Perleberg ist das "hohe C"

<strong>Kommende Woche</strong> hat Sirje Viise, eine junge vielversprechende Sopranistin,  ein Vorsingen in Österreich.  Der 'Prignitzer' drückt ganz fest die Daumen. <fotos>Doris Ritzka (3)</fotos>
Kommende Woche hat Sirje Viise, eine junge vielversprechende Sopranistin, ein Vorsingen in Österreich. Der "Prignitzer" drückt ganz fest die Daumen. Doris Ritzka (3)

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30. Juli 2010, 07:16 Uhr

Perleberg | Die zweite Lotte Lehmann Akademie - und das zweite Mal dabei ist die junge Sopranistin Sirje Viise. Ihr Stimmumfang reicht bis zum hohen E. Perleberg sei hingegen mit Blick auf den Standort und das Konzept der Akademie für sie das "hohe C", fügt Sirje Viise schmunzelnd an. Was die Lotte Lehmann Akademie jungen Sängern bringt, darüber unterhielt sich der "Prignitzer" mit ihr.

In Estland geboren, studierten Sie in New York und Berlin Gesang. Wie kommt man da auf Perleberg, auf die Lotte Lehmann Akademie?

Sirje Viise: Ich hatte in Berlin ein Coaching bei Scott Curry, der seit vielen Jahren als Dozent bei der Lotte Lehmann Woche agiert. Von ihm erfuhr ich von dem Projekt in Perleberg und habe kurz mal reingeschnuppert. Im Gespräch war da bereits die Akademie.

Offensichtlich hat Sie der Akademiegedanke nicht mehr losgelassen, oder?

Mehr noch, Angelo Raciti bat mich, mich in die Konzipierung und Vorbereitung miteinzubringen.

Wie kann man sich das vorstellen?

Junge Sänger sollen in der Akademie auf eine Berufskarriere vorbereitet werden. Was brauchen sie dafür, denn auf den Bühnen zu bestehen bedeutet mehr, als singen zu können. Es gibt viele ausgebildete Sänger, die Konkurrenz ist groß. Während des Studiums wird vor allem die Stimme ausgebildet, zu viel mehr reicht die Zeit gar nicht. Wer hier an der Akademie teilnimmt, der kann singen. Wie kann ich aber im Beruf bestehen? Antwort auf diese Frage bekomme ich hier.

Was erwartet ein junger Sänger?

Im Grunde genommen viele Informationen, wie er als Berufsstarter seinen Platz finden und behaupten kann. Da gehört vieles dazu, Bewegung, Körpersprache, Sprachunterricht, denn die meisten Partien werden in italienisch, aber viele eben auch in deutsch gesungen. Und selbst die Harmonie mit dem Bühnenbild, weniger vom Äußeren her, als vielmehr, wo und wie kommt die Stimme voll zum Tragen, sind Dinge, um die man wissen muss. Erfolgreiche Sänger reden aber nur ganz selten offen über so etwas. Anders hier. Graciela Araya beispielsweise hat auf ganz großen Bühnen gesungen. Sie redet offen mit uns darüber, wie man überhaupt einen Fuß darauf bekommt und besteht. Sie weiß so viel über die Feinheiten der Musik, man kann ihr stundenlang nur zuhören.

Die Konkurrenz in der Akademie ist recht überschaubar. Gibt es eine solche überhaupt?

Natürlich, aber sie ist anders gelagert. Niemand braucht sich zu verstecken, der Druck liegt maximal im Tagespensum. Es ist schon wichtig zu wissen, dass alle anderen auch gut singen können. Das motiviert.

Für Sie ist es die zweite Akademie. Was hat die erste gebracht?

Ich bin selbstbewusster geworden, habe mehr Vertrauen in die eigene Stimme und weiß, dass ich auch unter Druck Leistung bringe. Fürs Vorsingen schon mal ganz wichtig. Das war mir ehrlich gesagt nach der ersten Akademie nicht gleich klar, weil das Programm so intensiv war. Ich brauchte wirklich erst mal Zeit zum Verdauen.

Haben sich die schweißtreibenden Wochen in Perleberg auch schon konkret ausgezahlt?

Nach der Akademie hatte ich viele Vorsingen. Inzwischen habe ich ein Engagement am Tanztheater von Pina Bausch in London, wurde gecastet für einen kleinen Film über die Oper und nächste Woche steht ein Vorsingen in Österreich an. Darauf habe ich mich hier ganz intensiv vorbereitet. So ein renommiertes Dozententeam da an der Seite zu haben, ist natürlich ein Traum.

Ein Blick auf den Seminarplan verrät, das Akademieprogramm ist wieder ganz schön eng gestrickt.

Nicht ganz so eng, wie bei der ersten Akademie. Aber wir wollen natürlich auch so viel wie möglich für uns mitnehmen.

Perleberg, ein Städtchen, das sich anschickt, im Reigen der großen Talenteschmieden ein wenig mitzureden.

Das passt schon. Es ist eine kleine niedliche Stadt, frei von dieser Hektik, wie sie Berlin bietet. Da ist man schon schweißgebadet, bevor man auf der Bühne steht. Gerade für Amerikanerinnen hat so ein Städtchen etwas exotisches. So etwas kennen sie nicht. Die Menschen hier sind zudem sehr aufgeschlossen und freundlich.

Was macht ein Akademieteilnehmer, wenn er mal Freizeit hat?

Shoppen, gemütlich Kaffee trinken. Die Stadt bietet da eine ganze Menge.

Sehen wir uns im nächsten Jahr zur dritten Akademie wieder?

Wenn das Angebot in mein Repertoire passt, dann könnte es sein. Kommen möchte ich schon gern, allein um zu sehen, wie das Gebäude für die Akademie mal aussieht.

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