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Der Prignitzer Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Von Manja Nowitzki und dpa | 28.10.2011, 07:48 Uhr

Bei der Kontrolle von zwei Motorradfahrern ist gestern Morgen ein Polizist in Augsburg erschossen worden.

Der 41 Jahre alte Polizist und seine Kollegin wollten den Motorradfahrer und den Sozius kontrollieren. Das Duo flüchtet und eröffnete bei der Verfolgungsjagd das Feuer auf die Beamten. Der Familienvater stirbt. Immer öfter sind Polizisten Ziel von Angriffen. Vor zwei Tagen erschoss ein Beamter in Cuxhaven einen Mann. Er habe aus Notwehr gehandelt, hieß es. Der Obdachlose sei mit Eisenstangen bewaffnet auf den Polizisten losgegangen.Zwei Fälle in zwei Tagen: Seit langem warnen Gewerkschaften vor dieser Entwicklung. „Die Gewalt nimmt zu“, sagt Michael Peckmann von der Gewerkschaft der Polizei in Brandenburg. Beschimpfungen, Beleidigungen – das müssten sich Polizisten immer öfter anhören. 233 Gewaltdelikte gegen Beamte hat das Polizeipräsidium in Potsdam im ersten Halbjahr 2011 registriert. Der Löwenanteil davon sind Widerstandshandlungen: knapp 63 Prozent. „Es passiert vor allem, wenn man nicht damit rechnet“, sagt Peckmann. Bei Verkehrskontrollen, wie in Augsburg, beispielsweise. In der Prignitz eskalierte 2009 eine Demonstration. Am 1. Mai wollten rund 60 Rechte durch die Innenstadt ziehen. Die Veranstaltung war nicht angemeldet, und die Polizei untersagte das Vorhaben. Das Ergebnis: Steine flogen. Vier Polizisten wurden verletzt, einer von ihnen schwer. Peckmann sagt, das sei ein Ausdruck der Respektlosigkeit den Beamten gegenüber. Und: Das Land spare an der falschen Stelle. 8900 Polizisten gibt es in Brandenburg zurzeit. 7000 sollen es 2020 sein. Fast jede fünfte Stelle wäre das. Die Führungsstrukturen sollen verschlankt werden und ein normaler Personalabbau stattfinden. „21 Prozent weniger geht so nicht.“ Stattdessen, sagt Peckmann, müssten jährlich 250 bis 300 neue Polizisten eingestellt werden. Das würde auch helfen, den Altersdurchschnitt von 48 Jahren zu senken. Zurzeit ist die Tendenz Richtung 49 Jahre. Ab Dienstag stehen erst einmal Veränderungen an: Landesweit werden 16 Polizeiinspektionen eingerichtet. Ihnen sind 33 Reviere unterstellt. Damit wird die bisherige Struktur aus Schutzbereichen und Wachen abgelöst, teilte das Innenressort in Potsdam mit. Darüber hinaus wird es vier Direktionen in Frankfurt (Oder), Cottbus, Brandenburg/Havel und Neuruppin geben.