Zeugen sollen Brandstifter entlarven

Das Feuer war in einem frei zugängigen Keller ausgebrochen .
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Das Feuer war in einem frei zugängigen Keller ausgebrochen .

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09. Juli 2012, 06:44 Uhr

Parchim | Ein Kellerbrand sorgte am Sonntagabend für einen folgenreichen Feuerwehreinsatz. Dabei wurden sechs Mieter durch die Kameraden gerettet. Drei, unter ihnen ein Kamerad, wurden verletzt und kamen vorübergehend ins Krankenhaus. Zehn Wohnungen wurden unbewohnbar (wir berichteten).

Es war 17.18 Uhr, als die Parchimer Freiwillige Feuerwehr alarmiert wurde. "Kellerbrand in der Otto-Grotewohl-Straße 9" hieß es. "Schon bei der Anfahrt sahen wir von der Leninstraße aus die Rauchentwicklung, vor Ort schlugen die Flammen bereits im Treppenhaus hoch", so Wehrführer Bernd Schröder.

Die Hauseingangstür war bereits angeschmolzen und hing nur an einem Scharnier. Im Treppenhaus standen ein Kinderwagen und ein Roller in Flammen. Für die Einsatzkräfte kam erschwerend hinzu, dass etliche Mieter noch in ihren Wohnungen waren. Ihnen war der Fluchtweg über das Treppenhaus abgeschnitten. So auch für Alexander Hastädt im vierten Stock. "Als meine Freundin und ich von dem Feuer erfuhren, sahen wir zunächst keine Chance der Flucht war", erzählt der 29-Jährige. Er tat das einzig Richtige: Er schlug die Tür wieder zu und dichtete mit Handtüchern diesen Bereich ab, damit kein giftiger Rauch in die Wohnung dringen konnte und machte sich am Fenster bemerkbar. Außerdem informierte er seine Mutter Gabriele Hastädt. Ihr kamen nach diesem Anruf böse Erinnerungen hoch. Sie arbeitet als Erzieherin beim DRK und dachte sofort an den kleinen Jungen, der beim Brand des Kinderheimes am 8. November 2008 durch Rauchgase ums Leben kam.

Mit der Drehleiter wurde Wohnung für Wohnung von außen durch die Fenster abgesucht. Andere Kameraden kämpften sich unter Atemschutz durch das Treppenhaus und öffneten die Türen. "Mitunter mussten sie mit Hilfe von Technik gewaltsam geöffnet werden", so Schröder. Sechs Mieter wurden mit Fluchthauben ausgestattet. "Fluchthauben sind mit einem Sichtfenster und einem Filter versehen", erklärt Zugführer Kay Marckwardt. Die inzwischen eingetroffenen Rettungskräfte des DRK und der Notarzt übernahmen die Erstbehandlung vor Ort. Zwei Personen wurden in die Asklepios Klinik eingeliefert. Inzwischen war das Feuer im Keller gelöscht und der beißende Rauch wurde aus dem Gebäude gesaugt. Ein Kamerad erlitt durch die Anstrengungen Kreislaufprobleme und wurde ebenfalls ins Krankenhaus eingeliefert, dass er aber noch am Abend wieder verlassen konnte.

Die Kripo hat Ermittlungen aufgenommen und schließt nach bisherigem Stand eine technische Ursache aus. "Wir ermitteln wegen des Verdachts auf Brandstiftung", bestätigt Klaus Wiechmann von der Polizeiinspektion Ludwigslust. In diesem Zusammenhang werden dringend Zeugen gesucht, darunter auch ein etwa 30-jähriger Mann. Hinweise nimmt die Polizei unter Telefon 038 71/6000 entgegen.

Alle Wohnungen des Aufganges sind unbewohnbar und einige Mieter benötigten eine Ersatzwohnung. Doch leider war niemand von der Parchimer Wohnungsbaugenossenschaft eG erreichbar. Durch Bürgermeister Bernd Rolly, der selbst vor Ort war, wurde die Wobau Parchim zu Hilfe gerufen, die aus ihrem Bestand Gästewohnungen zur Verfügung stellte. "Wir haben am Montagmorgen Ersatzwohnungen bereit gestellt, einen Umzugsservice bestellt und werden versuchen, Möbel zu reinigen. Im Krankenhaus haben wir die Verletzten besucht", so Erhard Vick, Vorstandsvorsitzender der PWG.

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