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Parchimer Zeitung

18. Oktober 2017 | 18:39 Uhr

Parchim : Wenn der Rufbus den Arzt mitbringt

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Kreisentwicklungskonzept 2030: Viele Bürger reden bei zweiter Online-Beteiligung mit und fordern mehr Mobilitätsangebote und mehr Ärzte

von
erstellt am 01.Aug.2017 | 16:19 Uhr

Jetzt ist der Sack bald zu. Das zweite Online-Forum zum Kreisentwicklungskonzept KEK 2030 endete Montag um Mitternacht. Bevor der Kreistag die finale Fassung beschließt, werden nun die Vorschläge eingearbeitet. Viele Bürger – fast 100 – waren dabei, aber auch Ämter, Bürgermeister und Initiativen mischten mit. Ein Thema aber zieht sich durch alle Bereiche: Mobilität.

Das Amt Parchimer Umland schreibt zum Beispiel: „Der Rufbus ist eine tolle Idee. Eine Erweiterung in unsere Region wäre wünschenswert...“ Die Bürgerinitiative Pro Schiene nutzt das Forum, um die „Aufnahme von Verhandlungen zwischen Landkreis und Land zur schrittweisen Reaktivierung der Südbahn zwischen Parchim und Malchow“ zu fordern.

Generell wünschen sich die Forums-Teilnehmer ein dichteres Bahn- und Bus-Netz: „Ein angemessenes Mobilitätsangebot setzt voraus, dass Bürger ihre Arbeit mit öffentlichem Verkehrssystem erreichen können.“

Aber auch punktuelle Probleme kommen aufs Tablett. Der gestrichene Radweg an der Landesstraße 08 bei Grabow wird kritisiert: „Doch trotz aller Bemühungen und des nachgewiesenen Verkehrsanstiegs (Autos) spricht man seitens des Ministeriums von einem Rückgang und begründet somit die Streichung des Radwegs. Petitionsausschuss und Landtag folgten dem Ministerium ungeachtet der Erklärungen.“ Fazit des Teilnehmers: „Für die Zukunft wünsche ich dem Landkreis, dass die hier lebenden Menschen und deren Interessen wieder in den Fokus, insbesondere für nachhaltige Entscheidungen gelangen.“

Führt der Wunsch nach mehr Mobilität die Liste der Themen an, gewinnt eine Sorge an Brisanz: Der Ärztemangel. Uwe Mergel verknüpft beides: „Der Landkreis sollte mobile Gesundheitsversorgung fördern, ein dichtes Gemeindeschwesternsystem aufbauen zusammen mit Pflegediensten und Ärzten. Diese sollten zu festgelegten Zeiten in den Gemeinden und Orten vor Ort sein.“ Das Amt Parchimer Umland beschreibt die Lage: „Massive Probleme bestehen bei der gesundheitlichen Versorgung durch Hausärzte. Die Praxen der Landärzte, die altersbedingt geschlossen werden, werden nicht von Nachfolgern besetzt. Obwohl die Kommunen die ausscheidenden Ärzte mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bei der Suche unterstützt haben. Auch in der Stadt Parchim tritt dieses Problem bereits in Größenordnungen auf.“ Vorschlag des Amtes: „Der Landkreis sollte in enger Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung ein Anreizprogramm für Hausarztniederlassungen ausarbeiten und umsetzen. Als Zwischenlösung ist ein mobiler Arzteinsatz nutzbar.“

Ein brisantes Thema ist der Rückbau. Forscher redeten eine Zeitlang vom Rückbau ganzer Dörfer. Im KEK geht es primär um leerstehende Wohn- und Gewerbegebäude. Ein Forumsbeitrag erinnert an die komplizierte Rechtslage: „Man wird die Grundstückseigentümer wohl nicht per Edikt verpflichten können, ihren Leerstand an den Landkreis zu melden.“ Auch hier hat das Amt Parchimer Umland die Stimme der Gemeinden eingebracht: „Es besteht Interesse daran, die leerstehenden Hausgrundstücke zurück zubauen oder zumindest an Sanierungswillige zu vermitteln. Hier haben die Kommunen weder die finanziellen Mittel noch die rechtliche Möglichkeit, um ohne Einwilligung der Eigentümer etwas zu unternehmen. Eine Unterstützung durch den Landkreis ist hier willkommen.“

Wer noch weitere Anregungen für die Zukunft des Kreises sucht: Alle Beiträge – auch die der ersten Runde – sind im Internet nachzulesen.

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