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Potsdam 626 Lehrer zusätzlich für Inklusion

Von <autorenzeile>Susann Fischer</autorenzeile>, dapd | 23.03.2012, 09:31 Uhr

Gute Noten für die Integration von Förderschülern: Laut einer neuen Studie der Bertelsmann Stiftung ist Brandenburg einer der Vorreiter in Sachen Inklusion - dem gemeinsamen Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern.

In der Mark würden bereits knapp 39 Prozent der Förderschüler in normalen Schulen unterrichtet, teilte die Stiftung gestern mit. Im bundesweiten Durchschnitt gingen nur gut 22 Prozent der Förderschüler in Regelschulen.

Inklusion wird Normalität"

Die Angaben beziehen sich auf das Schuljahr 2010/2011. Ein Schuljahr zuvor waren in Brandenburg 36,5 Prozent der Förderschüler inklusiv unterrichtet worden. In Brandenburg haben etwa acht Prozent aller Schüler einen besonderen Förderbedarf. Der Studie zufolge braucht Brandenburg bei einem weiteren entsprechenden Umbau des Schulsystems zusätzlich 626 Lehrer. Im Vergleich zum Schuljahr 2009/2010 fallen ab 2020/2021 Zusatzkosten von mehr als 44 Millionen Euro an.

"Inklusion wird mittelfristig zur Normalität an deutschen Schulen", sagte Stiftungsvorstand Jörg Dräger. Das gemeinsame Lernen stelle die Schulen vor riesige Herausforderungen, die sie nur mit ausreichend Personal bewältigen könnten. Die Inklusion sei jedoch richtig, denn auf Förderschulen seien die Aussichten auf einen Abschluss nur gering. Mehr als 75 Prozent der Schüler verließen die Einrichtungen ohne Abschluss. "Der vermeintliche Schutzraum hat sich für viele als Isolationsfalle entpuppt", unterstrich Dräger weiter.

Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch (SPD) bekräftigte, an der Inklusion führe kein Weg vorbei. "Wir brauchen Chancengerechtigkeit für alle Menschen in unserem Land", sagte sie. Kein Kind dürfe zurückgelassen werden. Brandenburg werde seine inklusiven Angebote weiter ausbauen. Das gehe natürlich nicht zum Nulltarif.

Linke-Bildungsexpertin Gerrit Große bezeichnete die Ergebnisse der Studie als wenig überraschend. Die rot-rote Koalition sei vorbereitet. Zum Schuljahr 2012/13 starteten 80 Pilotschulen in die Inklusion. Dafür habe die Koalition im Haushalt 2012 zwei Millionen Euro vorgesehen. Das entspreche etwa 100 zusätzlichen Lehrerstellen. Der CDU-Bildungspolitiker Gordon Hoffmann warnte dennoch, die Integration von Kindern mit besonderem Förderbedarf könne nicht zum Spartarif umgesetzt werden. Rot-Rot versuche ein Bildungsexperiment, das nicht durchgerechnet sei und der Bildungsqualität schade. Auch FDP-Experte Andreas Büttner beklagte einen Mangel an Lehrern. Statt dauernd nur der Priorität Bildung zu reden, müsse die Regierung auch handeln. Sie müsse endlich ein Konzept vorlegen, das aufzeigt, wie die Lehrerstellen finanziert werden können.