es. Zuvor hatte sie aber im Internet die Ausschreibung des CJD für ein soziales Jahr in Deutschland gelesen, sich beworben und eine Zusage erhalten.

Zwölf Stunden Busfahrt, dann stand Lena im Januar auf dem Bahnhof mit einem Koffer in der Hand, der „fast explodierte“, fügt sie an und muss wieder lachen.

Das erste Mal in dem Land, dessen Sprache sie in der Schule hatte. Doch statt eines Zentrums, in dem viele junge Menschen gemeinsam ein soziales Jahr leisten, trifft sie auf eine Wohngruppe mit 14 Frauen und Männern von Anfang 20 bis 50 Jahren. „Irgendwie war ich richtig froh, dass es genau so war“, gesteht Lena.

In eine große Familie kam sie hier. Berührungsängste, mein die hatte sie nicht. „Es sind Menschen wie du und ich, sie brauchen eben nur etwas mehr Hilfe, um den Alltag zu meistern.“ Und genau dabei half ihnen fortan Lena. Gemeinsam wurde gekocht, Lena half beim Wäschewaschen, ging mit einkaufen, zu Behörden und zu Ärzten. „Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass hier sonntags alle Geschäfte zu haben. Die Menschen haben frei, doch die Läden nicht geöffnet. Das ist bei uns anders. Und auch die Sprechzeiten der Behörden sind hier sehr kurz.“ Ein wenig enttäuscht war sie vom Gebäude der Berliner Philharmonie – modern und nicht sehr groß. Philharmonie verbinde sie mit traditionellem Baustil und viel Raum. Beeindruckt sei sie hingegen von den sozialen Möglichkeiten, die es in Deutschland gebe und, dass alles eine ordentliche Struktur habe. Ins Herz geschlossen habe sie die Menschen „und umgekehrt trifft das auch zu“, ergänzt Hanka Bielert. Es werde sicher viele Abschiedstränen geben.

Das Jahr sei einfach zu schnell vergangen. „Ich habe so viel erlebt, dass ich nicht sagen kann, was der schönste Moment war. Mein Geburtstag am 12. Oktober, wo alle für mich ein Fest organisiert haben, die Begegnungen auf Seminaren mit den anderen aus aller Herren Länder, die das soziale Jahr absolvieren, die Herzlichkeit und der Humor der Bewohner. Es gibt keinen Tag, wo wir nicht lachen.“

Den heutigen Heiligabend feiert Lena mit den Bewohnern, die keine Angehörigen haben, die sie abholen. „Wir gehen in die Kirche, es gibt Entenbraten und natürlich eine Bescherung.“ Was sie sich wünsche? „Nichts, ich habe alles, bin glücklich. Vielleicht nur, dass es zu Hause mit Arbeit klappt.“ Bei einer Firma, wo Fremdsprachen gefragt sind, würde sie gern anfangen. Denn im sozialen Bereich, was ihr richtig Spaß gemacht habe, könne sie sich in ihrer Heimat maximal ehrenamtlich engagieren. „Lena wird ihren Weg gehen“, ist sich Hanka Bielert sicher. „Sie schnappt sich einfach ihren Rucksack und setzt sich in den Bus.“