Parchim : Zuhause in der Wohngemeinschaft

Ursula Kelm hilft bei den Mittagsvorbereitungen. Die Chronik, in der Christel Propall blättert, erzählt von vielen gemeinsamen Unternehmungen der Wohngemeinschaft mit ihren Angehörigen.
Foto:
Ursula Kelm hilft bei den Mittagsvorbereitungen. Die Chronik, in der Christel Propall blättert, erzählt von vielen gemeinsamen Unternehmungen der Wohngemeinschaft mit ihren Angehörigen.

Seit zehn Jahren gibt es in Parchim eine Lebensform für Menschen mit Demenz. Jubiläum mit einem großen Ausflug nach Schwerin begangen.

von
20. September 2017, 21:00 Uhr

Die Wohngemeinschaft als Alternative zum Pflegeheim: Als sich 2007 in Parchim Menschen mit Demenz in einer solchen Lebensform zusammenfanden und sich einen gemeinsamen Pflegedienst ins Haus holten, war das noch ein Novum in der Region. In der Parchimer Weststadt leben acht Betroffene zusammen unter einem Dach. Als Rückzugsort verfügt jeder Bewohner über sein eigenes, individuell eingerichtetes Zimmer. Das „gesellschaftliche Leben“ spielt sich in der großen Küche ab, zu der ebenfalls eine gemütliche Sitzgruppe mit Polstermöbeln gehört. Auch Ursula Kelm hat sich inzwischen gut eingelebt in ihrer neuen Umgebung: Die Parchimerin entschloss sich vor einigen Monaten zum Umzug in die Wohngemeinschaft, als sie immer mehr spürte, dass die Kräfte eines Tages nicht mehr ausreichen würden, um die Wohnung zu bewältigen. „Hier habe ich immer Menschen um mich. Ich bin unter Leuten. Das finde ich gut“, steht die 78-Jährige hinter ihrer Entscheidung.

Den an Demenz erkrankten Vater oder die von der Krankheit betroffene Mutter gut aufgehoben zu wissen, nehme den Angehörigen eine Riesenlast von den Schultern, weiß Astrid Schmidt. Sie ist eine von insgesamt sechs Bezugspersonen, die rund um die Uhr betreuend und begleitend vor Ort sind, u. a. Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags geben, den gesamten hauswirtschaftlichen Bereich absichern und die Freizeit ausfüllen helfen, währenddessen die Pflege von einem professionellen Dienst geleistet wird. Es sei das erklärte Anliegen dieses Wohnkonzeptes, dass jedem Bewohner individuell genau die Hilfe und Pflege zuteil wird, die er möchte und benötigt – bis zu dem Tag, an dem sich sein Lebenskreis schließt. Die Wahl des Pflegedienstes ist eine persönliche Entscheidung der Angehörigen und der Betroffenen, unterstreicht Astrid Schmidt. Sie entschieden sich für den ambulanten Pflegedienst der AWO-Sozialstation. Ebenso tragen alle die Entscheidung mit, wer neu in die WG einzieht. Zum Kennenlernen für beide Seiten, ob es passt, könne zunächst von der Möglichkeit des Probewohnens Gebrauch gemacht werden. Der Tagesablauf ist fest strukturiert. „Gerade Menschen mit Demenz benötigen verlässliche Rituale“, weiß Astrid Schmidt. Die Mahlzeiten werden zu festen Zeiten eingenommen. Bei der Zubereitung ist die Mitarbeit der Bewohner gern gesehen, weil das aktive Mittun hilft, Alltagskompetenzen zu bewahren. Seit dem vergangenen Jahr steht ihnen eine schöne neue geräumige Küche zur Verfügung – ein Geschenk der Arbeiterwohlfahrt. Die Investitionskosten wurden nicht auf die Miete umgelegt. Die Verbundenheit stärken gemeinsame Unternehmungen, bei denen auch die Angehörigen mit dabei sind: Der jüngste Familienausflug führte kürzlich nach Schwerin: WG-Bewohner, ihre Angehörigen und die Betreuungskräfte begingen in der Landeshauptstadt das zehnjährige Bestehen der Wohngemeinschaft mit einer Dampferfahrt, einem gemeinsamen Mittagessen und einer Stadtrundfahrt mit dem Petermännchenexpress. Der anschließende Besuch im Freilichtmuseum Mueß rief viele Erinnerungen an alte Zeiten wach. „Es war ein schöner Tag für uns alle“, schwärmt Astrid Schmidt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen