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Plattenburg Der Alltag bietet genügend Böses

Von Doris Ritzka | 20.06.2017, 15:51 Uhr

Chica Schmidt alias Hexe Chibraxa steht nicht für die dunkle Seite, sondern verzaubert ihre Zuschauer mit lustigen Märchen

Das Plattenburgspektakel feiert Jubiläum: Seit 25 Jahren entführen die Veranstalter Jahr für Jahr tausende Besucher ins Mittelalter.

In einer kleinen Serie stellen wir Mitstreiter der ersten Stunden vor. Manche von ihnen sind bekannt, agieren vor den Augen des Publikums. Andere sind die großen Helfer im Hintergrund.

Heute: Chica Schmidt, alias Hexe Chibraxa.

Chibraxa, kannst du uns bitte deinen fiesesten Zauberspruch verraten?

Chibraxa: Nein, weil ich keinen habe und ich fresse auch keine Kinder. Ich bin nicht die klassisch böse Hexe, sondern sehe mich als Märchenerzählerin, die Kinder und Erwachsene zum Lachen bringt.

Wie kam es dazu?

Märchen haben mich schon immer fasziniert, ganz besonders die „Kleine Hexe“ von Otfried Preußler. Ich möchte Spaß und Freude bringen, aber keine Angst machen. Glücklicherweise hat sich das Bild der Hexe gewandelt. Dank Harry Potter werden sie viel häufiger als freundliche Wesen dargestellt.

Welche Märchen erzählst du deinen Zuhörern und was ist das Besondere an ihnen?

Vorwiegend sind es deutsche Märchen, eher selten orientalische und nie afrikanische. Die deutschen passen einfach am besten zum Mittelalter.

Grimmsche Märchen enthalten meist einen Kern Wahrheit, dem mit Fantasie etwas hinzugefügt wurde. In meinen Märchen drehe ich die Handlung oft um.

Kannst du uns dafür ein Beispiel nennen?

In meiner Version des Froschkönigs wird aus einem Mädchen ein wunderschöner Frosch. Den Leuten gefällt es, sie sind dankbar und manchmal weinen sogar die Erwachsenen gemeinsam mit ihren Kindern.

Denkst du dir auch selbst Geschichten aus und wann kommen dir die besten Ideen?

Das mache ich sehr oft. Gute Ideen habe ich selten in meinem Sessel und nie auf Kommando. Oft gibt es kleine Auslöser im Alltag und beim Autofahren mache ich daraus eine Geschichte.

Wer darf bzw. muss diese zuerst hören, ist sozusagen die Testperson?

Lange Zeit waren das meine eigenen Kinder, die inzwischen aber 14 und 16 Jahre alt sind. Ich probe neue Stücke für mich selbst aus oder spiele sie auf einem Kinderfest, um zu sehen, wie die Leute reagieren.

Wer dich schon mal auf der Plattenburg erlebt hat, weiß, dass du dir oft Kinder aus dem Publikum mit auf die Bühne holst. Wählst du die gezielt aus?

Ja, das mache ich. Man entwickelt ein Gefühl dafür und es ist niemals jemand, der Angst hat.

Oft gehen viele Finger in die Luft, sie alle wollen zu dir auf die Bühne, aber einige musst du enttäuschen.

Gewiss, aber ich bin flexibel. Dann werden aus einem Frosch drei Frösche, die mit auf die Bühne dürfen. Ich bin auch nie gleich verschwunden nach einer Aufführung, die Kinder können mit mir sprechen.

Außerdem beziehe ich alle meine Zuhörer mit ein, indem ich sie Geräusche oder Bewegungen machen lasse.

Du hast mehrere Auftritte, wechselt du dann auch deine Geschichten?

Ich erzähle keine ein zweites Mal am selben Tag, es gibt ja ausreichend Geschichten. Manchmal stelle ich zwei zur Auswahl, und das Publikum darf entscheiden. Ich bin sehr flexibel.

So viele Scherze, so viel Humor. Hast du nicht doch manchmal Lust, auf die dunkle Seite zu wechseln und eine böse Rolle zu spielen?

Das ist nicht meins. Wer auf ein Fest geht, möchte Spaß und Freude haben, seine Alltagssorgen vergessen. Außerdem gibt es schon so unglaublich viel Leid im Alltag auf unserer Welt. Wer das sehen möchte, kann die Tageschau einschalten.

Bisher erschienen:

• „Steinen Leben einhauchen“, 17. Juni, S. 14

• „Bäckerei mit guter alter Handarbeit“, 19. Juni, S. 10