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Simson-Fans aus Zieslübbe : „Winterzeit ist Schrauberzeit“

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Sieben junge Männer, die auf Oldies stehen: „Grenzzaun Mopedz“ reparieren und fahren kultige Simson-Maschinen. Exklusiver Kalender für 2017 ein voller Erfolg.

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Schöne Frauen an schönen Orten auf schönen Mopeds, so in etwa hörte sich wahrscheinlich die „Schnapsidee“ der Jungs von „Grenzzaun Mopedz“ an, als sie ihren eigenen Fotokalender planten. Und nun, an einem Winterabend des noch jungen Jahres, hängt das letzte Exemplar, das ihnen von der Aktion geblieben ist, inmitten der sporadischen Sitzecke ihrer Schrauberstätte. Der Anblick der hübschen Damen von nebenan und der mühevoll restaurierten DDR-Mopeds lässt das  Bier in gemütlicher Männerrunde gleich viel besser schmecken.

„Mit einer so großen Nachfrage haben wir nicht gerechnet. Nach dem 300 Stück gleich weggingen, haben wir  nachbestellt. Auch der Nachschub war ganz schnell ausverkauft“, erzählt Jan Thamm. Kein Wunder. Bei den zwölf hochwertigen Kalenderfotos gleicht kein Motiv dem anderen. Ob mit Blaumann in der Werkstatt, im Kleidchen auf dem sommerlichen Acker oder in Lederjacke auf einer leeren Industriebrache. Auf originellen, regionalen Schauplätzen posieren die befreundeten Frauen der sieben Parchimer auf sowie neben den begehrten Oldtimer-Stücken.

„Grenzzaun Mopedz“:  Den Namen und das eigens kreierte Logo wählten die Männer zwischen zwanzig und vierzig vor etwa zweieinhalb Jahren um ihre Zusammengehörigkeit auszudrücken. So tragen sie auf ihren Pullovern und Jeanswesten das Emblem als Erkennungszeichen. Mittlerweile kann man ihre Sachen auch im Internet kaufen.

Kalender und Klamotten? Die Jungs treffen eigentlich regelmäßig aus anderem Grund zusammen. Sie teilen ein Hobby: In die Jahre gekommene DDR-Mopeds fahrtüchtig machen, nach eigenem Geschmack aufmotzen und Ausfahrten veranstalten. „Das Fahren ist das, was uns verbindet. Im Sommer wird gefahren und die Winterzeit ist Schrauberzeit“, meint Jan Thamm. Der gemeinsame Spaß stehe ganz klar im Vordergrund.

„Grenzzaun Mopedz“ genießen in der Simson-Schrauberszene einen hohen Bekanntheitsgrad. „Jedes Jahr fahren wir auf das Ifa-Treffen nach Schwerin. Beim letzten Mal kamen uns die Leute hinterher, weil sie einen Kalender  ergattern wollten. Andere stellten sich   neben uns auf, weil sie unsere umgebauten Maschinen schätzen“, erinnert sich Schwantes. Der 26-Jährige verpasste seinem Simson Star mit einem Bunsenbrenner ein rostig anmutendes Aussehen. „Quasi flambiert“, erklärt er stolz.

Ihre restaurierten Nostalgie-Krafträder fallen nicht nur Kennern bei Messen ins Auge. Die Schmuckstücke, die Ostcharme und Moderne miteinander verbinden, kommen in den sozialen Netzwerken wie Instagram gut an. „Wir legen nicht, wie die meisten, Wert auf den Originalzustand, sondern wollen unseren Mopeds optisch eigenen Stil verpassen“, sagt Riccardo Hallmann, den  alle „Hecke“ nennen. Auch seine Schwalbe namens „Helga“ steht im „Vintagelook“ in der Zieslübber Halle und wartet auf die nächste Spritztour. Josef Thielert ergänzt: „Wir legen Wert darauf, dass die Mopeds alt aussehen, so verwenden wir meist zeitgemäße Farben“.

Sich als Gruppe und einzeln voneinander abzugrenzen, sage ihr Name aus, meint Martin Herrmann. „Kein Moped sieht aus wie das andere“, versichert er.

Die Kosten für die Mühen übersteigen hunderte an Euros. Das Anschaffen der Zweiräder sei teilweise am günstigsten gewesen. „Jeder hatte das Glück, einen Scheunenfund zu erstehen. Schließlich schmiss die Generation unserer Väter die Teile nach der Wende einfach weg. Aber es fällt immer schwerer, Mopeds für Umbauten zu finden“, erzählt Josef Thielert. „Simson-Mopeds erleben heute eine Renaissance, meint Martin Herrmann dazu.

Derzeit beschäftigen sich die sieben von „Grenzzaun Mopedz“ mit dem Fitmachen ihrer Oldtimer für das Frühjahr. Robin Meier, einer der jüngeren Herren, ist schon ungeduldig: „Ich bin mit der Restaurierung meiner Simson SR2 zu Beginn des schlechten Wetters fertig geworden. Jetzt kann ich die erste Ausfahrt kaum erwarten“, sagt der Hobbyschrauber.

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