Parchim : Wer verhindert die Krankmacher?

Die Klärwerke wie hier in Spornitz haben derzeit drei Reinigungsstufen. In einigen Jahren muss vermutlich weiter nachgerüstet werden.
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Die Klärwerke wie hier in Spornitz haben derzeit drei Reinigungsstufen. In einigen Jahren muss vermutlich weiter nachgerüstet werden.

Antibiotika-resistente Keime im Abwasser in Deutschland: SVZ erkundigt sich beim regionalen Entsorger über die Situation

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14. Februar 2018, 05:00 Uhr

Die Meldungen, die vor wenigen Tagen deutschlandweit für Schlagzeilen sorgten, sind alarmierend: antibiotika-resistente Keime wurden in Badeseen und Flüssen in Niedersachsen nachgewiesen. Solche Probleme gebe es auch im Landkreis Ludwigslust-Parchim, sagt Umweltschützer Maik Kindler aus Grebbin. Er wisse, dass Greenpeace im Vorjahr Proben aus dem Klärwasser eines Betriebes gezogen und positive Befunde ermittelt hat.

Im Bereich des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Parchim-Lübz (WAZV) sind solche Fälle nicht bekannt. Es gibt allerdings auch keine Untersuchungen auf antibiotika-resistente Keime, erfuhr SVZ im Gespräch mit Geschäftsführer Lothar Brockmann und Controller Michael Benkmann. Belastungen können dort entstehen, wo Schlachthöfe oder Krankenhäuser an Kläranlagen angeschlossen sind.

Ein Grundproblem sieht Brockmann darin, dass zu viele Antibiotika gegenüber Menschen und Tieren verabreicht werden. Dadurch entstehen Resistenzen. Bei den jüngsten Studien ist nicht klar, ob die Belastungen vom Viehbestand in der Landwirtschaft oder von Krankenhäusern kommen, so Benkmann. Er plädiert dafür, umsichtiger mit Antibiotika umzugehen.

Die Kläranlagen sind derzeit nicht darauf ausgerichtet, gefährliche Keime herauszufiltern. Man könnte die Krankmacher zerstören. Theoretisch beispielsweise, indem man das Wasser, bevor es in die Kläranlage kommt, abkocht. Doch das sei finanziell nicht vertretbar, so Brockmann.

Auch Hormone und Arzneimittelrückstände im Abwasser sind in bestimmten Regionen in Deutschland zum Problem geworden. Um sie zu entfernen, werden in einigen Klärwerken bereits Membranfiltersysteme eingesetzt.

Derzeit gibt es in den Klärwerken des WAZV drei Reinigungsstufen, erklärt Michael Benkmann. In der ersten wird das Dicke herausgefiltert. Es folgen eine biologische Stufe, in der vor allem Kohlenstoff und Stickstoff entfernt werden, und die chemische Reinigung. Dabei wird Phosphor gebunden.

Der beim Prozess anfallende Klärschlamm wird mittlerweile verbrannt. Der WAZV hat einen Vertrag mit einem Entsorgungsunternehmen, das deutschlandweit Kapazitäten sucht. So landete der Klärschlamm mittlerweile zur Verbrennung u.a. in Hamburg, Köln und Leipzig.

Die nächste Reinigungsstufe in den Klärwerken kommt. Da ist sich Benkmann sicher. Derzeit wird noch technisch erprobt, die Rückstände von Medikamenten aus dem Abwasser zu entfernen. Noch ist diese Reinigung nicht verpflichtend.

Was bei großen Kläranlagen beginnt, wird nach und nach auf kleine heruntergebrochen. Das hat für die Abwasserentsorger Folgen, die investieren und die Gebühren neu kalkulieren müssen. Aber es hat – mit Zeitverzug – auch für die Bürger Konsequenzen, die eine Kleinkläranlage betreiben. Lothar Brockmann sagt voraus: Wenn die vierte Reinigungsstufe verbindlich wird, dann wird bei den Kleinkläranlagen die dritte Stufe Pflicht.

Michael Benkmann weiß, dass Hersteller von Kleinkläranlagen schon jetzt Systeme anbieten, die eine Nachrüstung für das Gewinnen von Phosphor ermöglichen.

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