zur Navigation springen
Lokales

17. August 2017 | 13:42 Uhr

PC-Spiele als zweite Chance

vom

Schwerin | Diese Art der Umschulung gab es in Deutschland bislang noch nie - sagen jedenfalls die Anbieter: Seit Montag werden an der Designschule zwölf Arbeitslose zu Gamedesignern ausgebildet. Sie kommen aus München, Lübeck, Aue oder Schwerin und haben als ersten Beruf z.B. Systemintegrator oder technischer Zeichner gelernt. Jetzt müssen sie noch einmal zwei Jahre lang die Schulbank drücken. In dieser Zeit lernen sie, was die Studierenden an der Designschule sonst in drei Jahren schaffen müssen: angesagte Spiele entwickeln für den heimischen PC-Gebrauch, für Computer oder Spiele-Konsolen.

Gamedesigner sind zurzeit heißt begehrt. Norddeutschlandweit ist die Designschule Schwerin die einzige Ausbildungsstätte. Das gesamte Studienkonzept wurde in Zusammenarbeit mit der Gamecity Hamburg entwickelt, einem Zusammenschluss von knapp 200 Unternehmen aus der Branche. "Wir sind daher dicht dran an der Nachfrage des Marktes", sagt Designschul-Geschäftsführer Christian Hajdas. Konsequenz: Viele Gamedesign-Schüler bekommen schon während des Praktikums Vorverträge für einen künftigen Job.

Dass die Schule jetzt die Ausbildung auch als Umschulung betreibt, ist eine Reaktion auf Anfragen von jungen Arbeitslosen, die gerne umsatteln würden, sich aber die Studiengebühren selbst nicht leisten können. Knapp 600 Euro im Monat müssen die Studierenden derzeit zahlen. "Damit sind wir deutschlandweit zwar die günstigsten, aber für viele ist das natürlich immer noch sehr teuer", sagt Stephan Haring. Gemeinsam mit der SBW Aus- und Fortbildungsgesellschaft für Wirtschaft und Verwaltung mbH, die als Träger der Maßnahme fungiert, erarbeitete man ein Umschulungskonzept. Finanziert wird sie je nach Vorgeschichte des Teilnehmers von Arbeitsagentur, Arge oder dem Rentenversicherungsträger.

Weiterer Kursus im nächsten Jahr geplant

Eine der wichtigsten Aufnahmevoraussetzungen für die Umschulung seien Motivation und Durchhaltewillen gewesen, berichtet Hajdas. "Schließlich ist diese Maßnahme sehr kostenintensiv", fügt Veronika Wegrad-Paul, Geschäftsführerin der SBW hinzu. Für jeden Teilnehmer gibt es einen speziellen Arbeitsplatz mit eigenem PC, zwei Bildschirmen, Grafikpad, Spezialmaus und eigenen Lizenzen. Die Ausbildung selbst umfasst unter anderem Farblehre, zeichnerische Grundübungen, Spieltheorie und -geschichte. Im Praxisteil lernen die Teilnehmer dann Storyboard, Texturing, 2D, 3D-Modelling, 3D-Animation, und Programmierung kennen. Fachausdrücke, die übrigens nicht allen Mitarbeitern der Arbeitsagentur, die den Bildungsgutschein für die Maßnahme herausgeben müssen, geläufig sind. Für den Sinn und Nutzen ihrer Maßnahme mussten SBW und Designschule im vergangenen Jahr bei der Arbeitsagentur noch kräftig Werbung machen.

Da die Bildungsgutscheine frühestens vier Wochen vor Beginn einer Maßnahme ausgegeben werden, stand bis vor Kurzem noch nicht fest, ob und mit wie vielen Teilnehmern der Kursus starten würde. Dass er jetzt voll geworden ist, werten Schule und SBW als sehr gutes Zeichen. Im kommenden Jahr wollen sie die Maßnahme noch einmal anbieten, diesmal hoffentlich mit weniger starken Geburtswehen. Wer sich für die Umschulung zum Gamedesigner interessiert, sollte so früh wie möglich Kontakt aufnehmen zu seinem Arbeitsvermittler, raten Hajdas und Wegrad-Paul.

zur Startseite

von
erstellt am 07.Sep.2010 | 06:44 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen