Parchim : „Wenn der DJ anfängt zu spielen...“

David Wickborn bekommt dieses Gänsehautgefühl, wenn Menschen fröhlich feiern.
David Wickborn bekommt dieses Gänsehautgefühl, wenn Menschen fröhlich feiern.

Im Porträt: Der Parchimer David Wickborn kreiert mit seinen Ideen große Feste

svz.de von
04. September 2017, 21:00 Uhr

„Ich habe viel durch“, sagt David Wickborn, dabei ist er erst 28 Jahre alt. Dennoch hat der Veranstaltungsmacher Recht: Was sich in seinem Leben in ein paar wenigen Jahren ereignet hat, hätte auch für ein halbes Leben gereicht.

Zunächst einmal lernt er Automobilkaufmann. „Eigentlich wusste ich nach der zehnten Klasse gar nicht so recht, was ich machen sollte.“ Die Mutter aber hatte läuten hören, dass da jemand jemanden sucht... Und so ist der 16-Jährige in die Lehre eingestiegen. Aber gewisse Bedingungen – geringes Fixgehalt, wenig Planungssicherheit – schienen ihm, der mit zwanzig bereits Vater von Zwillingen geworden war, schließlich keine stabile Existenzgrundlage zu sichern.

Aber da war noch etwas: Zu seinem 18. Geburtstag organisiert der junge Parchimer ein Fest mit 250 Geladenen. „Ist der 18. Geburtstag denn kein Grund zu feiern“, fragt er. Es ist ein Grund. Aber gleich 250? Für David ist diese Dimension für eine Party jedoch ganz „normal“. Und der Schluss drängt sich auf: Da hat sich eine Passion erst mal ganz privat gemeldet, eine Vorliebe für große inszenierte Feste, die später zur Haupttätigkeit werden wird. Denn was sind Autoverkäufe im Vergleich zu rauschenden Nächten, drei Bühnen, acht DJs, spektakulären Spielorten und phantastischer Ausgestaltung des Platzambientes? Zwar sagt David Wickborn prompt, der Autojob habe ihm Spaß gemacht und kaufmännisch habe er viel gelernt. Aber es darf vermutet werden, dass ihm das andere noch mehr Spaß gemacht hat und noch macht.

Zunächst organisiert er kleinere Events, Pokerturniere beispielsweise. Und dann der gewaltige Schritt: Er tritt 2011, mit 21 Jahren also, in die Geschäftsführung des Parchimer Clubs Flame ein. Ein Jahr später wird er alleiniger Geschäftsführer. Aber „think big“ geht in der Praxis nicht immer auf. Die 1000 Quadratmeter des Clubs wollen bespielt werden. „Der Club fasste theoretisch bis zu 2000 Menschen“, berichtet Wickborn. Neben großen Partys veranstaltet er im Flame Konzerte, Abibälle, Messen, Hochzeiten... 80 Stunden pro Woche rackert der mittlerweile dreifache Vater sich ab, um das große Schiff flott zu halten. Dann gibt es Pachtprobleme. Im Oktober 2013 muss er aufgeben.

Eine Erfahrung, die zum Nachdenken Anlass gab. Aus München gingen in dieser Zeit Angebote ein, die materielle Absicherung versprachen. Ehefrau Nadine hätte in der Isarmetropole eine Kindergartenleitung übernehmen können, David als Veranstaltungskaufmann arbeiten. Sichere Arbeit, sicheres Einkommen. Aber sie entscheiden sich dagegen. „Wir gehören hierher“, sagt Wickborn. Die Nähe zu Eltern und Schwiegereltern wollten sie auch nicht aufgeben, schon wegen der Kinder.

„Mittlerweile habe ich 200 bis 300 Veranstaltungen hinter mir, gezählt habe ich sie nicht“, sagt Wickborn. Dabei nicht zu vergessen: Heute ist seine Frau verantwortlich mit im Boot. Hauptberuflich leitet Nadine die Parchimer Kita Spielland Anne Frank, nebenbei lebt sie ihre Kreativität unter anderem mit Bodypainting aus.

Und damit ist auch das Stichwort gegeben. Welchen Stellenwert hat die Kreativität für David? Oder stehen das Kaufmännische und das Umtriebige, die Aktivität für ihn an erster Stelle? Der Veranstalter ist ein kräftiger Typ, Körpergröße 187 Zentimeter. Macht er Sport? Aktuell, sagt Wickborn, nehme er wieder am Parchimer Stadtradeln teil, Hanteltraining mache er auch. Aber das klingt nicht nach einem, für den Sport alles ist. Kreativität, gestützt von Emotion, ist sein Antrieb. „Es brodelt in mir und dann kommt die Aktivität dazu“, sagt er. So „brodelte“ es auch, als er auf der Hansesail Richard Judge mit seiner Version von „Show me love“ gehört hat. Den Sänger will er nächstes Jahr unbedingt in die Region holen. David Wickborn, mittlerweile über das ganze Land vernetzt mit anderen Veranstaltern, ist womöglich auch in seiner Tätigkeit in erster Linie ein Mensch der Gefühle: „Wenn ich die Leute feiern und strahlen sehe, dann habe ich so ein Gänsehautgefühl. Dafür lebe ich. Diese Momente will ich wieder.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen