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Parchimer Windparkkritiker fordern auf : "Wir nehmen den Landrat beim Wort"

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Nachdem sich der Landrat für mehr Tranzparenz beim Ausbau der Windenergie ausgesprochen hat, fordert ihn die Parchimer Bürgerinitiative "Gegenwind" zum offenen Dialog auf.

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erstellt am 12.Apr.2013 | 08:31 Uhr

Parchim | Seit mehr als einem Jahr setzen Dietlind Gohle und ihre Mitstreiter von der Bürgerinitiative "Gegenwind" alle Hebel in Bewegung, um den geplanten Windpark mit 25 Turmgiganten am östlichen Stadtrand doch noch zu stoppen. Hinzu kommt die Befürchtung, dass mit einer Modifizierung der Kriterien für Windeignungsgebiete hier und in der gesamten Region noch mehr Windenergieanlagen entstehen könnten. Nachdem Landrat Rolf Christiansen (SPD), zugleich Vorsitzender des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg, nach der jüngsten Sitzung erklärt hat: "Da die regional ausgestalteten Kriterien noch nicht vorliegen, gibt es derzeit keinerlei belastbare Planunterlagen, die erkennen lassen, an welchen Standorten zukünftig weitere Windeignungsgebiete ausgewiesen werden", traf das bei Dietlind Gohle auf offene Ohren. "Schön, wenn dies so wäre. Aus Erfahrung bleiben wir aber skeptisch", ist sie sich mit Ingo Schawe, der die Bürgerinitiative Neuburg vertritt, einig. Dabei spielt auch eine Rolle, dass ihnen erst vor wenigen Tagen neue Karten mit zusätzlichen Windparkflächen bekannt geworden sind. Der Landrat hat gegenüber der Parchimer Zeitung bereits klar gestellt, dass diese nur auf "Annahmen" beruhen würden.

Die Bürgerinitiativen haben beschlossen, sich kurzfristig mit einem offenen Brief an Rolf Christiansen zu wenden. "Wir nehmen den Landrat beim Wort. Wenn er jetzt von mehr Bürgerbeteiligung spricht, hoffen wir, dass damit nicht nur ein anonymes Beteilungsverfahren gemeint ist", sagt Dietlind Gohle. Aus ihrer Sicht sei es in der Vergangenheit nicht wirklich gelungen, die Energiewende mit dem Erhalt der Lebensqualität der Menschen und der Natur vor Ort in Einklang zu bringen. Die immer stärker werdenen Proteste der Bürger sprechen eine deutliche Sprache. "Es wurde in den zurückliegenden Jahren die Windenergie zu sehr am Bürger vorbeigeplant", geben die Kritiker in dem Schreiben zu bedenken.

"Wir laden unseren Landrat zu einem offenen Dialog ein und würden uns über einen Terminvorschlag freuen", so Dietlind Gohle. Wichtig wäre ihr, dass man bei diesem Treffen gegenseitig Argumente austauschen kann und eine lebendige Diskussion zustande kommt. Mit Vorschlag zum Dialog haben die Windparkkritiker eine Reihe von Fragen übermittelt. Dabei spielen die umstrittenen Abstandsflächen eine wichtige Rolle. Nahrung hat in dieser Frage die Skepsis der Windkraftkritiker bekommen, nachdem auf der jüngsten Sitzung des Planungsverbandes in Grevesmühlen zwei Varianten vorgestellt worden sind. So soll bei 1000 Metern Entfernung zu Ortschaften künftig eine 3500 Hektar große Windenergiefläche oder bei nur 800 Metern Abstand womöglich eine 11 200 Hektar große Fläche für Windenergieanlagen nutzbar sein.

Befürchtet wird auch, dass im Interesse weiterer Windenergieeignungsräume Vogelschutzgebiete leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Der Erhalt des Rotmilans sei aus Sicht der Bürgerintiative bereits akut gefährdet. Auch die befürchtete Rückstufung von Wasserschutzgebieten sei nicht zu akzeptieren. "Warum machen Sie sich nicht dafür stark, dass die Tages- und Nachtbefeuerung über eine Frequenzschaltung reguliert wird?" lautet eine der konkreten Fragen. Eins wird klar, es gibt offensichtlich hinreichend Gesprächsbedarf.

Die Erwartungen der Bürgerintiativen , dass ein Gericht die Pläne für den Windpark in Parchim stoppt, haben sich bisher nicht erfüllt. "Wir sind stocksauer, dass der Planungsverband trotz diverser Aufforderungen des Oberverwaltungsgerichtes notwendige Stellungsnahmen noch immer nicht abgegeben hat. Da stellt sich die Frage, ob das Verfahren hinausgezögert werden soll", klagt Dietlind Gohle. Für die Gerichtskosten hat die Bürgerintiative bei Betroffenen über 10 000 Euro gesammelt. Ob eine Entscheidung noch vor der nächsten Sitzung der Stadtvertretung fällt, ist offen. Am 8. Mai soll dort voraussichtlich u.a. über eine für das Projekt zwingend notwendige Änderung im Flächennutzungsplan entschieden werden.

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