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Lokales

23. November 2017 | 15:38 Uhr

Passanten vereint zur Wende befragt

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erstellt am 03.Okt.2010 | 09:05 Uhr

Bernitt | Leonard, Lauretta und Niklas sitzen vor dem Bildschirm eines Computers, auf dem viele kleine Bilder zu sehen sind. In der rechten Ecke des Bildschirms läuft ein Film: Menschen schildern ihre Gedanken zum wiedervereinigten Deutschland und dazu, was sie politisch gerade unzufrieden macht.

Der Beitrag ist ein Teil des Filmprojektes "Was zusammengehört?- 20 Jahre Einheit", das am Wochenende von sechs Jugendlichen aus Mecklenburg-Vorpommern und sechs Jugendlichen aus Hamburg erstellt wurde. Sie bezogen ihr Quartier im Pfarrhaus Bernitt, in dem auch die Schnitträume eingerichtet waren. "Sie waren in zwei Teams in Rostock unterwegs und haben Passanten beispielsweise befragt, ob Ost und West schon zusammengewachsen ist, womit sie unzufrieden sind und was zu verbessern wäre", erläutert Mathias Dahnke, Jugendpastor in einer evangelischen Kirchgemeinde in Hamburg und einer der drei Organisatoren. Auch Pastorin Elisabeth Lange von der Bernitter Kirchgemeinde sowie Burkhard Schmidt von der evangelischen Akademie von Mecklenburg-Vorpommern.

Für Mathias Dahnke sowie für die Jugendlichen haben die Passanten mit ihren Antworten tiefer blicken lassen als angenommen. Viele der Jugendlichen wie Johann Holm wollten vor allem wissen, wie die Menschen den 9. November erlebt hätten. "Eine Person hat gesagt ,Ich hielt den Atem an als sie vom Mauerfall erfahren hatte", schildert der 17-Jährige. Noch eins hat sich bei den Interviews herausgestellt: Viele haben den Mauerfall durch das Fernsehen erfahren, konnten die Informationen zunächst nicht glauben.

Doch nicht jeder Befragte hat den "Jung-Interviewern" sofort geantwortet.. "Die Leute, die aus der Hansestadt kamen, wollten nicht so gerne auf unsere Fragen antworten", schildert Anna-Martha Lange. Passanten, die frei hatten oder aus anderen, auch westdeutschen Bundesländern stammten, hätten schon eher ihre Fragen beantwortet, fügt sie hinzu. "Die Leute, die bei der Wende um die 20 Jahre alt waren, scheinen heute zufriedener zu sein", schildert Lauretta eine andere Beobachtung. Passanten, die damals schon ein oder zwei Jahrzehnte älter waren, wollten kaum über die Wende reden. Dabei sei es gerade wichitg, dass man sich mit dem Thema auseinandersetzt. "Ich bin in der Einheit aufgewachsen und so etwas sollte eigentlich selbstverständlich sein können", schildert sie ihr politisches Verständnis. Sie sowie die anderen Jugendlichen sind längst in einem einheitlichen Staat angekommen: Sie spüren nicht mehr, dass sie aus verschiedene Bundesländer stammen. "Darüber reden wir nur beim Filmprojekt, ansonsten spielt das keine Rolle", erzählt Lauretta. Auch einige Eltern der Teilnehmer thematisieren die Wende nicht. "Meine Eltern haben mit mir noch nicht über die Wiedervereinigung gesprochen", sagt Niklas Beck. Der Hamburger freut sich, dass er nun durch das Filmprojekt etwas über den Mauerfall erfahren kann. "So bekomme ich auch tiefere Einblicke in derzeitige gesellschaftliche Verhältnisse", sagt der 14-Jährige.

Auch der gleichaltrige Leonard Eckmann weiß nur wenig über die Wendezeit und die darauf folgenden Jahre. "Meine Eltern hatten kurz nach der Wiedervereinigung einen Urlaub in Dresden gemacht und als wir kürzlich wieder in der Elbestadt waren, haben sie mir gezeigt, was sich alles verändert hat", schildert Leonard. Durch das Filmprojekt hat sich seine Sicht auf die Wiedervereinigung erweitert. "Früher wusste ich nur, wie die Menschen in Hamburg die Wende sehen, nun weiß ich auch, welchen Blick der Osten auf das Ereignis hat. Allerdings reichen seiner Meinung nach 20 Jahre nicht aus, um wieder Eins zu werden. Dass dem noch nicht so ist, merkt auch Johann. "Mir fällt die Teilung auf, wenn ich zu Fußballspielen gehe, da dort die Ost-West-Fehde von einigen Fans stark aufrecht erhalten wird", sagt der Klein Grenzer. Das Ergebnis der Jugendlichen wurde gestern in einer Art "Film-Gottesdienst" in der Bernitter Kirche gezeigt.

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