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Parchimer Zeitung

11. Dezember 2017 | 06:48 Uhr

Parchim : Wie tief dürfen die Jets fliegen?

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Übungsflüge über Parchim werfen bei Lesern Fragen auf. Flughafenchef Eugen Arnstadt erklärt: Piloten sind ständig unter Kontrolle.

von
erstellt am 27.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Können Piloten über Parchim fliegen wie sie wollen? Diese Frage beschäftigt zahlreiche Leser, die sich an die SVZ wandten. Nein, ist die Auskunft vom Airport. Flughöhe, Anflug- und Abflugstrecke sind festgeschrieben.

Zweifel daran hatten mehrere Leser angesichts von Beobachtungen Anfang Mai geäußert. Eine Boeing 777 kreiste über der Stadt, um in kurzen Abständen immer wieder zu starten und zu landen. Sie hätten den Eindruck, die Maschine sei ziemlich tief geflogen, so Beobachter. Und in kleineren Schleifen als bei früheren Übungsflügen. Nach dem Start wurde über dem Voigtsdorfer Weg gedreht, sonst erst über dem Voigtsdorfer Wald, schilderte ein Parchimer. Während eines Landeanfluges über Spornitz gab es Schäden an einem Dach (SVZ berichtete).

Die Fluggesellschaft Swiss versicherte, sie wolle für den Schaden aufkommen. Dabei ist es nach Einschätzung von Flughafenchef Eugen Arnstadt unwahrscheinlich, dass ein Flugzeug für den Defekt verantwortlich war. Es könne aufgrund der Witterung sogenannte „thermische Ablösungen“ geben, hatte er bereits kurz nach dem Vorfall in Spornitz erklärt.

Aber sind die Maschinen zu tief geflogen? Arnstadt verneint das nach Rücksprache mit dem Parchimer Tower. Die Piloten seien ständig unter Kontrolle. Jeder Flug werde aufgezeichnet. Die Männer und Frauen im Cockpit bekommen Ärger, wenn sie die Regeln missachten.

Für Maschinen, die über Parchim kreisen, ist eine Mindestsicherheitshöhe von 450 Metern vorgeschrieben, erfährt SVZ. Wenn die Piloten ihren Startvorgang beendet und diese Höhe erreicht haben, können sie wenden, um Kurs für die nächste Landung zu nehmen. So können die Flieger, die beispielsweise Richtung Voigtsdorfer Weg starten, mal früher und mal später drehen, sobald sie 450 Meter über Parchim fliegen. Diese Mindesthöhe wurde bei den Übungsflügen nicht unterschritten, so Arnstadt.

Möglicherweise entstand der Eindruck aber durch die Größe der Maschine, meint der Flughafenchef. Die Boing 777 hat zwar nur zwei Triebwerke, es handelt sich aber um ein Langstreckenflugzeug, das doppelt so groß wie bekannte Flieger mit zwei Turbinen ist. Solche Flugzeuge wirken bei gleicher Höhe größer. Auch die Witterung hat Einfluss, wie mächtig die Jets wahrgenommen werden.

Die Swiss stellt in ihrer Flotte ältere Flieger auf die Boing 777 um. Folglich mussten die Piloten dafür üben. Dass die Fluggesellschaft den Airport Parchim dafür gewählt hat, hängt wohl am geringen Flugverkehr, sagt Arnstadt. Die Start- und Landebahn steht nahezu ununterbrochen bereit, und jede Flugminute kostet viel Geld.

Der Flughafen kann solche Trainingsflüge, die recht viel Lärm verursachen, offenbar auch nicht verhindern. Auch wenn der Airport privat betrieben wird, muss er den Luftverkehr zulassen. „Wir dürfen Flugzeuge, die hier landen wollen, nicht ablehnen“, so Arnstadt. Da gelte in der Luft das gleiche Prinzip wie für Autos auf Straßen auf dem Erdboden.

Piloten dürfen keinesfalls nach Gutdünken fliegen. Bevor jemand von einem zum anderen Airport starten will, wird von der Deutschen Flugsicherung ein Plan vorgegeben. „Der Pilot steht unter ständiger Flugsicherungskontrolle bis zur Landung“, so Arnstadt. Und es gelten genehmigte Anflug- und Abflugstrecken.

Bis ca. zehn Kilometer vor dem Flughafen Parchim hat ein Lotse, der in Bremen sitzt, das Sagen, dann übernimmt die Besatzung auf dem Parchimer Tower. Und damit hat dieser Lotse bei sogenannten Platzrundflügen wie beim Training der Swiss über Parchim das Sagen.

In Parchim ist – wie auf anderen Flughäfen – genau vorgegeben, in welchem Winkel die Flugzeuge starten und landen. Dieser ist beim Landen kleiner, es geht also sachter nach unten, während die Flieger beim Starten steiler in die Luft steigen.

Ob die Ein- und Ausflugsschneise Richtung Spornitz oder Parchim gewählt wird, hängt von der Windrichtung ab. Flugzeuge starten und landen gegen den Wind. Da die Hauptwindrichtung hierzulande zu 75 Prozent Süd-West ist, heben die Maschinen häufiger Richtung Spornitz ab.

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