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Gemeinde Groß Godems setzt Zeichen : Windpark: Ganzes Dorf hat das Wort

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Sollen Windräder in Groß Godems gebaut werden oder nicht? Mit Ja oder Nein können die Einwohner in der 400-Seelen-Gemeinde in knapp zwei Wochen am Tag der Bundestagswahlen darüber abstimmen.

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erstellt am 08.Sep.2013 | 05:49 Uhr

Groß Godems | Sollen Windräder in Groß Godems gebaut werden oder nicht? Mit Ja oder Nein können die Einwohner in der 400-Seelen-Gemeinde in knapp zwei Wochen am Tag der Bundestagswahlen darüber abstimmen. "Es soll auch ein Signal an andere Gemeinden sein", sagt der stellvertretende Bürgermeister Ralf Wassmann. Er hatte die Bürgerbefragung angeregt: Die Gemeindevertretung, in der es sowohl Befürworter als auch Gegner der Windkraft gibt, will ein Stimmungsbild der Bürger bekommen, sagt Wassmann.

Auf einer Einwohnerversammlung am Freitagabend in Groß Godems gab es Informationen zu einem möglichen Windpark und eine Diskussion über Chancen und Risiken. Noch darf in der Gemeinde niemand solche Anlagen bauen. "Wir sind noch kein Windenergieeignungsgebiet", betonte Bürgermeisterin Uta Bossow. Dennoch stehen bereits drei verschiedene Anbieter bereit, die in Godems Windräder errichten wollen. Sie setzen auf die Ausweisung neuer Gebiete. Bis Anfang 2014 soll ein neuer Entwurf des Raumentwicklungsprogramms für Westmecklenburg vorliegen, in dem am Ende auch festgeschrieben wird, wo Windräder gebaut werden dürfen und wo nicht. Ralf Wassmann verwies darauf, dass der Vorstand des Regionalen Planungsverbandes die Belange der Bürger einbeziehen will. Sind die Eignungsräume festgelegt, gibt es für die Kommunen indes kaum noch Möglichkeiten, den Bau von Windrädern zu verhindern, war aus den Worten von Roland Wulff, Mitarbeiter im Bau- und Ordnungsamt Parchim-Land, zu hören. Er verwies zudem auf Aussagen aus dem Planungsverband, dass neue Eignungsräume nur dort entstehen sollen, wo sich Gemeinden finanziell am Bau von Windparks beteiligen. Das sei aber noch nicht festgeschrieben, stellte Wassmann klar.

Auf die aus dieser Beteiligung fließenden Gelder hoffen auch die Befürworter von Windkraftanlagen in Groß Godems. "Es gibt viel Geld, das ist Fakt", so Bürgermeisterin Bossow, die Freitagabend auch auf die angespannte finanzielle Situation in der Gemeinde aufmerksam gemacht hatte. Die Windräder würden nach einem an diesem Abend vorgestellten Projekt auf Gemeindeland gebaut und die Gemeinde würde sich am Projekt beteiligen. Es geht um vier bis maximal fünf Windräder, die nahe der Autobahn errichtet werden sollen, erklärten Bossow und auch einer von den drei möglichen Anbietern: Frank Ebest aus Groß Godems von der EED Planungsgesellschaft. Mehr Windanlagen seien in der Gemeinde nicht möglich durch ein nahes Vogelschutzgebiet, einen Radarturm zur Wetterbeobachtung und bei Beachtung von Abständen von 1000 Metern zum Ort und 200 Metern zum Wald. Die Anlagen aus deutscher Produktion sollen dort stehen, wo es ohnehin schon Beeinträchtigungen gibt, so Ebest. Denn die Autobahn erzeuge Laub und Staub. Das Planungsverfahren dauere mindestens drei Jahre. Richard Turbatu, Geschäftsführer einer Berliner Gesellschaft, die die EED unterstützt, warb mit ähnlichen Projekten an der Autobahn in Brandenburg, die halfen, dass Gemeinden ihre Schulden abbauen.

Während die Investoren mit der sauberen Windenergie warben, äußerte sich Dietlind Gohle, Vereinsvorsitzende von Gegenwind Parchim e.V., skeptisch. Sie verwies u.a. auf Flächen, die für den Bau von Windkraftanlagen versiegelt werden müssen, aber beispielsweise auch auf die Gefahr, dass bestehende Anlagen verkauft und später durch noch größere ersetzt oder dass verschlissene Anlagen nicht zurückgebaut werden könnten. Angesichts der zahlreichen bereits bestehenden Windräder und der geplanten im Landkreis Parchim, davon allein 25 in der Parchimer Oststadt, meinte sie: "Wir werden zugebaut. Haben wir uns im Altkreis Parchim richtig entschieden, dass wir hier wohnen?" Es sei schlimm, dass es beim Bau der Windräder nur noch um Geld gehe. "Es werden Summen bezahlt, die sind nicht mehr vertretbar", so Gohle.

"Wir haben kein finanzielles Angebot angenommen", versicherte Uta Bossow für ihre Gemeinde. Vorgesehen sei, die Windräder nach 20 Jahren zurückzubauen. Sie rief alle Groß Godemser auf, sich an der Abstimmung am 22. September im Wahllokal zu beteiligen und damit ihre Meinung zum Thema Windkraft zu äußern. Das sei ebenso per Briefwahl möglich.

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