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Prignitzer Diebesbande Einbrecher mit Smiley gegrüßt

Von Reik Anton | 14.12.2016, 05:00 Uhr

Geld verzockt und den nächsten Raubzug gestartet

Irgendwann hatten die Besitzer eines Pritzwalker Hotels offenbar die Nase voll: Sie narrten die Einbrecher. Als bei ihnen im Januar 2015 zum wiederholten Male eingebrochen wurde, ließen die Täter einen Tresor mitgehen. Doch statt des erhofften Geldes fanden sie lediglich einen Zettel mit einem grinsenden Smiley und den Worten Haha. Das hielt die Einbrecher aber nicht davon ab, dort kurze Zeit später wieder einzusteigen. Dieses Hotel war eines von vielen Geschäften und Büros in der Prignitz, in Mecklenburg und der Altmark, das zwischen Dezember 2014 und April 2015 von diesen Einbrechern heimgesucht wurde.

Wegen gemeinschaftlichen schweren Bandendiebstahls müssen sich fünf Männer von 25 bis 36 Jahren vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Für das Gericht gleicht die Aufklärung einem Geduldsspiel. 63 Taten sind angeklagt, die in unterschiedlicher Beteiligung begangen worden sein sollen. Jeder Angeklagte wird zu jeder ihm vorgeworfenen Tat gehört, allein Ronny R. werden davon 61 zur Last gelegt. Der 36-Jährige war zwar geständig, stritt aber ab, der Drahtzieher gewesen zu sein.

Auch Jens K. gab gestern zu, bei vielen Einbrüchen dabei gewesen zu sein, verneinte aber, von Anfang an mitgemacht zu haben. Obwohl er das so bei der Polizei ausgesagt und Ronny R. ihn belastet hatte.

Die Angeklagten trafen sich in einer Pritzwalker Spielothek. „Wenn in der Spielhalle alles verzockt und kein Geld mehr zum Spielen da war, fuhren die los, die zufällig da waren“, beschrieb Jens K. das Vorgehen. Die Ziele seien nicht im Voraus geplant gewesen. Man sei auf blauen Dunst gefahren. Ganze Nächte waren sie unterwegs, überwiegend zu dritt: Ronny R., Jens K. und als Fahrer der gesondert verfolgte P. Anfang 2015 hätten er und P. beschlossen, aufzuhören, so Jens K. „Ich wollte nicht mehr. Ich habe gemerkt, dass das Scheiße ist.

Glaubt man dem Angeklagten Christian K., fuhr er zwar teilweise mit, ohne aber den Zweck der Fahrten zu kennen und ohne Geld zu erhalten. Genauso wenig wie Veit S. Der hatte nach eigenen Angaben bis zu dem Zeitpunkt, als Ronny R. und Jens K. mit dem Tresor aus dem Pritzwalker Hotel auftauchten, nichts von den Einbrüchen gewusst. Seine Aussage bei der Polizei hörte sich aber anders an. Davon wollte er gestern nichts mehr wissen.
Die Verhandlung wird am 19. Dezember fortgesetzt.

Ruth Hellenbruch