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Wittenberge/Razgard Die Jagd nach dem Kreuz

Von BAHA | 09.01.2019, 11:21 Uhr

Gergana Stoyanova aus der Wittenberger Partnerstadt Razgrad schildert einen besonderen Brauch zum Dreikönigsfest

Ungewöhnlich – zumindest für Hiesige – das Ereignis, spektakulär die Bilder vom Dreikönigsfest, das am 6. Januar in Bulgarien mit einem uralten und wahrscheinlich aus heidnischer Zeit stammenden Brauch verbunden ist. Männer stürzen sich in eiskalte Flüsse auf der Jagd nach einem Kreuz.

Was es damit auf sich hat, beschreibt Gergana Stoyanova. Die junge Frau ist Mitglied der Razgrader Tanzgruppe „Hortse“, die zum Brandenburg-Tag im August in der Partnerstadt Wittenberge zu Gast war. In einer Mail an Marita Fritsch, zuständig auch für internationale Beziehungen bei der elbestädtischen Stadtverwaltung, schildert Gergana Stoyanova: „Hierzulande gibt es eine alte, heidnische Tradition, die bis in unseren Tagen gepflegt wird. Die mutigsten Männer springen in die kalten Flüsse hier in Bulgarien. Im ganzen Land, in allen Flüssen. Die Temperatur sinkt unter null und es ist schneidend kalt. Bevor sie ins Wasser springen, gibt es eine Liturgie zur Gesundheit und ein Kreuz wird von einem Pfarrer in den Fluss geworfen.“ Die Männer würden kämpfen, um das Kreuz zu fangen, aber es sei sehr schwierig. Derjenige, der das Kreuz fängt, „wird gesund, gesegnet und glücklich das ganze Jahr über sein“. Man hält ihn für den tapfersten Mann in der ganzen Stadt bzw. des Dorfes. In Bulgarin, so erklärt die junge Frau, die ein exzellentes Deutsch schreibt, ist das Dreikönigsfest am 6. Januar mit einer großen Feier verbunden. Sie sei als „Jordanowden“ – der Tag von Jordan in Bulgarien bekannt.

„Jordan ist einer der berühmtesten männlichen Namen in Bulgarien und stammt aus dem Fluss Jordan, wo Jesus getauft wurde .... An diesem Tag feiern Namenstag die Leute mit diesem Namen – Jordan, Jordanka, Bozhidar (bedeutet ein Geschenk vom Gott), Bozhidara und andere“, gibt Gergana Stoyanova einen hochinteressanten Einblick in das traditionelle und religiöse Leben in Bulgarien und damit auch in das der elbestädtischen Partnerstadt Razgrad.

Um die weitere Zusammenarbeit und um soziale Themen ging es, als Ende November letzten Jahres der Bürgermeister der bulgarischen Partnerstadt Razgrad, Valentin Vasilev, mit einer hochkarätig besetzten Delegation Wittenberge besuchte.

2017 hatten elbestädtische Parlamentarier in Razgrad soziale Einrichtungen besuchen können. Sie waren beeindruckt von der Jugend- und Seniorenarbeit. Bei ihrem Gegenbesuch hier, informierten sich die Bulgaren im November beispielsweise im Bürgerzentrum über dessen vielseitiges Angebot unter einem Dach. Das imponierte. „Wir sind stark, wenn wir zusammenarbeiten“, sagte der Razgrader Bürgermeister, als er Wittenberges Stadtoberhaupt Oliver Hermann in die Partnerstadt einlud.