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Jagdverband besorgt : Wilderer machen Wälder unsicher

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Wilddieberei war für den Kreisjagdverband Parchim in der Vergangenheit so gut wie kaum ein Thema gewesen. Doch in jüngerer Vergangenheit mehren sich die Anzeichen, dass Wilderer auf Pirsch in fremden Revieren sind.

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erstellt am 17.Aug.2012 | 05:48 Uhr

Parchim | Für den Weidmann gab es keinen Zweifel, als er in seinem Revier bei Wendisch Priborn den mit einem Blattschuss niedergestreckten Überläufer entdeckte: Das Wildschwein wurde etwa 70 Meter von einer Nebenstraße entfernt aufgefunden. Der Jäger vermutet, dass nachts mit künstlichem Licht auf das Borstentier geschossen wurde. Der Schütze hatte auf Schussentfernung seine (illegale) Kirrung im Revier des Pächters angelegt. Ein eindeutiger Fall von Wilddieberei. Und nicht das einzige Vorkommnis dieser Art in der Region.

Wilddieberei war für den Kreisjagdverband Parchim in der Vergangenheit eigentlich so gut wie kaum ein Thema gewesen. Doch in jüngerer Vergangenheit mehren sich die Anzeichen, dass Wilderer auf Pirsch in fremden Revieren sind. Erstmals sprach ein Jagdfreund aus der Marnitzer Region seine Befürchtungen im Frühjahr auf der diesjährigen Delegiertenversammlung des Kreisjagdverbandes an. Seine Darstellungen erhielten inzwischen neue Nahrung: "Mehrere Weidgenossen haben beobachtet, dass Tiere regelrecht panisch abdrehen, wenn sie mit ihrem Fahrzeug ins Revier kommen. Wenn sich das Fluchtverhalten plötzlich so drastisch ändert, kann das kein Zufall sein", ist sich der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, Jürgen Katzmann, sicher. Andere Weidmänner entdeckten in ihren Revieren herumliegende Innereien oder illegal entsorgte Rehwild- oder Rotwilddecken. Ein Hinweis auf illegales Jagen sei ebenfalls, wenn in völlig dunkler Nacht, auch wenn kein Mond scheint, plötzlich Schüsse zu hören sind. Jürgen Katzmann hat selbst vor nicht allzu langer Zeit eine groteske Situation erlebt: Gemeinsam mit einem Jagdfreund saß er bei Abendlicht in seinem Revier in Voigtsdorf an, als plötzlich in der Nähe ein Schuss durch die Gegend peitschte. "Keine schöne Vorstellung: Man kommt ins Revier und dann ist schon jemand da", sagt der erfahrene Weidmann. "Besuch" in seinem Revier sei er mittlerweile gewohnt: Geocacher, Jogger und auch manch Umweltsünder seien bei ihm schon durchs Unterholz gekrochen. Damit hat er inzwischen leben gelernt. "Aber dass ich es nach über 30 Jahren Jagd noch mit Wilderern zu tun bekomme, hätte ich eigentlich nicht gedacht." Ein anderer Jäger vermutet, dass Wilderer in seinem Revier gar mit Pfeil und Bogen oder kleinkalibrigen Waffen auf Beutezug gewesen sind und gezielt auf den Kopf des Tieres angelegt wurde. So entdeckte er bei einem verendeten Rehbock einen Schusskanal, der direkt durch das Geweih führte, eine Stange hing nur noch mit der Haut herunter. In Alarmstimmung versetzte den Weidmann auch folgender Vorfall: Nachdem ein Stück Damwild, das er zuvor etwa eine Stunde beobachtet hatte, ins Nachbarrevier gezogen war, hörte er plötzlich ein Zischen und Poltern und das Tier brach durchs Holz. Ein Schuss war nicht zu hören. Warum wohl? Kam hier ein Schalldämpfer zum Einsatz?

Jürgen Katzmann kann nur jedem Weidgenossen raten, niemals auf eigene Faust vorzugehen oder den Helden zu spielen, wenn jemand tatsächlich auf einen Wilddieb treffen sollte. Der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes hat "seinen Fall" zur Anzeige gebracht. Dazu, die Polizei einzuschalten, rät er auch seinen Jagdgenossen in ähnlichen Situationen. Außerdem hofft er darauf, dass aufmerksame Bürger, denen etwas verdächtig erscheint, ihre Beobachtungen nicht für sich behalten. Manchmal werden mutmaßliche Wilderer nämlich schneller als gedacht "zur Strecke gebracht": Im Februar dieses Jahres nahm die Polizei in Gammelin bei Hagenow zwei Brüder fest, die in einem Wald bei Rastow geräubert haben sollen. Die Verdächtigen lieferten sich zuvor noch eine spektakuläre Verfolgungsjagd mit der Polizei. Im Haus der beiden wurde ein ganzes Waffenarsenal entdeckt. Für Aufsehen sorgte bereits im Mai vergangenen Jahres folgender Fall: Im Conower Forst wurde ein Mann von einem Jagdpächter angesprochen. Dieser hatte zuvor von seinem Jagdfreund eine SMS bekommen, dass ein Auto mit Anhänger durch sein Revier fahre. Volltreffer: Auf der Ladefläche des Anhängers lagen zwei tote Hirsche, erlegt mitten in der Schonzeit mit insgesamt drei Einschüssen. Der Ertappte reagierte daraufhin völlig panisch, riss die Tiere vom Hänger, warf sie auf die Straße und gab Vollgas. Pikant: Der Wilderer war selbst Grünrock. In der Jägerschaft reagierte man mit Bestürzung und distanzierte sich sofort von dieser verwerflichen Tat.

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