Windpark nimmt Hürden

Hundrichs humanistische Kunst 'Der liegende Mensch' - projiziert auf das Luftbild Parchim -  ließ 2011 Parallelen zu Fukushima wach werden, an die Stadtvertreterin Brigitte Kowalsky vor der Entscheidung zum geplanten Windpark erinnerte.Wolfried Pätzold
Hundrichs humanistische Kunst "Der liegende Mensch" - projiziert auf das Luftbild Parchim - ließ 2011 Parallelen zu Fukushima wach werden, an die Stadtvertreterin Brigitte Kowalsky vor der Entscheidung zum geplanten Windpark erinnerte.Wolfried Pätzold

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21. September 2012, 09:34 Uhr

Parchim | Dem Entwurf des Bebauungsplanes Nummer 44 "Windeignungsgebiet Parchim-Ost" und der öffentliche Auslegung der Unterlagen stimmte am Mittwochabend die große Mehrheit der Stadtvertreter zu. Zuvor hatten sie bereits für die Änderung des Flächennutzungsplanes grünes Licht gegeben. Damit nimmt das umstrittene Projekt, dass am östlichen Stadtrand von Parchim bis zu 25 Windtürme von einer bislang einmaligen Höhe von 185 Metern vorsieht, weitere Hürden. Der Investor hat zwischenzeitlich bereits für neun Windanlagen das Genehmigungsverfahren beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft eingeleitet.

Zunächst hatten sich die Stadtvertreter darauf geeinigt, die Entscheidung über den geänderten Flächennutzungsplan und den Bebauungsplan im Paket zu beraten. Der Erste Stadtrat Detlev Hestermann stellte noch einmal klar, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur der Entwurf eines B-Planes zur Entscheidung stand. Die Auslegung, Abwägung und schließlich ein Beschluss folgen später. Die Anpassung des Flächennutzungsplanes an übergeordnetes Recht in Form der Raumplanung, in der ein Windeignungsraum am Parchimer Stadtrand festgeschrieben wurde, ist quasi Formsache. Mit Reinhard Böhm von der Bürogemeinschaft für Stadt- und Dorfplanung Rostock stand den Stadtvertretern am Abend ein Experte Rede und Antwort.


Der Teufel steckt im Detail

Im Entwurf des B-Planes sind vor allem technische Forderungen enthalten, um schädliche Umwelteinwirkungen auf Mensch, Tier und Natur zu vermeiden bzw. zu mindern. Diese betreffen beispielsweise die Begrenzung der Tag- und Nachtbefeuerung und die Synchronisierung der Blinkfolge im gesamten Windpark. Auch technische Steuerungseinrichtungen, die die Geräuschemissionen dämpfen, sollen zwingend vorgeschrieben werden.

Brisanter dürfte der Umgang mit einer Splittersiedlung am östlichen Rand des geplanten Windparkes werden, die im Raumordnungsprogramm - für viele kaum nachvollziehbar - keine Berücksichtigung findet. Dies soll nun nachgebessert und eine entsprechende Fläche aus dem Windeignungsraum heraus geplant werden. "Die Stadt muss bei der obersten Landesplanungsbehörde einen Extra-Antrag stellen", sagt Böhm. Außer der Hoffnung, dass man dort im Interesse des "Sozialfriedens" einlenkt, bleibt die Sache spannend. Einig ist man sich, dass ein späterer Beschluss über den B-Plan davon in jedem Fall abhängen dürfte.

In der sachlichen Debatte erinnerte Brigitte Kowalsky (Albus/CDU-Fraktion) an die Botschaft, die nach der Atomkatastrophe in Japan mit einem Projekt des Künstlers H.-W. Hundrich von Parchim in die Welt ging. "Der Windpark vor unserer Haustür ist auch ein Zeichen für Fukushima", spricht die Umweltaktivistin Kritikern ins Gewissen.

CDU- und SPD-Fraktion sind sich wie selten einig. Für beide signalisierte Eckhard Büsch ungeteilte Zustimmung und die Mehrheit der Stadtvertreter folgte.

Nach einer Bekanntmachung werden die Pläne für vier Wochen öffentlich ausgelegt. "Ich appelliere an die Parchimer, von ihrem Recht Gebrauch zu machen, sich einzumischen und ihre Anregungen vorbringen", so Stadtpräsident Dirk Flörke.

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