Ein Angebot des medienhaus nord
Ein Artikel der Redaktion

Ribbeck Der Herr von Ribbeck in Ribbeck

Von Peter Könnicke, dapd | 08.11.2012, 06:51 Uhr

Tradition verpflichtet.

Vor allem, wenn man von Ribbeck heißt und kein Geringerer als Theodor Fontane die Familiengeschichte quasi für alle Ewigkeit festgeschrieben hat, als er über den Birnbaum im Garten des Herrn von Ribbeck in Ribbeck schrieb. Des familiären wie literarischen Erbes war sich Friedrich-Carl von Ribbeck bewusst, als er nach der Wende zurück ins Havelland kam. "Ich konnte ja schlecht was mit Fischstäbchen machen", habe er sich gesagt. "Irgendwas mit Birnen musste es sein."

Es wurde Birnenessig. Seit fünf Jahren verarbeitet der Ribbeck-Nachfahre in der alten Brennerei des einstigen Gutes Birnensaft zu Essig. In jedem Herbst ist es ein regelrechtes Schauspiel, wenn vor dem Ziegelsteingebäude mit dem langen Schornstein vier bis fünf Tonnen Birnen von den umliegenden Obstbauern ausgepresst werden. In einem naturnahen Gärungsverfahren wird aus dem Saft erst Wein und nach dem Zusatz von Hefe Essig.

Zwischen 2000 und 3000 Liter Essig werden in dem Familienbetrieb hergestellt. Durch den Zusatz von Orangen-, Rosen- oder Holunderbalsam bekommen die Essige verschiedene Aromen, was sie zu beliebten Aperitiven und Likören macht. Völlig neu ist die Beschäftigung mit Essig in der 775-jährigen Familiengeschichte nicht. Zwar war es eher Schnaps und Industriealkohol, der in der Brennerei hergestellt wurde und für die zuletzt von Ribbecks Großvater Brennrechte hatte. Doch "schon die Ahnen der Familie von Ribbeck verdünnten Essig und süßten ihn - als es noch keine ’drinks’ gab - mit Honig zu einem erfrischenden Getränk für sich und die Arbeiter auf dem Feld", heißt es auf der Homepage des Betriebs. Letztlich waren es jedoch keine alten Familienrezepte, die Friedrich-Carl von Ribbeck zum Essig-Produzenten machten. Der gelernte Volkswirt empfand es als Verpflichtung, nach der Wende von Süddeutschland ins Havelländische zurückzukehren und sich des - nach dem Krieg enteigneten - Familienbesitzes wieder anzunehmen. Das Schloss bekam er nicht zurück, es gehört heute dem Landkreis Havelland. Auch das Brennerei-Grundstück musste er kaufen. In die aufwendige Sanierung des Gebäudes, das zu DDR-Zeiten als Getreidespeicher genutzt wurde, steckte von Ribbeck 600 000 Euro.

Zwischen die restaurierten Ziegelwände und hellgrauen Putzflächen, über breiten Holzdielen und unter hohe Tonnengewölbe mischen sich in diesen Tagen der leicht säuerliche Essigduft sowie der Geruch von heißem Siegellack. Denn derzeit wird neben den Essigen auch ein Birnenbrand abgefüllt, den von Ribbeck seit 15 Jahren aus heimischen Birnen in Südfrankreich brennen und in zwei großen Fässern ins Havelland liefern lässt. "Es ist der beste Brand der Welt" behauptet er. 1000 Liter werden in Ribbeck von Hand in Flaschen gefüllt, die mit rotem Lack und dem Familienwappen versiegelt werden. "Es soll eine Rarität sein, die man nicht im Einzelhandel bekommt", sagt von Ribbeck. Daher organisiert er den Vertrieb und den Verkauf seiner Produkte unter der Marke "Herr von Ribbeck".