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Online-Petition : Wird der Schutz für Biber gelockert?

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Wasser- und Bodenverband wirbt auf Messe für Online-Petition. 50 000 Unterschriften nötig, damit sich Bundestag mit Thema befasst.

von
erstellt am 03.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Baumeister Biber sorgte in den vergangenen Jahren zunehmend für Probleme. In Parchim nagte er sich durch hartes Bongossi, auch Eisenholz genannt, an einer Stauanlage am Mühlenfließ. In Mestlin und bei Wamckow machte er Stautafeln unbrauchbar. In Blankenberg gab es Sorgen, dass eine Bahnlinie unterspült wird. In Kaarz stand ein Radweg und unter der Brücke an der Autobahn bei Dämelow ein Wirtschaftsweg unter Wasser.

Viele Geschädigte hoffen, dass der strenge Schutz des Bibers gelockert wird. Darauf zielt eine Petition, für die der Wasser- und Bodenverband Obere Warnow gestern auf der Hanseschau in Wismar warb.

Insgesamt werden 50 000 Stimmen benötigt, damit sich Bundestag mit dem Thema befasst.
Hier geht es zur Online-Petition

Auf einem Flyer machte der in Warin ansässige Verband, der am längsten im Landkreis Parchim mit Folgen der Wiederansiedlung des Bibers zu tun hat, auf die Situation aufmerksam. Der Nager ist ein nach EU-Recht streng geschütztes Tier, heißt es darin. Durch menschliche Nachstellung wurde er fast vollständig ausgerottet. Etwa 30 Biber wurden in den Jahren 1970 bis 1973 an der Peene sowie 1990 und 1992 an der Warnow ausgesetzt. Diese 30 sowie eingewanderte Biber von der Elbe entwickelten sich zu einem heutigen Bestand von etwa 1500 Tieren in Mecklenburg-Vorpommern.

Biber verursachen durch den Anstau von Gewässern wirtschaftliche Schäden an Straßen, Bahndämmen, Deichen und bebauten Flächen. Erheblich betroffen sind land, forst- und fischereiwirtschaftliche Flächen, heißt es in dem Flyer.

Da die Population des Bibers seit längerer Zeit stabil sei, er sich stetig weiter ausbreitet, sich flächendeckend im Land ansiedelt und demzufolge die Schäden zunehmen, hat die Landtagsabgeordnete Beate Schlupp am 10. Januar eine Onlinepetition in den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages eingereicht. Der lautet: „Der Deutsche Bundestag möge beschließen: Die Bundesregierung wird aufgefordert, bei der Europäischen Kommission den Antrag zu stellen, dass der Biber in den Anhang V der FFH-Richtlinie aufgenommen wird.“

Dies bedeutet nicht, dass der Biber keinen Schutz mehr genießt, die Verfahren für Eingriffe und Ausnahmen sollen aber weniger aufwendig gestaltet und damit Kosten und Verwaltungsaufwand reduziert werden, erklärt der Wasser- und Bodenverband. Die Unteren Naturschutzbehörden würden entlastet und könnten ihr Augenmerk wieder mehr auf andere Belange des Arten- und Naturschutzes lenken. Trotzdem würde ein Eingriff in ein Biberhabitat immer eine Einzelfallentscheidung bleiben, die sich an den Bedingungen im Revier der Nager orientiere.

Bis kommenden Donnerstag, also bis zum 9. März, müssen insgesamt 50 000 Unterschriften zusammenkommen, damit sich das Bundesparlament mit dieser Thematik beschäftigt.

Auch in der Parchimer Region gibt es viele Bürger, die sich für eine Lockerung des Schutzes des Bibers aussprechen, weiß Uwe Zöllner, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Mittlere Elde. Allerdings sei der Verwaltungsweg zur Änderung des Gesetzes sehr schwierig. Auch mit dem Instrument der Online-Petition seien die Menschen in der Region zu wenig vertraut und offenbar wurde im Vorfeld zu wenig über den Inhalt aufgeklärt. Von 50 000 Unterschriften sei man weit entfernt, weiß Andrea Oleak, Geschäftsführerin im Wasser- und Bodenverband Obere Warnow. Gestern Mittag lag die Zahl knapp unter 400.

Wie Andrea Oleak sagte, habe ihr Verband einen guten Partner – den Naturpark Sternberger Seenland, der auch das Bibermonitoring betreibt. Die Ranger sind sehr viel unterwegs, sehen viel, greifen bei Problemen ein – z. B. mit dem Abtragen von Biberdämmen und dem Einbau von sogenannten Bibertäuschern. Die Entscheidung, was im Einzelfall getan werden darf, liegt bei den Landkreisen.

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