Parum - ein Dorf, das es nicht gibt

Ein Kamerafahrzeug von  Google, das wie hier Häuser in Dortmund aufnimmt, soll es in Parum nicht geben. epd
1 von 3
Ein Kamerafahrzeug von Google, das wie hier Häuser in Dortmund aufnimmt, soll es in Parum nicht geben. epd

von
03. November 2010, 09:45 Uhr

Parum | Ein Dorf wehrt sich gegen Google Street View. In einer Unterschriftenaktion haben sich alle Haushalte in Parum gegen das Veröffentlichen ihrer Häuser und Grundstücke in dem Internetportal ausgesprochen. Initiator ist Wilhelm Meier. Seine persönliche Aversion gegen das Google-Vorhaben erläuterte er bei der Listensammlung für die Volkssolidarität, die ihn in jedes Haus führte. Dabei erhielt er überall Zuspruch. Meier ließ das dokumentieren und schickte die Unterschriften mit einer Erklärung an den Bundesbeauftragten für Datenschutz. Ziel: Parum wird für Google ein Dorf sein, das es gar nicht gibt. Meier schreibt in dem Brief nach Bonn: "Um möglichst wenige Daten an die Firma Google auszuliefern, wäre vermutlich Ihr Wort genug, um ein Tabu über ganz Parum zu erklären, sogar, ohne dass die einzelnen Namen und Unterschriften dem Privatunternehmen auszuhändigen wären - was freilich notfalls auch in Frage kommt."

Die Parumer gingen diesen Schritt, weil sie sich vom Bundesbeauftragten wegen seiner Kompetenz und Autorität eine sinnvolle Unterstützungswirkung versprachen, damit Parum street-view-frei ist und bleibt.

Dann die Enttäuschung in der Antwort: Der Bundesbeauftragte teilt zwar die Meinung der Parumer, dass das Google-Vorhaben ein "besonderes Gefährdungspotenzial für die Persönlichkeitsrechte" darstellt. Aber ein Widerspruch dagegen könne der Bundesbeauftragte den Parumern nicht abnehmen. Das müsse jeder allein tun. So sei man in den Verhandlungen mit Google übereingekommen. Susanne Bohn gab darüber hinaus im Auftrag des Beauftragten allen Parumern in dem Schreiben noch Hinweise, wie und wo sie etwas unternehmen können. Der "Parumer Einspruch" wurde zurückgeschickt.

Wilhelm Meier blieb bei der Antwort zwar fast die Spucke weg, umso heftiger war aber die Reaktion im Namen der Parumer Street-View-Gegner in einem weiteren Brief. So lasse man sich nicht abfertigen, heißt es. Der Bundesbeauftragte wird aufgefordert, die Geschlossenheit der Parumer mit seiner Autorität zu verbinden, denn: "Parum ist ein Ort, den es für Google hinsichtlich seiner Einwohner und Privatbereiche nicht gibt". Meier stellt weiter fest: "So viel werden Sie doch wohl feststellen, weitersagen und durchsetzen können." Für Meier sind die Äußerungen aus Bonn "lahme, unverbindliche Bekenntnisse zum Schutz der Privatsphäre", mit denen sich die Parumer nicht zufrieden geben. Und man sei in dem kleinen Parum nicht so unterwürfig gegenüber einem Medienunternehmen, wie "Ihre Äußerungen" klingen. Dann sprechen die Parumer Klartext: "Es ist eben nicht an uns, jene Firma demütig um Verzicht auf ihre Absichten zu ersuchen, sondern an der Firma, die Einzelnen um Erlaubnis zu bitten. Es ist auch keineswegs Aufgabe staatlicher Stellen, uns das Gutdünken von Google zu erklären und deren ,Fristsetzungen oder Antragsmodalitäten an uns weiter zu reichen." Vielmehr sei ein Beauftragter eingesetzt, "unsere Daten zu schützen, statt der anderen Seite ,legitime Geschäftsinteressen zu bescheinigen", zieht Meier weiter vom Leder. Parum erwartet daher , dass der Bundesbeauftragte jetzt aktiv wird, auch um "seine Existenzberechtigung" nachzuweisen. Man brauche keinen "diskreten Trost", sondern "klare öffentliche Wirkung".

Parum erweitert daher seine Anstrengungen und bietet Interessenten, die sich gegen Google Street View wehren wollen unter der E-Mail-Adresse meier.parum@t-onlie.de an, sich dem "Parumer Einspruch" anzuschließen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen