Neues Wohngebiet in Parchim : Zu viele Vorgaben für Bauherren?

Der Traum vom eigenen Heim: Viele Parchimer warten sehnlichst darauf, dass der B-Plan für die Regimentsvorstadt bald in Papier und Tüten ist.
Der Traum vom eigenen Heim: Viele Parchimer warten sehnlichst darauf, dass der B-Plan für die Regimentsvorstadt bald in Papier und Tüten ist.

Entwurf für neues Wohngebiet in Parchim liegt bis Freitag im Stadthaus aus. Stadt setzt auf „Grundmaß an städtebaulicher Ordnung“

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08. Mai 2019, 05:00 Uhr

Parchim | Bis Freitagmittag liegt der Entwurf des Bebauungsplanes für die Parchimer Regimentsvorstadt öffentlich aus. „Sachlich und fachlich fundierte, kritische Nachfragen sind gewünscht“, sagt der für das Ressort Bauen und Stadtentwicklung zuständige Fachbereichsleiter Frank Schmidt. Gestürmt wurde das Stadthaus, wo die Unterlagen im Raum A111 eingesehen werden können, in den vergangenen vier Wochen zwar nicht. Doch im Vergleich zu anderen Vorhaben in der Kreisstadt sei schon ein besonderes Interesse spürbar: „Es kommen viele Bürger und schauen in den Entwurf hinein“, hat Frank Schmidt festgestellt. Es gäbe auch den ein oder anderen Hinweis. Dennoch zeigten sich die Bürger bisher eher verhalten, was das schriftliche Verfassen von Bedenken und Anregungen betrifft.

In der Regimentsvorstadt soll ein neues Wohngebiet mit Eigenheimen, Mehrfamilienhäusern sowie einem Kinderbildungszentrum (Schule, Kita und Turnhalle) entstehen. Einige angedachte Festlegungen werden von potenziellen Bauherren allerdings mit Skepsis betrachtet. Das betrifft zum Beispiel die Einteilung in verschiedene Baufenster mit vorgeschriebener Geschossigkeit oder die Farbgestaltung von Hauptgebäuden und Garagen. Demnach sollen Sichtmauerwerk beziehungsweise Putzfassade nur in rot oder rotbraun gehalten sein. Blockhäuser sind in der Regimentsvorstadt tabu.

Die erstmals bei einer Kommunalwahl antretende Wählergruppe „Unabhängige Bürger für Parchim“ (UBfP) spricht in einer Pressemitteilung gar von „gestalterischen Schwächen“. Christian Hermann kritisiert „die viel zu engen Vorgaben für die individuelle Hausgestaltung, die nach unserer Einschätzung überhaupt nicht mehr zeitgemäß sind.“ Hermann schaffte 2014 als Einzelbewerber den Sprung in die Stadtvertretung, gehört seitdem der CDU-Fraktion an und tritt zur Kommunalwahl 2019 für die neue Wählergruppe an. UBfP-Kandidat Andreas Scharfschwerdt ergänzt: „Warum eine Differenzierung zwischen Bungalows und Stadtvillen vorgenommen werden soll, erschließt sich uns nicht. Hier stehen wir für weniger Vorgaben durch die Verwaltung und für mehr Freiheiten für die Bauherren.“

Fachbereichsleiter Frank Schmidt verteidigt die Herangehensweise der Stadt: „Bauen ohne Festlegungen wird schwierig.“ Es bedürfe einiger Regeln, um zumindest ein Grundmaß an städtebaulicher Ordnung zu gewährleisten. Damit wolle man auch potenziellen Konflikten in der Nachbarschaft vorbeugen. Eines der attraktivsten Wohngebiete in Parchim – stadtnah und zugleich in der Natur gelegen – soll über eine gewisse Grundqualität verfügen. Im Rathaus ist man sich sicher, dass der B-Plan so viele Freiheiten lässt, damit jeder Bauherr ein angemessenes und schönes Gebäude errichten kann. „Es bleibt Raum für Individualität“, sagt Frank Schmidt.

Mit einer schriftlichen Stellungnahme macht auch die Parchimer Ortsgruppe im ADFC Landesverband Mecklenburg-Vorpommern von ihrer Beteiligungsmöglichkeit Gebrauch. Sie schlägt unter anderem vor, vier Planstraßen nicht mit einem Geh- und Radweg, sondern mit einem reinen Gehweg auszustatten. Es zeichne sich ab, dass diese Wege zu bestimmten Zeiten von besonders vielen Kindern und Schülern frequentiert werden. Damit könnten potenzielle Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern bereits durch die Verkehrsführung vermieden werden. Außerdem sollten diese vier Trassen als Fahrradstraßen gewidmet werden. Fahrradstraßen sind Verkehrsflächen, die dem Radverkehr vorbehalten sind. Sie dürfen von Autos nur sehr eingeschränkt und mit Höchsttempo 30 mitgenutzt werden. ADFC-Ortsgruppenvorsitzender André Pinnau: Im gesamten Planungsgebiet rolle bereits heute starker Radverkehr, der dann noch dichter werde.

Wie mit den Anregungen, Bedenken, Hinweisen und Einwänden von Bürgern sowie der Träger öffentlicher Belange umgegangen wird, darüber hat die neue, am 26. Mai zu wählende Stadtvertretung das letzte Wort. Es wird eine ihrer ersten Entscheidungen in der neuen Legislatur sein.

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