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Parchim : „Windkraftbeschluss wird zur Farce“

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Seit Monaten dreht sich für die Anwohner von Parchim und Neuburg alles um das Thema Windkraftanlagen: Sie wehren sich gegen den Bau eines Windparkes - und die damit verbundenen Belastungen für Mensch und Natur.

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erstellt am 12.Dez.2012 | 10:55 Uhr

Parchim | "Die Windkraftanlagen, die vor unserer Haustür gebaut werden sollen, haben schon jetzt mein Leben grundlegend verändert", sagt Dietlind Gohle. Seit Anfang des Jahres setzt sie sich zunächst als Anwohnerin und inzwischen als Sprecherin der Bürgerintiative "Gegenwind Parchim e.V." kritisch mit dem nahe dem Rabensoll geplanten Windpark auseinander. Auch bei Henry Daartz der im benachbarten Neuburg zu Hause ist und dort eine Interessengemeinschaft ins Leben gerufen hat, dreht sich seit Monaten alles um das Thema "Windkraftanlagen". "Da gibt es keinen Tag mehr, an dem ich nicht über die Sache nachdenke, Unterlagen studiere oder Einwände formuliere", sagt er.

"Wir sind für Windkraft, lehnen aber das konkrete Projekt grundlegend ab", bringt Daartz die Meinung seiner Mitstreiter auf den Punkt. Schon vor einiger Zeit haben die Kritiker des Windeignungsgebietes Parchim-Ost so genannte Vertikaldreher ins Spiel gebracht, die ihrer Meinung nach die Belastung für die Anwohner und die Natur deutlich reduzieren würden. "Leider bekommen wir für unsere Vorschläge weiterhin keine Unterstützung", beklagt Dietlinde Gohle die Situation und fügt hinzu: "Wir werden falsch informiert, belogen und auch ignoriert".

Bis zum 30. November hatte jedermann die Möglichkeit, die im Stadthaus ausgelegten Planungsunterlagen einzusehen und Einwändungen bzw. Anmerkungen vor- oder zu Papier zu bringen. "Ich begrüße ausdrücklich, dass die Stadt erstmals die Chance genutzt und die Unterlagen ins Internet gestellt hat. Damit war es vielen einfacher möglich, sich mit der komplizierten Materie zu beschäftigen", meint Dietlinde Gohle. Andererseits sind auch die Kritiker dabei an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen. "Es ist für einen Bürger kaum machbar, sich in vergleichsweise kurzer Zeit in tausende Seiten einzulesen und die Fakten zu bewerten", gibt Henry Daartz zu bedenken. Doch die Mühen haben sich aus Sicht der beiden durchaus gelohnt. Sie haben inzwischen auf 18 Seiten die sachlichen Gegenargumente detailliert aufgelistet. "Leider sind wir skeptisch, ob die Verantwortlichen das ernst nehmen und qualifiziert antworten", so Daartz. Bislang habe man keine guten Erfahrungen gemacht und die Diskussionsbeiträge in der Stadtvertretersitzung wären enttäuschend gewesen.

Die Windkraftgegner erwarten schon bald eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes auf die vor Wochen eingereichte Klage gegen den Bau des Windparkes zwischen Parchim und Neuburg. Für die Gerichtskosten, die sich auf mehrere tausend Euro belaufen, wurde gesammelt. "Die Anwohner der betroffenen Wohngebiete haben zwischen 10 und 500 Euro gegeben und wir haben am Ende die benötigten Gelder für die Klage zusammen bekommen", berichtet Dietlinde Gohle.


Heute Abend geht es auf der um 17 Uhr im Saal des historischen Rathauses beginnenden Stadtvertretersitzung auch wieder um das brisante Thema. Die Verwaltung hat als Vorlage das gemeindliche Einvernehmen auf Errichtung und Betrieb von fünf Windergieanlagen im Windeignungsgebiet 27 eingebracht. Die Investoren, die UKA Nord Projektentwicklung aus Rostock wollen die Anlagen Nummer 10 bis 14 neben bereits neun beantragten Windenergieanlagen nun fünf zusätzliche erreichten und betreiben. Das Genehmigungsverfahren für die ersten neun Türme ist weiterhin nicht abschließend entschieden. Die Anlagen verfügen über eine Nabenhöhe von 135,4 Metern und einen Rotordurchmesser von 101 Metern sowie einer Nennleistung von drei Megatwatt. Die Gesamthöhe der Türme würde 186 Meter betragen.


Eine Abstimmungsoption sieht so aus: Für eine Anlage wird das gemeindliche Einvernehmen versagt und für die Anlagen Nummer 11 bis 14 kann das Einvernehmen nur erteilt werden, wenn der Bauherr die Festsetzungen des künftigen, in Aufstellung befindlichen Bebauungsplanes Nummer 44 anerkennt. "Für uns wird der Windkraftbeschluss zur Farce", sind sich Henry Daartz und Dietlinde Gohle einig. "Die Stadtvertreter haben es in der Hand, ihre Mitbürger, die sich mehrheitlich gegen die geplanten Windrädergiganten aussprechen, zu unterstützen. Das wäre ein wichtiges Signal."

Unabhängig von der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes, dass zunächst über die beantragte einstweilige Verfügung entscheiden muss, will die Bürgerinitiative im Januar die betroffenen Bürger über den Stand der Dinge auf einer öffentlichen Beratung umfassend informieren. "Das sind wir vor allem denen schuldig, die sich mit ihrer Spende beteiligt haben". "Ich denke, wir haben schon viel erreicht. Wenn wir nicht optimistisch wären, dass der Windpark in der vorgesehenen Form doch noch gestoppt werden kann", könnten wir diese anstrengende und aufregende Arbeit nicht leisten", sagt Henry Daartz.

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