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Lokales

16. Dezember 2017 | 19:49 Uhr

Peinlicher Streit im "Paradiesgarten"

vom

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2010 | 07:21 Uhr

Krakow am See | Sie ist wieder da. Der Streit um die Tafel am Fritz-Reuter-Stein in Krakow am See ist damit - wie es aussieht - aber noch lange nicht beendet. Inwieweit es dabei wirklich um die Tafel geht, fragten sich z.B. die Stadtvertreter Karl-Heinz Kleinpeter und Manfred Schulze. Nicht, dass es hier nur um ein Kräftemessen zwischen Wolfgang Geistert und Johannes Herbst gehe. "Das stört den Frieden in der Stadt", stellte Schulze fest. Als ausgesprochen peinlich für die Stadt bezeichnete Nils Ruhnau die Aktion und die folgenden Diskussion darum.

Was war passiert? Der Mühlenverein Kuchelmiß, der Heimatverein Linstow, der christliche Trägerverein der Kinder- und Jugendbegegnungsstätte Neu Sammit und der Kulturverein Krakow am See haben eine neue Radroute entwickelt, 22 Kilometer lang, mit Namen "Reuters Paradiesgartenweg". Im Jahr des 200. Geburtstages des Dichters, der nach siebenjähriger Haft genau das Gebiet um den Krakower See als Paradiesgarten empfand, passt die Idee genau. Eine Tafel mit Rundtour und Biografie Reuters am Fritz-Reuter-Gedenkstein in Krakow am See wurde aufgestellt und verschwand kurz vor der Eröffnung der Tour. Bürgermeister Wolfgang Geistert hatte das veranlasst. Auf der Stadtver tretersitzung erklärte er jetzt seine Beweggründe. Er moniert, dass die Initiatoren der Radroute die Stadt übergangen hätten. Weder Bürgermeister noch Stadtvertretung seien rechtzeitig informiert gewesen, so Geistert. Das Maß war für ihn wohl voll, als er die neueste Karte des Naturparkes Nossentiner/Schwinzer Heide in die Hand bekam und dort die Route bereits eingezeichnet war, in einem weiteren Druckerzeugnis ebenfalls. "Ohne Abstimmung mit der Stadt", schimpft Geistert. Weiter ärgern ihn Aufkleber an Laternen, die auf die Tour hinweisen. Das sei nicht Krakower Niveau. Parallel, so Geistert, arbeite man zusammen mit dem Landestourismusverband an zwei Radrouten in der Region. Geistert: "Das erscheint mir effektiver als die örtliche Initiative". Auch fürchtet er, dass mit der Mehrfachbelegung von Radwegen mit verschiedenen Routen eher Verwirrung gestiftet werde. Der Bürgermeister möchte deshalb, dass die Route aus den Kartenwerken wieder verschwindet, die Tafel dahingehend geändert wird, dass sie allein Lebensdaten Reuters enthält und die Aufkleber an Lampen verschwinden.

Gegenwind schlug dem Bürgermeister auf der Stadtvertretersitzung ins Gesicht. Nils Ruhnau (CDU-Fraktion) kann gar nicht erkennen, was gegen den Paradiesgartenweg sprechen könnte. Die Initiatoren hätten bereits mit der Museumstour großen Erfolg. Außerdem möchte er private Initiativen lieber befördern als behindern. Manfred Schulze (FDP-Fraktion) geht noch einen Schritt weiter. Er hält nicht nur das Handeln des Bürgermeisters für völlig unangebracht. "Mir kommt zu wenig vom Tourismusamt", betont der Stadtvertreter. Karl-Heinz Kleinpeter (SPD-Fraktion) sieht hinter der ganzen Aktion ein generelles Problem: "Krakow hat immer noch nicht begriffen, dass es ohne das Umland nicht existieren kann." Es mangele an einer Verständigung innerhalb des Amtes. Und überhaupt verstehe er nicht, dass man in Krakow am See den 200. Geburtstag von Reuter nicht in irgendeiner Weise öffentlichkeitswirksam genutzt habe.

Der Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus, so einigten sich die Stadtvertreter, solle sich des Themas annehmen, alle Seiten anhören und dann einen Lösungsvorschlag unterbreiten.

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