Kinästhetik-Schulung Parchim : Wenn der Patient aktiv mitmacht

Dominique Jacobi (l.) und Bianka Kretschmann (r.) üben mit Kinästhetik-Techniken einen Patienten aus dem Bett zu heben. Trainerin  Gerlinde Block stellt sich hierfür auch gern als Probandin zur Verfügung. Fotos: Franziska Gutt
1 von 2
Dominique Jacobi (l.) und Bianka Kretschmann (r.) üben mit Kinästhetik-Techniken einen Patienten aus dem Bett zu heben. Trainerin Gerlinde Block stellt sich hierfür auch gern als Probandin zur Verfügung. Fotos: Franziska Gutt

Die Bewegungskompetenz des Patienten unterstützen: In der Parchimer Asklepios Klinik wird Pflegepersonal in „Kinästhetik“ geschult

von
01. November 2017, 05:00 Uhr

Fünf Frauen, die seit vielen Jahren in der Pflege beschäftigt sind, wollen hier und heute etwas dazu lernen. Sie wollen lernen, wie sie die Mobilität ihrer Patienten in Zukunft fördern können. Gerlinde Block, Praxisanleiterin in der Asklepios Klinik Parchim, möchte ihnen das beibringen. Sie ist seit fünf Jahren Kinästhetik-Trainerin und wie sie sagt „Goldstaub in Mecklenburg.“ Denn hier zu Lande wären es mit ihr gerade einmal neun Trainer, während es diese in den alten Bundesländern wie Sand am Meer gäbe.

Block möchte, dass sich das ändert und gibt ihr Wissen über das im Pflegewesen bewährte Handlungskonzept an ihre Kolleginnen vor Ort weiter. Für zwei Tage führt Gerlinde Block in einem Lehrraum des Krankenhauses einen theoretischen Weiterbildungskurs durch. Doch nach trockener Theorie sieht das hier Stattfindende nicht aus. Die Frauen, die u.a. auf der Geburtshilfe- oder Intensivstation arbeiten, trainieren an ihren Kolleginnen, mit welchen Handgriffen sie beispielsweise einen frisch operierten Patienten behutsam aus dem Bett helfen können. Gerlinde Block selbst springt für die ein oder andere Übung als Probandin ein. Berührungsängste sind hier fehl am Platz. Mit einer angenehmen Mischung aus Ernst und Humor probieren die Kursteilnehmerinnen die Kinästhetik-Techniken aus.

Zudem lernen sie ein praktisches Hilfsmittel kennen, dass sie ihren Patienten umbinden könnten, um sie beim Aufstehen und Gehen gekonnt festzuhalten. Der rote Haltegürtel sorgt bei Gerlinde Blocks Schülerinnen für Begeisterung. „Eine gute Sache“, kommentieren die Pflegekräfte den Gurt bei der Anprobe am eigenen Leib.

Kinästhetik, übersetzt „Bewegungswahrnehmung“, gibt es im Pflegewesen seit den Siebzigern. Mit der Wende sei es in Ostdeutschland allmählich bekannter geworden, berichtet Gerlinde Block gegenüber der SVZ. Für die Lübzerin ist dieses Modell entscheidend bei der täglichen Arbeit am Patienten. Sie bedauere, dass Kinästhetik hier zu Lande weniger Anklang als im Westen finde: „In den neuen Ländern ist es ein finanzielles Problem, da die Kurse sehr teuer sind.“

Doch was ist Kinästhetik nun genau genommen? Das Konzept erfordere die aktive Teilnahme des Patienten, wenn ihm zum Beispiel vom Pfleger dazu verholfen wird, aus dem Bett aufzustehen. Die Pflegekraft solle auf die Bewegungsressourcen achten, die der Kranke selbst noch habe und ihn bei den Bewegungsabläufen schonend unterstützen. Der Patient könne seine Bewegungen und damit verbundenen Schmerzen dann selbst steuern. „Auch Kranke können noch ganz viel“, ermutigt Gerlinde Block die Kurs-Teilnehmerinnen. Im Endeffekt würden die Methoden ein Plus an Selbstständigkeit ermöglichen. Auf der anderen Seite komme Kinästhetik der Gesundheit der Pfleger zu Gute, meint Gerlinde Block.

Das erlernte Wissen aus der zweitägigen Kinästhetik-Schulung nehmen die fünf Frauen mit in ihren Berufsalltag. Es folgt eine praktische Prüfung an „echten Patienten“ und am Ende erhalten sie ein Zertifikat.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen