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Der Prignitzer Gnadenlos überzogen

Von Martin Rücker | 11.10.2007, 11:18 Uhr

Manfred Schell bleibt hart.

Da kommt gestern Abend endlich wieder Bewegung in den festgefahrenen Tarifstreit mit der Deutschen Bahn, doch der Chef der Lokführer-Gewerkschaft GDL hält trotz der Entspannungssignale an einem ganztägigen Streik für heute fest. Mit seinem Vorgehen hat der Gewerkschaftsboss mit einem Faible für Muskelspielchen gnadenlos überzogen. Um 17 Uhr das Spitzengespräch mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn - und nur drei Stunden vorher kündigt die GDL für heute einen ganztägigen Streik an. Das ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten: Da stößt die Gewerkschaft ihren Tarifpartner vor den Kopf, gerade als die Streithähne seit Tagen endlich wieder den verloren gegangenen Gesprächsfaden aufnehmen wollten. Schells Vorgehen lässt nur eine Interpretation zu: Ihm geht es nicht um eine schnelle Lösung. Den Blick aufs große Ganze scheint er völlig verloren zu haben. Herrschte bisher noch großes Verständnis für den Arbeitskampf der Lokführer, könnte die Zustimmung jetzt bröckeln. Wer trotz eines Gesprächstermins streikt, der verspielt die Gunst der Kunden - und zwar leichtfertig.