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Lenzen Alt, krumm und schief - aber schön

Von Rainer Dyk | 20.09.2011, 05:59 Uhr

"Es durfte alt und krumm und schief bleiben", umreißt Günther Jelonnek das Besondere an der Sanierung der Eckbebauung von Berliner und Flutstraße in Lenzen.

Für dieses Projekt haben der Bauherr, das Ehepaar Renate und Günther Lucht, und er, der Architekt, am Montag den Denkmalpflegepreis des Landes Brandenburg erhalten. Kulturministerin Sabine Kunst hatte das Projekt gewürdigt, das Ensemble der Häuser aus dem 18. Jahrhundert erfülle nun wieder seine "ortsbildprägende Funktion".

"Ortsbildprägend" im negativen Sinne waren die zerfallenden Häuser am Eingang zur historischen Altstadt allerdings jahre-, jahrzehntelang - seit sie in den 90er Jahren leergezogen waren. Wer sollte das denkmalgeschützte Ensemble stemmen? Die immer jämmerlicher werdenden Häuser warteten auf einen Enthusiasten, dem die Erhaltung jahrhundertealter Baukultur Herzenssache ist.

Ein Glücksfall für Lenzen sind Renate und Günther Lucht. Das Ehepaar aus Hamburg, das inzwischen einen Bauernhof in Görnitz bei Milow zum Reiterhof umgebaut hat, hat nicht zum ersten Mal Spuren hinterlassen in der Elbestadt. Schon bei der Sanierung der Orgel in der Kirche engagierten sie sich. Und nun das Häuserensemble in renommierter Lage. "Wir standen regelmäßig vor der Frage, ob wir nicht lieber ganz abreißen sollten", erzählt Dachdeckermeister Norman Lehmann aus Lenzen. Ihn und Udo Gernke, den Tischlermeister aus Steesow, hat Jelonnek mit zur Auszeichnungsveranstaltung nach Potsdam genommen. "Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen", sagt Jelonnek. Das Eigentümer-Ehepaar konnte nicht mit zur Auszeichnung, es ist auf einer lange geplanten Reise. Der Architekt arbeitete schon öfter mit den beiden Unternehmen zusammen, weiß, was sie können.

Und der Eigentümer ging mit, mit der Philosophie des Architekten, dass man so ein fast 300 Jahre altes Haus nicht in gerade Wände und Decken zwängen sollte - natürlich ein Problem für den Vermieter, denn einen Ikea-Schrank hinzustellen, wird schwierig. Der Vorbehalt erwies sich allerdings als unbegründet, denn die zwei Wohnungen sind bereits vermietet. Der Reiz des charaktervollen Ensembles überwog. Und ein Lesecafé haben Luchts eingerichtet (und betreiben es "mit Leidenschaft", wie die Erbauer ausdrücklich betonen), das genau in die heimeligen Fachwerkhäuser passt und die Gäste teilhaben lässt an der Wohlfühlatmosphäre, die sie im Lenzener Zentrum neu geschaffen haben. "Krumm zu bauen, ist schwieriger als gerade", sind sich die beiden Handwerker einig. Und Jelonnek hebt das Gefühl für die alte Substanz hervor, das die Mitarbeiter an den Tag gelegt hatten. "Denkmalpflege hat etwas mit Bildung zu tun. Mit kultureller Bildung natürlich, aber auch mit der Ausbildung der handwerklichen Meisterschaft, die man freilegt und nachempfinden muss."

Günther Jelonnek soll auch das nächste Haus für den Bauherrn Lucht sanieren. Lenzen und die regionalen Handwerker können sich freuen.