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Diskussionen um Gestaltung des Marienplatzes Forderung: Eiben sollen bleiben

Von dori | 05.02.2014, 23:00 Uhr

Beschluss zur Fällung mehrheitlich gefasst, rund 50 Bürger fordern dennoch Erhalt der Bäume „und werden kämpfen bis die Säge angesetzt wird“

„Für mich macht es keinen Sinn, die Eiben zu fällen. Sie stehen in Saft und Kraft. Die Platzgestaltung kann man trotzdem ändern“, betont Silvia Apelt aus Groß Buchholz. Auch Evelyn Kirbach sagt unmissverständlich: „Ich möchte, dass die beiden Bäume stehen bleiben. Zumal rundherum schon alles betoniert wird.“ Lore Michaelsen verweist auf die Eiben auf ihrem Grundstück. 40 Jahre würde sie da stehen, werden regelmäßig beschnitten. „Auch die auf dem Marienplatz können in Form gebracht werden. Sie sind eine immergrüne Symmetrie zum Denkmal, die keiner Anwachspflege mehr bedarf.“

Als beschließendes Gremium stimmte der Hauptausschuss vor einer Woche mehrheitlich für den Ausbau der Wittenberger Straße von der Koloniestraße bis Grahlplatz, einschließlich des Marienplatzes. Damit ist auch das Schicksal der zwei 60 Jahre alten Eiben besiegelt: Sie werden gefällt.

Hans-Joachim Koepp kann und will sich damit nicht abfinden. „Auch wenn wenig Hoffnung besteht, wollen wir nicht so einfach aufgeben.“ So hatte er gestern zum Informationstreff auf den Marienplatz aufgerufen und rund 50 Perleberger kamen. „Ich habe was dagegen, dass Leben einfach abgehackt wird. Zudem haben wir hier eine dendrologische Besonderheit, eine weibliche und eine männliche Eibe, denn diese Bäume sind meist zweihäusig getrenntgeschlechtig.“ Ralf Haetzer, Landschaftsgärtner in der Baumschule Premslin, den man als Fachmann eingeladen hatte, fügt an, dass allein aus dieser Sicht die beiden Bäume erhalten werden sollten. In so einer Kombination habe er so eine Bepflanzung noch nie gesehen.

Dendrologische Besonderheit

Und er führt aus, dass die beiden Eiben auf dem Marienplatz sehr robust sind, Staub hier binden, Nahrung für Vögel liefern, allein deswegen sollte die Planung den Erhalt dieser Bäume ermöglichen. Und so groß seien sie nicht, dass sie die Sicht nehmen, das Denkmal verdecken. Das sei vor allem eine Frage des Standortes, von dem aus man dieses betrachte. Man sollte mit Bedacht abwägen, und selbst die Bäume zu schneiden sei fehl am Platze. In den letzten zehn Jahren seien sie kaum gewachsen. Bis Neupflanzungen auf diese Größe kämen – das würde die jetzige und auch die nachfolgende Generation sicher nicht erleben. Übrigens, die älteste Eibe in Deutschland sei 400 Jahre alt, im Alter von 300 Jahren wurde sie noch verpflanzt, aus Respekt vor ihrem Wert. Haetzer: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

„Und junge Bäume werden dann womöglich auch gleich wieder totgepinkelt bzw. abgeknipst“, ergänzt Peter Wieck.

Renate Chwialkeowsky: „Wir sind Perleberg treu geblieben und wir bestehen auf unsere Bäume.“ Hartmut Schneider, Fraktionsvorsitzender der SPD, hatte im Hauptausschuss betont, dass man es zumindest versuchen sollte, die Eiben zu erhalten, sie zu beschneiden. „Dazu stehe ich auch weiterhin. Mehr möchte ich nicht sagen, sonst heißt es am Ende, ich finde mich nicht mit der demokratisch getroffenen Entscheidung ab.“

Hans-Peter Freimark (FDP) hatte im Hauptausschuss den Antrag auf Erhalt der Eiben gestellt. Mehrheitlich wurde er abgelehnt. „Für uns ist der Erhalt der Kompromiss. Dass die Eiben das Denkmal verdecken, ihm das Licht nehmen ist an den Haaren herbei gezogen. Die Eibe bei uns wird jedes Jahr beschnitten, sie lebt davon.“

Thomas Domres, Fraktionsvorsitzender der Linken, sieht in der Neupflanzung von jungen Eiben den Kompromiss. Ein solcher sage aber auch, nicht jeder werde sich 100-prozentig mit seiner Meinung berücksichtigt finde. Der Beschluss sei mehrheitlich gefasst, die Verwaltung damit in der Pflicht zu handeln. „Die Bürgerbeteiligung dazu war bisher einmalig in der Stadt.“ Würde die Entscheidung wieder aufgemacht und eine neue Runde eröffnet, führe man letztlich jedes Beteiligungsverfahren ad absurdum.

Entscheidung mehrheitlich getroffen

Hagen Boddin, Bauamtsleiter: „Es gibt einen Beschluss, der mehrheitlich gefasst wurde.“ Doch er wolle sich nicht dahinter verstecken. „Ich stehe zu unserem Konzept. Wir haben lange darüber geredet, abgewogen, manchen Kompromiss eingearbeitet und sind jetzt zu einer Entscheidung gekommen, die umgesetzt wird.“

Etliche Perleberger aber wollen kämpfen, „bis die Säge angesetzt wird“. „Und wir hoffen, die Abgeordneten noch umzustimmen“, sagt Peter Krips. Fast alle Geschäftsleute in der Bäckerstraße haben das große Plakat mit der Forderung „Die Eiben sollen bleiben“ unterschrieben. Peter Krips: „Und wir machen weiter.“