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Perleberg Ausgelernt und dageblieben

Von Hanno Taufenbach | 07.11.2012, 07:56 Uhr

Zwölf der 20 Absolventen des jüngsten Jahrgangs an der Schule für Gesundheitsberufe hat das Kreiskrankenhaus in Perleberg übernommen.

Unter ihnen sind Jessica Kramer und Janin Goldner. Für beide junge Frauen erfüllt sich damit ein Wunsch: Sie können in ihrer Prignitzer Heimat bleiben.

Keine Selbstverständlichkeit, wenn man sich die Arbeitsplatzsituation oder die Verdienstmöglichkeiten anschaut. Viele junge Erwachsene zieht es spätestens mit Ausbildungsende in Großstädte oder boomende Regionen.

"Jeder ist ja etwas anders und ich bin kein Großstadtfan", gesteht Jessica Kramer. 16 Bewerbungen hatte sie vor drei Jahren verschickt, alle innerhalb von Brandenburg. "Nach dem Bewerbungsgespräch in Perleberg wartete ich gar nicht die nächsten ab, sondern sagte sofort zu."

Janin Goldner lebt in Havelberg, verschickte 20 Bewerbungen, auch nach Niedersachsen und Berlin. "Aus Braunschweig hatte ich eine Zusage, aber als die auch aus Perleberg kam, entschied ich mich für die Prignitz."

Bereut hätten es beide nicht, wie sie versichern. Sie seien zufrieden mit der Ausbildung und vor allem mit den Bedingungen am Kreiskrankenhaus. "Hier ist es familiär", sagen sie. Dem stimmt ihr junger Kollege Marvin Theis zu: Aufgewachsen in Berlin, Umzug in die Prignitz, Ausbildung zum Krankenpfleger in Berlin an den Helioskliniken. "Dort bist du nur eine Nummer", sagt er.

Das Jobangebot des Krankenhauses in Perleberg habe er sofort angenommen. Beruflich und privat fühle er sich hier wohl und er sagt: "Es gibt genügend Angebote in der Prignitz für meine Generation, man braucht halt nur einen Führerschein und einen Pkw."

Infusionen, Spritzen, Medikamente zusammenstellen. Das Aufgabenspektrum der Pfleger ist groß, für bestimmte medizinische Aufgaben sind Zusatzqualifikationen möglich. Ebenso gebe es interessante Angebote für Weiterbildungen, beispielsweise zur Stationsleitung oder für Anästhesie. "Unser haus bezahlt diese Weiterbildungen. Das ist keine Selbstverständlichkeit", sagt Bernd Riese, Pflegedienstleiter.

Er bestätigt, was die jungen Fachkräfte über ihre Ausbildung gesagt haben. "Sie ist wirklich individuell", so Riese. Früher habe es in dem Perleberger Haus einen Praxisanleiter gegeben. "Heute sind es zwölf." Und die Übernahmeaussichten für Absolventen der Schule seien wirklich hoch. "Wir kennen sie, sie kennen unser Haus", bringt er die Vorteile auf den Punkt. Gestiegen sei die Zahl der rund 350 beschäftigten Pflegekräfte jedoch nicht. "Aber der Altersdurchschnitt liegt bei 44 Jahren", so Riese. Das gehe noch, dennoch müssten regelmäßig frei werdende Stellen neu besetzt werden.

Riese verschweigt aber auch nicht die Kehrseiten dieses Berufes: Schichtarbeit an 365 Tagen im Jahr, jedes zweite Wochenende Dienst und die Verdienstmöglichkeiten in anderen Branchen seien besser. "All das harmoniert nicht unbedingt mit dem Privatleben", weiß der Pflegedienstleiter.

Den drei jungen Angestellten sei das bewusst, sie kennen es ja bereits von der praktischen Ausbildung und können damit umgehen. "Man muss sich einfach darauf einstellen", meint Marvin Theis.

Wer mehr über die Schule für Gesundheitsberufe und die Ausbildung erfahren möchte, kann den Tag der offenen Tür nutzen Er findet am Donnerstag, dem 22. November, von 12 bis 17 Uhr statt.