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Sicherheit oberstes Gebot : Wenn der TÜV in die Bremsen schaut

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Jeder siebte Bus fällt beim TÜV durch, bei vier Prozent aller Busse sind die Bremsen nicht einwandfrei - dies ging vor zwei Wochen aus einem Bericht des TÜV hervor. Es sind Zahlen, die nicht unbedingt Mut machen.

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erstellt am 06.Nov.2011 | 10:08 Uhr

Parchim | Jeder siebte Bus fällt beim TÜV durch, bei vier Prozent aller Busse sind die Bremsen nicht einwandfrei - dies ging vor zwei Wochen aus einem Bericht des Technischen Überwachungs-Vereins (TÜV) hervor. Es sind Zahlen, die nicht unbedingt Mut machen. Vor allem nicht den Fahrgästen.

Und es ist harsche Kritik an einer Branche, in der auch die Reisedienst Parchim GmbH (RDP) zuhause ist. Im Unternehmen, das zur Verkehrsgemeinschaft Nordwestmecklenburg gehört, laufen zurzeit 50 Busse sowie zwei Kleintransporter. 2010 wurden auf 2 336 500 Fahrplankilometern insgesamt 1 513 669 Fahrgäste befördert. 80 Prozent davon allein im Schülertransport. Den besorgt die GmbH schon seit vielen Jahren im Auftrag des Landkreises. "Schrotthaufen" gibt es hier keine, die Busse haben ein Durchschnittsalter von 5,9 Jahren, was am jährlichen Zukauf von durchschnittlich drei bis vier Neufahrzeugen liegt. Im Vergleich dazu: Die Busse, die vor der Wende auf hiesigen Straßen unterwegs waren, brachten es nicht selten auf 17 oder sogar 20 Jahre. Nach etwa zehn Jahren seien sie einer Grundinstandsetzung unterzogen worden und liefen dann meist fast noch mal solange. Danach kamen sie in den Schrott. Heutige Busse werden verkauft.

Turnus von "HU" und "SP" ist gesetzlich geregelt

Frank Stockhaus, technischer Leiter und Stellvertreter des Geschäftsführers bei der RDP, weiß das. Er ist seit 1976 im Unternehmen. In diesen 35 Jahren hat sich enorm viel verändert. "Bei uns", sagt Stockhaus, "wird jeder Bus heute einmal im Jahr einem Tiefencheck unterzogen." Hauptuntersuchung nennt sich das, und der Turnus ist gesetzlich festgelegt. Darüber hinaus gibt es die Sicherheitsprüfungen (SP), die bei Neufahrzeugen ab dem dritten Betriebsjahr vierteljährlich Pflicht sind. Stockhaus: "Dabei schaut sich unsere Werkstatt das Fahrwerk an, insbesondere die Räder, Reifen, Lenkung, aber auch Achsen, Kupplungen, Bremsen, Rahmen, Türen, den Notausstieg. 56 Positionen umfasst der Prüfbogen insgesamt.

Damit bei 52 Fahrzeugen, die tagtäglich bewegt werden, die Übersicht nicht abhanden kommt, hilft ein Prüf- und verwaltungsprogramm. "Darin sind alle Fahrzeuge aufgelistet. Der Computer überwacht den Untersuchungs- und Prüfungsturnus eines jeden einzelnen", erklärt Stockhaus. Schließlich wird für jeden Bus ein Buch geführt, in das die Werkstatt die Ergebnisse der Sicherheitsprüfung einträgt.

Im Falle der Reisedienst GmbH erledigt das übrigens die eigene Werkstatt, in der fünf KfZ-Mechaniker bzw. -Mecha troniker sowie zwei Kollegen für die innere und äußere Pflege der Busse beschäftigt sind. "Wir haben von der KfZ-Innung die Anerkennung als autorisierte Werkstatt, nur deshalb dürfen wir das", sagt Stockhaus. Den Preis dafür zahlen die Parchimer gern: Sie haben in die dafür notwendige geprüfte Ausrüstung investiert, die regelmäßig auf den neusten Stand gebracht werden muss, und sie hat das geschulte Personal. Und auch das hat regelmäßig Qualifizierungsmodule zu absolvieren.

Während die Abgasuntersuchung ebenfalls von den eigenen Fachleuten gemacht und von der Innung geprüft wird, kommt für die jährlichen Hauptuntersuchungen(HU), eigens der TÜV Nord ins Haus. In Parchim seit mittlerweile 15 Jahren in Person von Ralf Bra tek. Er ist gelernter Fahrzeugschlosser und seit 17 Jahren Ingenieur für Kraftfahrzeugtechnik Prüfingenieur.

Mängel werden rechtzeitig erkannt und abgestellt

"Die Vorteile hier in Parchim liegen ganz klar auf der Hand", sagt Bratek. "Die eigene Werkstatt kann die Prüfintervalle hundertprozentig einhalten, die Mitarbeiter kennen jeden ihrer Busse in- und auswändig, und bei Hinweisen von Seiten des Herstellers kann jederzeit und zielgerichtet draufgeschaut werden." Bratek, der in vielen Werkstätten der Region die TÜV-Untersuchungen vornimmt, weiß eine gute Werkstatt zu schätzen: "Sie macht die regelmäßige Wartung, die wiederum sicherstellt, dass Mängel an den Fahrzeugen rechtzeitig erkannt und abgestellt werden." Brateks Checks, die eigentlich "zerlegungsfrei" erfolgen, gehen in Parchim tiefer. "Hier", sagt der Prüfer, "sind die Busse vorbereitet und aufgemacht, wenn ich komme. Ich kann in die Bremsen schauen, in die Achsen, kann alle Bauteile eingehend unter die Lupe nehmen, die neuralgisch sind."

Frank Stockhaus räumt zwar ein, dass es mit Bussen der RDP auch schon Unfälle gegeben hat, auch selbst verschuldete: "Technische Mängel waren noch nie Ursache. Die Sicherheit unserer Fahrgäste ist für uns oberstes Gebot, ohne Abstriche."

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