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Parchimer Zeitung

15. Dezember 2017 | 13:13 Uhr

Parchim : Weststadt: Tauben werden zur Plage

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Anwohner wütend: Tiere besetzen regelrecht Balkone und Loggien / Vermieter suchen mit Fachleuten nach tierschutzgerechter Lösung

von
erstellt am 25.Jul.2015 | 08:00 Uhr

Bewohner in der Geschwister-Scholl-Straße 5 von Parchim sind stinksauer. Tauben haben ihre Balkone regelrecht in Beschlag genommen, besetzen Fensterbänke, Fußböden, Windschutzelemente, Umrandungen und bringen mit ihren Hinterlassenschaften die Mieter zur Weißglut. „Morgens und abends ist es am schlimmsten. Die Tiere fliegen sogar bis in die Wohnung, ständig ärgere ich mich über herumliegende Federn. Ich kann nur noch lüften, wenn ich dabei bin“, beschreibt eine Bewohnerin ihre Situation. Am schlimmsten sei jedoch der von den Vögeln verursachte Dreck: „Es stinkt massiv und man kommt mit dem Saubermachen nicht mehr hinterher. Wenn ich geputzt habe, ist mir anschließend den ganzen Tag übel und ich habe Kopfschmerzen, obwohl ich beim Reinemachen einen Mundschutz trage. Ich schaffe das einfach nicht mehr“, hat die Mieterin kapituliert. Ihren Wäschetrockner hat sie schon ewig nicht mehr auf den Balkon stellen können. „Die Tiere lassen sich nicht mehr vertreiben. Kaum dreht man ihnen den Rücken zu, kommen sie schon wieder angeflattert.“ Sorgen macht sich die Mieterin vor allem um ihren schwer kranken Mann und um ihr kleines Enkelkind, das regelmäßig zu Besuch ist. Eine andere Hausbewohnerin steht den Eindringlingen ebenfalls machtlos gegenüber, versucht ständig mit einem Messerchen den Taubenkot wegzukratzen. „Das ist so sinnlos, denn am nächsten Tag ist alles wieder genauso schmutzig“, erzählt die Mieterin. Seit 1970 wohnt sie nun schon in der Weststadt, seit 1985 in dieser Ecke, hat sich hier immer wohl gefühlt, doch eine solche Invasion habe sie noch nie erlebt.

Straßentauben, vielfach sogar als „Ratten der Lüfte“ betitelt, werden immer mehr zur Plage in der Weststadt und haben derzeit neben der Geschwister-Scholl-Straße u. a. noch die Walter-Hase-Straße und die Leninstraße als ihr Revier auserkoren. Unterschlupf und Nistmöglichkeiten finden sie oftmals auch in Loggien von leer stehenden Wohnungen. Wie die Sache in den Griff zu bekommen ist, stand dieser Tage im Mittelpunkt eines „Tauben-Gipfels“. An dem fachlichen Austausch nahmen Vertreter der beiden großen Vermieter in der Weststadt, Wohnungsbau GmbH (Wobau) sowie AWG Güstrow-Parchim, von der Verwaltung des Weststadt-Centers, vom städtischen Ordnungs- und kreislichen Gesundheitsamt sowie vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) teil. Erster Schritt, die Plage anzugehen, sei eine aussagekräftige Bestandsaufnahme der Population, vor allem der Nist- und Schlafplätze. Dazu werde demnächst an einem bestimmten Tag zeitgleich an mehreren Standorten in der Weststadt eine Zählung stattfinden. Bei der Suche nach einer tierschutzgerechten Lösung wolle man unbedingt Natur- und Tierschutzverbände mit ins Boot holen, unterstreicht Eckhard Sorgenfrei, Technischer Mitarbeiter bei der Parchimer Wobau. Außerdem setze man auf den fachlichen Rat von Taubenzüchtern, wie man die Population langfristig reduzieren und überschaubar halten kann. Im Raum steht z. B. der Gedanke, die Tiere durch „Umsiedlung“ an einen festen Standort zu binden, damit Balkone bzw. Loggien für die Vögel uninteressant werden. Wie mit der Problematik weiter umgegangen wird, darüber wolle man die Mieter künftig über Aushänge informieren, kündigt Eckhard Sorgenfrei an.

Leider müssen einige Mitbürger aber auch daran erinnert werden, dass sie die Situation nur noch schlimmer machen, wenn sie die Vögel zum Frühstück mit beköstigen. Weststädter wollen beobachtet haben, dass mitunter sogar ganze Brötchen von den Balkonen geworfen wurden. Die AWG hat ohnehin ein absolutes Fütterungsverbot in ihrer Hausordnung verankert. Die Wobau will ihre Hausordnung dahingehend anpassen. Uwe Richter vom LAGuS gibt zu bedenken, dass auch die indirekte Fütterung durch achtlos weggeworfene Lebensmittel Tauben anlockt: „Straßentauben haben sich perfekt auf das Futter-Angebot in Städten angepasst.“

 
Lesen Sie weiter zum Thema auf Seite 8 dieser Ausgabe.

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