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Lokales

18. Oktober 2017 | 05:59 Uhr

Peezer kämpft für seinen Ort

vom

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erstellt am 07.Jun.2011 | 08:29 Uhr

Dierkow | Er lebt in ständiger Angst und Ungewissheit. Was aus seinem Haus in dem hafennahen Peez einmal wird, weiß Thomas Bellgardt nicht. Fest steht: Er wohnt im Vorranggebiet des Rostocker Seehafens. Und der plant in den kommenden Jahren, dort Industrie und Gewerbe anzusiedeln. "Ich habe 2008 meinen ersten Brief für ein Gespräch zum Verkauf meines Hauses bekommen", sagt Tierpfleger Bellgardt. Seitdem seien mehrere Einladungen gefolgt.

Die Angst konnte Dr. Ulrich Bauermeister, Geschäftsführer der Hafenentwicklungsgesellschaft Rostock (Hero), dem Tierpfleger gestern nicht nehmen. Bei dem Forum " Rostock 2025 - Wirtschaft- und Hafenentwicklung" im Dierkower Käthe-Kollwitz-Gymnasium trafen beide Seiten erstmals aufeinander. Neben der Hero standen Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos), Ralph Müller, Leiter vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft den besorgten Bewohnern aus den Stadtdörfern Krummendorf und Peez Rede und Antwort. Rund 100 Betroffene und Interessierte wollten den aktuellen Stand zur Hafenerweiterung erfahren.

Planung über 20 Jahre

"Die Vorausplanung von 20 Jahren gehört zu einer guten Hafenentwicklung", sagt der Hero-Geschäftsführer. Allerdings plant er, nur außerhalb des Hafengebietes Industrie ansiedeln, wenn es unbedingt nötig sei. Bisher sei das jedoch nicht der Fall: "Wir gehen sogar ins Wasser und haben den Pier III für das Großrohrwerk und Liebherr ausgebaut."

Obwohl Bauermeister für Bellgardt nur ernüchternde Worte parat hatte, konnte er dem Peezer doch die Gewissheit geben, dass es für den Tierpfleger in dem Elf-Seelen-Ort keine Zukunft geben werde. "Dort kann es zu einer Inanspruchnahme des Vorranggebietes kommen. Das ist bitter, dass wissen wir", sagt Bauermeister. Eingelassen hat sich Bellgardt auf die Verkaufsangebote bisher nicht. "Mir wurden 20 000 Euro als Abfindung geboten. Dafür dass ich 15 Jahre Arbeit in mein Haus gesteckt habe", sagt er. So will er sich nicht abspeisen lassen: "Sogar meine Beziehung ist daran kaputt gegangen."

Hero will fairen Ausgleich bieten

Etwas besser sieht es da für die Stadtdörfer Krummendorf und Oldendorf aus. "Die Flächen werden zwar nicht gebraucht, allerdings sind die Orte indirekt von der Hafenwirtschaft betroffen", so Bauermeister. Dafür hat die Krummendorferin Susanne Dahmen kein Verständnis: "Der Lärm überschreitet schon jetzt die Grenzwerte." Und auch der Abstand zwischen Industrie und Wohngebiet von 500 Metern werde nicht eingehalten.

Entgegenkommend bietet der Hero-Geschäftsführer den Anwohnern an, sich mit ihren Sorgen an die Entwicklungsgesellschaft zu wenden. "Wir stehen für den Dialog zur Verfügung und wir hoffen, einen fairen Ausgleich zu finden", sagt er. Das beinhaltet auch Angebote für die Umsiedlung. "Niemand wird übernacht vertrieben", versichert Bauermeister, den aufgewühlten Besuchern. Durch den Dialog sei es möglich, mit den Betroffenen einen Kompromiss zu schließen. Denn als größter Universalhafen an der deutschen Ostseeküste attestiert Lothar Säwert vom Verkehrsministerium dem Rostocker Standort, dass sich der Umschlag bis 2025 verdoppeln werde. "Der Hafen hat Alleinstellungsmerkmale und strahlt bis nach Berlin und Sachsen", begründet er.

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