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Der Prignitzer Altes Handy – neues Geschäft

Von Jörg Schreiber, dapd | 17.10.2011, 07:24 Uhr

Für Blazej Kotwicki ist jedes auf seinem Tisch landende Smartphone eine neue Herausforderung.

„Jedes Gerät ist anders, man muss prüfen, ob alle Teile funktionieren, ob es optisch okay ist und persönliche Daten gelöscht sind“, sagt der 24-jährige Pole. Eigentlich studiert er an der Europa-Universität Viadrina Kulturwissenschaften. Nebenbei aber arbeitet der technisch versierte Student in Frankfurt (Oder) beim Betreiber des Internetportals wirkaufens.de und poliert dort aus ganz Deutschland eingesandte Altgeräte technisch und optisch auf.„Blazej ist unser BlackBerry-Spezialist“, sagt Geschäftsführer und Hauptgesellschafter Christian Wolf. Der 34-Jährige hatte 2008 die asgoodas.nu GmbH gegründet, es war damals die erste Ausgründung des Viadrina-„Centres for Entrepreneurship“ (CfE). Knapp drei Jahre später ist das Unternehmen, das sich auf die Aufarbeitung und den Weiterverkauf gebrauchter Elektronik spezialisiert hat und heute unter der Marke „wirkaufens“ bekannt ist, längst aus der Start-up-Phase heraus. „Wir sind keine Neugründung mehr, sondern befinden uns in der Wachstumsphase“, sagt Wolf. Das belegt er mit Zahlen: Wurden Anfang des Jahres monatlich rund 2000 gebrauchte Geräte über das firmeneigene Internet-Portal www.wirkaufens.de angekauft, seien es im Juli schon deutlich über 6000 gewesen. Rund 85 Prozent seien Handys und Smartphones. Aber auch Navigationsgeräte, MP3-Player, Tablets oder Spielkonsolen werden aufbereitet. Notebooks sollen laut Wolf in absehbarer Zeit folgen. „Die Umsätze werden in diesem Jahr voraussichtlich drei Millionen Euro erreichen“, sagt der gebürtige Rheinländer.Inzwischen bezog die Firma, die Wolf einst im Wohnzimmer startete und dann in Räume im Frankfurter Business and Innovation Centre (BIC) verlegte, eine Villa im Stadtzentrum. Die Zahl der Beschäftigten wuchs nach seinen Angaben auf 47, darunter sind rund 30 feste Mitarbeiter. Allein in den vergangenen zwei Monaten kamen fünf Leute hinzu, weitere Einstellungen sind geplant. „Wir sind dabei, unsere Produktionskapazität zu verdoppeln“, sagt Wolf. Ein Vertriebs- und Marketingbüro werde in Berlin eröffnet. „Frankfurt bleibt aber Hauptsitz sowie Logistik- und Produktionsstandort“, sagt Wolf. Hier gebe es qualifizierte Mitarbeiter und der polnische Markt sei sehr nah. Fast ein Drittel seiner Beschäftigten seien Polen, oft frühere Viadrina-Studenten.Schon heute würden die aufbereiteten Geräte nicht nur in Deutschland – etwa über Ebay – sondern auch in Polen und der Ukraine verkauft. Deshalb habe er eine Ukrainerin von der Viadrina geholt, die Bestellungen aus ihrem Heimatland abarbeitet. Immer wieder bewerben sich auch Praktikanten von der Viadrina in seiner Firma.Zur Europa-Universität hat der einstige Viadrina-Student noch immer gute Beziehungen. Ein bis zwei Mal im Semester hält er dort nach eigenen Angaben Vorlesungen zur Firmengründung und Einwerbung von Kapital. Er hat damit Erfahrung: „Wir haben in drei Runden Kapital eingeworben, zuletzt im Mai, das ermöglicht der Firma eine starke Wachstumsphase“, sagt Wolf.In Vergleichen der Fachpresse wird die Firma ernst genommen, wie auch Kooperationen mit Versandhäusern und Mobilfunkanbietern belegen. So sieht Wolf sein Unternehmen auf einem guten Weg: „In drei Jahren wollen wir europäischer Marktführer für Second-Hand-Electronic sein“, gibt er ein ehrgeiziges Ziel aus.Die CfE-Leiterin Liv Kirsten Jacobsen hält dieses Vorhaben „nicht für abwegig“. „Zwar ist die Konkurrenz erheblich, aber möglicherweise nicht immer genauso solide“, lobt sie die nach ihren Angaben bisher erfolgreichste Ausgründung aus der Viadrina. Wolf habe die Fähigkeit, Menschen von seinen Ideen zu überzeugen und Investoren zu finden. „Das Potenzial war gleich in unserem ersten Gespräch erkennbar. Ich war sicher: Der schafft das. Aber dass es so gut läuft, habe auch ich nicht geahnt“, sagt die Professorin.

>> Von Null auf 6000 Geräte im Monat

die Firma asgoodas.nu erhielt im Jahr 2008 das erste an die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) vergebene „EXIST“-Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums heute werden in dem Unternehmen mehr als 6000 Elektronikgeräte im Monat aufgearbeitet – Anfang 2010 waren es erst 1400 Handys und iPods Besitzer von Altgeräten können auf dem Internetportal www.wirkaufens.de insgesamt 4000 Modelle bewerten lassen die eingesandten Geräte werden in der Firma geprüft, wiederaufbereitet, mit neuer Software bespielt und über Ebay und andere Händler weiterverkauft bundesweit liegen laut Geschäftsführer Christian Wolf mehr als 70 Millionen gebrauchte Handys in den Schubladen dapd