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Der Prignitzer Daneben benommen

Von Johann Legner | 07.09.2009, 07:07 Uhr

Natürlich sollte ein ernst zu nehmender deutscher Politiker, erst recht der Regierungschef eines Bundeslandes nicht solchen Unsinn erzählen wie Jürgen Rüttgers mit seinem Rumänien-Schmäh.

Das mag bei dem einen oder anderen, der seinen Arbeitsplatz wegen der Produktionsverlagerung ins Ausland verloren hat, gut ankommen. Aber Rüttgers weiß nur zu gut, dass seine Bochumer für die rumänischen Stundenlöhne nicht in den Betrieb "kommen, wann sie wollen," sondern sofort aufs Sozialamt marschieren würden. Solch ein amtliches Daher-Gerede ist auch deswegen peinlich, weil dahinter nur all zu gut erkennbar wird, wie wenig der Mann versteht von der Denke, die damals einen finnischen Telekommunikationskonzern bewog, seine Produktion zu verlagern. Natürlich schadet Rüttgers mit solchen Äußerungen Deutschland, weil er im Ausland das Vorurteil bedient, die Deutschen seien hoffungslos von sich selbst eingenommen. Aber in einem inhaltsleeren Wahlkampf lässt sich die Opposition so leicht nicht beruhigen. Dabei vergreift sie sich allerdings fast genau so im Ton. Der Mann ist kein Rassist. Jürgen Rüttgers hat sich in einem Wahlkampf ohne erkennbare Kontroversen mit scheinbar populären Sprüchen daneben benommen. Er wird für Sozialdemokraten wie für Grüne dennoch in absehbarer Zukunft auch wieder ein gern gesehener Partner. Spätestens dann werden alle sagen, er habe sich ja dafür entschuldigt.