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Parchimer Zeitung

17. Oktober 2017 | 07:46 Uhr

Parchim : Wer hat Angst vor dem Lernatlas?

vom

Lernatlas auch für Parchim? Lieber nicht: Obwohl der Altkreis Parchim nur den drittletzten Platz im Deutschen Lernatlas belegt, lehnt der Bildungsausschuss das Angebot weiterer Untersuchungen ab.

svz.de von
erstellt am 02.Okt.2012 | 12:12 Uhr

parchim | Der Kreis-Bildungsausschuss lehnt das Angebot der renommierten Bertelsmann Stiftung ab, beim Erstellen eines lokalen Bildungsmonitors zu helfen. Und das, obwohl Parchim und Ludwigslust sich den dritt- und fünftletzten Platz der letztjährigen Untersuchung teilen. FDP-Fraktionschef Thomas Heldberg kritisiert das als vertane Chance. Erst recht, weil Nordwestmecklenburg und Wismar das Angebot vor kurzem angenommen haben, um die Lernbedingungen dort zu verbessern.

Der Deutsche Lernatlas zeigt die Bedingungen für lebenslanges Lernen in Deutschland. Er verdeutlicht den Stellenwert des Lernens in den 412 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten und illustriert, inwieweit eine Kommune über die Lernvoraussetzungen verfüge, um wirtschaftlich und sozial erfolgreich zu sein. So begründet die Bertelsmann-Stiftung ihre Initiative, die auch berufliches, soziales und persönliches Lernen erfasst, also keine zweite Pisa-Studie darstellt.

Vielmehr will der Lernatlas erfassen, "welche Möglichkeiten Menschen in einer Region zur persönlichen Entwicklung und Entfaltung vorfinden und nutzen", erklärt Jörg Dräger, für Bildung zuständiges Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Auch wenn die Studie umstritten ist, weil sie aus 300 Kennzahlen mit einem mathematischen Verfahren 38 auswählt, sei sie ein Standortfaktor, sagt FDP-Kreistagsfraktionschef Thomas Heldberg. Denn die Ergebnisse wirken als Image einer Region - positiv oder negativ.

Deshalb unternahm Heldberg Ende 2011 einen ersten Anlauf im Kreistag, die Chance zu nutzen. Er begründete das damals so: "Da die der Studie zugrunde liegende wissenschaftliche Methodik teilweise kritisch gesehen wird, wollen wir Aufklärung darüber erhalten und aus den Ergebnissen mögliche Handlungsschritte für die kommunale Bildungspolitik im neuen Großkreis Ludwigslust-Parchim ableiten." Das Wortprotokoll der Kreistagssitzung belegt, dass trotz Verweisens des Antrags an den Bildungsausschuss sehr wohl Interesse an der Beschäftigung mit dem Lernatlas bestand. Christian Brade (SPD) sagte damals: "Es ist natürlich sehr wichtig diese Kennzahlen für unseren Landkreis genauer zu betrachten, Defizite aufzuspüren, Verbesserungen anzuregen und das lebenslange Lernen zu fördern und zu fordern." Der Bildungsausschuss könne die Ergebnisse dem Kreistag vorstellen. Kreistagspräsidentin Gisela Schwarz (SPD) schlug sogar vor: "Der Bildungsausschuss kann ja auch eine große Veranstaltung daraus machen. Eine große öffentliche Veranstaltung."

So kam es nicht, obwohl zwischzeitlich die Kreisverwaltung aktiv wurde und einen Ansprechpartner vermittelte, der kostenfrei (!) über die Methodik und Ergebnisse des Deutschen Lernatlas aufklären wolle. Stattdessen machte es sich der Ausschuss sehr einfach, indem er "große Bedenken" anmeldete und der Vorsitzende Stefan Sternberg (SPD) in der Diskussion auf die methodischen Schwächen der Studie verwiesen wurde. Deshalb sei Kritik an der Leistung der Kreise völlig unberechtigt. Statt Studienergebnisse für besseres Lernen zu nutzen, wollte der Ausschuss lieber die Ergebnisse umschreiben und laut Protokoll abwägen, "welche Fachkräfte wir insbesondere aus dem Bereich der empirischen Forschungsmethodik in einer konstruktiven Diskussion gegensetzen könnten".

Mit einer Gegenstimme lehnten die Mitglieder den FDP-Antrag ab und merkten an, die Freien Demokraten könnten nun ja selbst tätig werden. Thomas Heldberg: "Soviel zu den politischen Versprechen in Sonntagsreden, mehr für Bildung zu tun. Wir dürfen das Thema aber nicht aussitzen, denn der nächste Lernatlas wird kommen." Das Beispiel Nordwestmecklenburg zeigt, wie es anders geht. Dort hat der Kreistag das Angebot der Bertelsmann Stiftung angenommen, bei der Erstellung eines kreiseigenen Bildungsmonitorings zu helfen. Zuvor hatte man dort Studie und Lernrahmenbedingungen im Landkreis kritisch analysiert.

Die FDP werde aber nicht aufgeben, verspricht Thomas Heldberg. Seine Ziele: "Auswertung der Bertelsmann-Lernatlas-Studie in öffentlicher Veranstaltung auf Einladung und Organisation des Kreistage, klare Zuordnung und Abgrenzung der Verantwortlichkeiten für Bildungs(struktur)aufgaben und die Erstellung eines eigenen umfassenden Bildungsmonitorings für den Landkreis vergleichbar mit Beispiel NWM. Außerdem: Bürgerbeteiligung zur Verbesserung der Bildungslandschaft im Landkreis auf Grundlage des Bildungsmonitorings."

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