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Diskussion mit Minister Till Backhaus : Wolf bereitet Viehhaltern Sorgen

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Zahlreiche Bürger nutzen Gelegenheit im Landwirtschaftsausschuss des Kreises zur Diskussion mit Minister Till Backhaus

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Das größte Raubtier in unserer Region breitet sich aus und sucht sich auch auf den Weiden Futter. Landesweit wurden in den vergangenen Jahren 283 Schafe durch den Räuber getötet bzw. verletzt. Dazu kommen zwei Ziegen, fünf Rentiere, 13-mal Gatterwild, zwei Rinder und ein Pferd. Das geht aus Zahlen hervor, die Landwirtschaftsminister Till Backhaus am Dienstagabend bei der Beratung des Landwirtschaftsausschusses des Kreistages in Parchim nannte.

„Wir müssen Antworten finden“, so Ausschussvorsitzender und Landwirt Dietrich Groth (ABLR) aus Radelübbe. Sehr intensiv wird das Thema unter den Viehhaltern diskutiert, nachdem bekannt wurde, dass ein Wolf in der Lübtheener Heide ein Rind angegriffen hatte, erfährt SVZ von Nicole Gottschall, Geschäftsführerin vom Bauernverband Ludwigslust. Die Bauern wollen Regelungen, dass die Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe gewährleistet ist.

Vor allem aus dem Westen des Landkreises Ludwigslust-Parchim waren zahlreiche Bürger nach Parchim gekommen, um Backhaus mit Fragen zu konfrontieren. In der Lübtheener und in der Kalißer Heide gibt es zwei nachgewiesene Wolfsrudel. Viehzüchter beklagten Angriffe auf Nutztiere, Jäger die Dezimierung der Wildbestände, Anwohner aus Dörfern äußerten Sorgen, weil der Räuber dicht an Häusern gesichtet worden sein soll.

Diese Karte zeigt schematisch die bekannten Rudelterritorien (kreisförmig) sowie ausgewählte weitere Punkte mit markanten Hinweisen aus dem Monitoring Quelle: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern
Diese Karte zeigt schematisch die bekannten Rudelterritorien (kreisförmig) sowie ausgewählte weitere Punkte mit markanten Hinweisen aus dem Monitoring Quelle: Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern

„Beim Wolf geht ein Riss durch die Gesellschaft“, so Backhaus. „Wir werden uns in Zukunft die Frage stellen müssen: Wie viele Wölfe verträgt das Land Mecklenburg-Vorpommern?“ Doch auch der Wolf habe ein Recht, hier zu leben. Er habe den höchsten Schutzstatus in Deutschland. Durch das Artenschutzabkommen hat sich Deutschland verpflichtet.

Der Mensch und die Natur müssten mit dem größten Raubwild in der Region zurecht kommen. Er glaube, dass sich die Wolfspopulation schneller entwickelt als mancher denkt, so Backhaus. Das ganze Land wurde – abgesehen von den Inseln – zum Wolfsgebiet erklärt. Das ist auch die Voraussetzung für Förderungen und Entschädigungen von Landwirten. Backhaus sieht einen möglichen Weg für die Zukunft darin, dass die ehemaligen Truppenübungsplätze und die Großschutzgebiete als Wolfsgebiete definiert werden. Doch wenn der Wolf diese verlässt, müsse er Ärger bekommen.

Von Zuhörern kam die Forderung nach Bejagung des Wolfs, so wie es auch in vielen anderen Ländern erfolge. Irgendwann werde man sonst die Ausbreitung nicht mehr in den Griff bekommen. Backhaus sprach sich auf Fragen dagegen aus, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen – u.a. aus möglichen Haftungsfragen und um nicht die Jäger selbst in die Schusslinie der Debatte um den Wolf zu bringen. Er verwies darauf, dass es im Land auch gelungen sei, eine Regelung zur Dezimierung der Kormoranbestände zu finden.

Ein Schäfer verwies auf die enormen Aufwände beim Schutz der Tiere vor dem Räuber. Die müssten nach seiner Auffassung nicht nur zu 75, sondern zu 100 Prozent gefördert werden. Backhaus schloss nicht aus, dass die Förderung überdacht wird. Aber zu 100 Prozent werde sie nicht erfolgen.

Hintergrund: Der Wolf in der Region

  • 2006 wurde der erste Einzelwolf in unserem Bundesland entdeckt. Heute sind in Mecklenburg-Vorpommern drei Wolfsrudel nachgewiesen, davon eins in der Ueckermünder Heide (in drei Jahren 18 Welpen) und zwei im Landkreis Ludwigslust-Parchim: in der Lübtheener Heide (in drei Jahren insgesamt 14 Welpen) und in der Kalißer Heide (mindestens vier Welpen).
  • Immer wieder gab in der Vergangenheit Beobachtungen, dass auch in der Parchimer Region ein Wolf aufgetaucht ist. Das betrifft beispielsweise Bergrade und Slate.
  • Wölfe wurden u.a. auch aus der Retzower Heide und südlich von Neustadt-Glewe gemeldet, aber beispielsweise auch im Norden des Naturparks Nossentiner Heide am Drewitzer See.
  • Im Land wurden über 80 Wolfsexperten ausgebildet und mehr als 20 Rissgutachter bestimmt, die Schäden durch den Wolf bestimmen können.
  • Bei Nachweisen , dass wirklich der Wolf Tiere getötet oder verletzt hat, zahlt das Land Entschädigungen an die Halter für den Verlust. Voraussetzung ist allerdings, dass die Tierhalter vorgeschriebene Schutzmaßnahmen eingehalten haben. Da gibt es insbesondere bei Ziegen und Schafen beispielsweise genaue Vorgaben zur Umzäunung. Als Kompensation hat das Land seit 2007 rund 46 000 Euro ausgezahlt
  • Zu 75 Prozent können Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor Wölfen gefördert werden. Rund 200 000 Euro wurden bisher landesweit für Präventionsprojekte ausgezahlt.

 

 

 

 

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