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Parchimer Zeitung

23. Oktober 2017 | 08:23 Uhr

Slate : Wiedersehen nach 50 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Erinnerungen wurden wach beim Treffen ehemaliger Dorfbewohner in Slate. 8. Museums-Saison im Wasch-Hus ist eröffnet.

von
erstellt am 09.Mai.2016 | 05:00 Uhr

„Es ist eine gute Idee“, freute sich Karin Schulz (74) aus Parchim am Sonnabend beim Treffen mit Bekannten aus ihrer Jugend in Slate. Erstmals hatte hier am Wochenende parallel zum traditionellen Waschhaus-Fest ein Treffen ehemaliger Dorfbewohner stattgefunden, die in der Zeit von 1940 bis 1950 das Licht der Welt erblickt hatten.

Nach 50 Jahren traf beispielsweise Karin Schulz (74) aus Parchim erstmals Inge Skusa (73) aus Hamburg wieder und die beiden Frauen hatten sich natürlich viel zu erzählen. Inge Skusa verbindet mit ihrer Kindheit in Slate vor allem „viel Arbeit“, wie sie sagte. Ihre Eltern (Familie Kollmorgen) hatten hier eine Landwirtschaft. Karin Schulz kam als Flüchtlingskind aus Pommern in das Dorf. Als Kind sei man mit dem zufrieden gewesen, was man hatte, erinnerte sie sich. „Alle hatten ja nichts. Ich fand meine Kindheit schön.“

Ein Wiedersehen gab es u. a. auch mit Christian Leistikow (68) und seiner Schwester Brigitte Grage (69) aus dem Dithmarschen in Schleswig-Holstein. Vater Rudolf hatte eine Tischlerei in Slate mit mehreren Angestellten. Als Betriebe in der damaligen DDR verstaatlicht werden sollten, geriet der Vater offenbar ins Visier der Machthaber. „Er wurde in den 50er-Jahren verhaftet als Wirtschaftsverbrecher“, erinnerte sich sein Sohn, „dann aber wieder freigelassen.“

Heimlich und ohne Wissen der drei Kinder Brigitte, Christian und Ursula bereitete die Familie die Flucht in den Westen Deutschlands vor. Der Vater fuhr unter dem Vorwand nach Berlin, Maschinenteile zu kaufen, während er alles klar machte für das Verlassen des Ostens. Seine Kinder schickte er im Sommer 1961 in die Ferien in die Nähe von Berlin. Wenige Tage bevor am 13. August die Berliner Mauer errichtet wurde, floh der Slater Tischler samt Familie. „Ich war voll beleidigt“, erzählte sein Sohn Christian. Denn der damals 13-Jährige hatte gerade ein Rennrad geschenkt bekommen, das in Mecklenburg geblieben war. Der Vater hatte es auf einem Heuboden versteckt. Anschließend bekam ein Cousin das Rad. So wie die Geschwister Leistikow erzählten viele Alt Slater Geschichten aus ihrer Jugend. Sie freue sich, dass das Treffen so gut angenommen wird, so Edda Schulz, eine der Organisatorinnen.

Die auch als Waschfrau bekannte Edda Schulz führte die Gäste auch durch ihr Domizil, das Wasch-Hus. Denn am Sonnabend feierten die Slater zugleich den Auftakt der 8. Museums-Saison an der Begegnungsstätte des Slater Kultur- und Sportvereins, der Träger des Wasch-Huses und der kleinen, feinen Heimatstube gleich nebenan ist. Die Besucher erwartete ein gesellig-bunter Nachmittag mit Line Dance, den Slater Plattsnackern, Waschhaus-Quiz und anderen Überraschungen.

Von Mai bis September geht die Saison im Wasch-Hus. Die ersten beiden Schülergruppen waren schon vor der offiziellen Saisoneröffnung an diesem Sonnabend zu Besuch. Interessenten für eine Führung können sich bei Familie Schulz (03871-444405) oder bei Familie Alsdorf (03871-444569) melden.

(Den Bericht mit weiteren Fotos lesen Sie in der Printausgabe und im E-Paper)

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