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Bürgeranhörung zum geplanten Windpark in Parchim : Windkraft-Kritiker: „Wir passen auf“

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Der Kampfgeist von Dietlind Gohle ist stärker als je zuvor. Die Parchimerin initiierte zu Jahresbeginn eine Bürgerinitiative, die gegen den geplanten Bau eines gewaltigen Windenergie-Parkes am Stadtrand Sturm läuft.

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erstellt am 06.Apr.2012 | 05:50 Uhr

Seit dieser Woche ist der Kampfgeist von Dietlind Gohle stärker als je zuvor. Die couragierte Parchimerin initiierte zu Jahresbeginn aus dem Stand heraus eine Bürgerinitiative, die gegen den geplanten Bau eines gewaltigen Windenergie-Parkes am östlichen Stadtrand Sturm läuft und sich schnell mit einer Interessengruppe in Neuburg vernetzt hat. Denn in dem Dorf vor den Toren der Stadt herrscht ebenfalls große Angst vor den gravierenden „Nebenwirkungen“, wenn sich eines Tages quasi vor der Haustür die Flügel von 25 Riesenwindmühlen drehen. Mit einer Höhe von 185 Metern würden sie fast so weit in den Himmel ragen, wie die Aussichtsplattform des Berliner Fernsehturms.

Rechtskräftig ausgewiesener Windeignungsraum hin oder her: „Wir werden nicht aufgeben, das Maximale an Begrenzung für uns auszuhandeln. Wir passen auf“, machte Dietlind Gohle in dieser Woche in einer sehr gut besuchten Parchimer Stadthalle eine klare Ansage. Hier fand am Mittwoch eine Bürgeranhörung statt, in der sich der Geschäftsführer der UKA Nord als Vorhabenträger, Klaus-Peter Jachmann, Landrat Rolf Christiansen als Vorsitzender des regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg sowie der stellvertretende Parchimer Bürgermeister Detlev Hestermann mit einer langen Liste an Fragen konfrontiert sahen. Die beiden Erstgenannten ließen mehrfach mit ihren gegensätzlichen Auffassungen die Alarmglocken bei den Windkraftkritikern schrillen.

Dabei bekräftigte Dietlind Gohle gleich zu Beginn des gut zweieinhalbstündigen von Dr. Klaus-Dieter Feige straff und kompetent moderierten, sachlich verlaufenen Abends: „Es ist weder heute noch zu einer anderen Zeit unsere Intention, Windkraftanlagen zu verhindern. Uns geht es darum, Vorhaben dieser Art in Einklang mit möglichst vielen Interessen zu bringen“, fasste die Frontfrau der Parchimer Bürgerinitiative unter starkem Beifall die Betroffenheit sehr vieler Menschen aus der Nachbarschaft zusammen. Sie seien ohnehin schon sehr in ihrer Lebensqualität beschnitten worden. Hähnchenmast, Rindermast, eine B191 mit immer mehr Lastern auf der Straße, Einflugschneise. „Was passiert am Rabensoll?“ stand die bange Frage im Raum.

Was am Rabensoll künftig passiert, ob in naher Zukunft Windräder die ganze Stadt „erschlagen“ werden, wie es ein Neuburger drastisch ausdrückt, liegt jetzt auch in der Hand der Stadtvertreter. Sie haben auf ihrer nächsten Sitzung am 18. April über den Aufstellungsbeschluss eines B-Planes innerhalb des 198 Hektar umfassenden Windeignungsgebietes zu entscheiden. Jan Thiede, seit 1996 Neuburger, hat nach der Bürgeranhörung zwar weiterhin ein ungutes Gefühl, dass die Möglichkeiten der Einflussnahme sehr begrenzt bleiben. Doch nach dem Motto „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, kann von Resignation bei ihm keine Rede sein.

Jan Thiede ist sich mit Gleichgesinnten, wie zum Beispiel Henry Daartz einig, dass das B-Plan-Verfahren wohl die einzige Chance ist, den geplanten Windenergiepark in der Anzahl und der Höhe der Anlagen zu begrenzen. „Wir erwarten, dass ein Kompromiss gefunden wird, mit dem alle leben können. Ich hoffe, dass die Stadtvertreter sich ihrer hohen Verantwortung bewusst sind, wenn sie jetzt Entscheidungen treffen, die für die nächsten 30 Jahre bindend sind.“ Von den Naturschutzverbänden erwartet er, dass sie all ihre Kompetenz einbringen und mit „Fakten, Fakten, Fakten“ Druck ausüben. Die Gegner von Windkraftanlagen in der Nähe von Wohn- und Naturschutzgebieten werden jedenfalls in vollem Umfang ihre Möglichkeiten der Beteiligung und Einsichtnahme ausschöpfen.

Moderator Klaus-Dieter Feige zog als Fazit dieses Abends: „Ich wünsche uns, dass wir auch aus diesem Fall um den Windpark Parchim-Ost lernen, dass Demokratie nur mit Bürgerbeteiligung sinnvoll gestaltet werden kann und diese Beteiligung möglichst zu einem frühen Verfahrensstand erfolgen muss. Sie darf dann nicht zu einer reinen Alibi-Veranstaltung verkommen. Es ist aber auch klar, dass jeder Eingriff durch technische Anlagen unsere Umwelt und damit auch unsere Lebensbedingungen verändert.“

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