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Schadebeuster Gänsekuhle wird zur Todesfalle

Von BAHA | 09.08.2015, 12:00 Uhr

Kaum noch Wasser und Sauerstoff lassen Fische eingehen / Biosphäre, Naturschutz und Anglerverband: Wir können nicht helfen

Die Gänsekuhle ist zur Todesfalle für die Fische geworden. Und es gibt keine Möglichkeit, ihr Schicksal zu wenden, ihnen zu helfen. Darin sind sich Bernd Lindow als der zuständige Sachbereichsleiter bei der Kreisverwaltung, der Leiter des Biosphärenreservates „Flusslandschaft Elbe-Brandenburg“ , Dr. Sven Rannow, und Manfred Leopold, beim Landesanglerverband zuständig für die Gewässer, einig.

Die Gänsekuhle als ein mit der Elbe nicht mehr verbundener Altarm, wird von Qualm- und Niederschlagswasser gespeist. Aber genau daran mangelt es in diesem Sommer. Das Gewässer trocknet aus, hat kaum noch Sauerstoff. Die Elbe stand gestern am Pegel Wittenberge nur noch bei 92 Zentimetern. Und eine gravierende Änderung ist nicht in Sicht, so Hubert Finke, Leiter es hiesigen Außenbezirks vom Magdeburger Wasser- und Schifffahrtsamt.

Das Grundstück von Familie Jacobi in Schadebeuster grenzt an die Gänsekuhle. Jacobis haben des Fischsterben seit Wochen vor Augen. „Wir verstehen nicht, weshalb Geld dafür ausgeben wird, bei Garsedow an der Karthane eine Art Mondlandschaft anzulegen, für die Gänsekuhle aber nichts getan wird, die Fische ersticken müssen“, meldeten sich die Schadebeusterer in der Redaktion.

Sven Rannow sagt, das lasse sich nicht vergleichen. Bei Garsedow sei als Ausgleich für die Deichbaumaßnahmen ein neues Biotop entstanden, finanziert vom Landesumweltamt. Es sei kein Projekt der Biosphäre.

Zurück zur Gänsekuhle. Diese teilt nach den Worten des Reservatleiters das Schicksal zahlreicher Gewässer hinter dem Deich. „Die Verlandung ist vorprogrammiert, denn bei Hochwasser werden sie nicht freigespült wie Gewässer im Deichvorland.“

Ist also das Schicksal der Kuhle besiegelt?

Rannow verweist auf Managementplanungen, die derzeit auch für das Flora- und Fauna-Habitat, also Biotop, „Elbdeichhinterland“ stattfinden. In diesem Zuge werde auch die Gänsekuhle begutachtet. Langfristig wären Maßnahmen zu ihrem Erhalt möglich, wenn sie als Biotop eingestuft wird, so Dr. Rannow.

Manfred Leopold vom Landesanglerverband ist die Gänsekuhle, obwohl nur ein Minigewässer im Vergleich zu anderen Teichen und Seen in Brandenburg, sofort ein Begriff, als der „Prignitzer“ sich bei ihm meldet. Kurze Zeit zuvor hatte nämlich die Umweltbehörde des Landkreises zu ihm Kontakt aufgenommen. Die Gänsekuhle ist ein Pachtgewässer des Landesverbandes, also offizielles Angelgewässer. Damit sind Rechte und Pflichten verbunden. Die Kreisbehörde hatte die über den „Prignitzer“ weitergeleiteten Hinweise von Bürgern zum Anlass genommen, den Landesverband auf die verendeten Fische hinzuweisen. Der Gewässerwart des Perleberger Kreisangelverbandes sei verständigt, sagte Leopold dem „Prignitzer“.

Die Idee, die Fische in ein anderes Gewässer umzusiedeln, bevor sie verenden, weist Leopold mit Nachdruck zurück. „Das Abangeln ist schon wegen der Gegebenheiten dort nicht möglich. Außerdem müssten wir andere geeignete Gewässer haben, wo wir die Fische einsetzen könnten.“