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SVZ-Serie : Weiches Wasser sprudelt in Garwitz

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Neue Serie unserer Zeitung zu unserem wichtigsten Lebensmittel / Heute Teil 2: Wie wird unser Trinkwasser aufbereitet?

von
erstellt am 24.Feb.2015 | 08:51 Uhr

Der Mittagsschlaf ist vorbei - Kaffeezeit. An dem Zähler im Wasserwerk Garwitz kann man es sehen. Nachdem zwei Stunden relativ wenig Trinkwasser ins Netz gepumpt wurde, springt der Bedarf gegen 15 Uhr sprunghaft an. Damm, Malchow, Möderitz, Domsühl, Schlieven, Zieslübbe, Klinken, Raduhn, Rusch, Matzlow, Neu Matzlow, Garwitz, Severin, Spornitz, Dütschow, Friedrichsruhe Dorf, Friedrichsruhe Hof, Goldenbow und Neu Ruthenbeck haben Durst. Alle diese Orte werden vom Garwitzer Wasserwerk aus versorgt.

René Allenstein, der zuständige Meister beim Wasser- und Abwasserzweckverband Parchim-Lübz (WAZV), und Olaf Dommack, der Technischer Leiter, erklären in einem der 14 Wasserwerke des Verbandes, wie unser Lebenselixier aufbereitet wird.

René Allenstein zeigt den großen Schaltschrank. Hier werden alle Informationen über das Wasserwerk angezeigt. Alle Daten werden auch zur Überwachung an die Zentrale des WAZV in Parchim übertragen. Niemand muss ständig vor Ort sein. So reicht ein Kollege aus dem Parchimer Meisterbereich aus, der täglich die Wasserwerke in Herzberg, Garwitz, Herzfeld, Drefahl, Mestlin, Suckow und Ruest anfährt.

1992 wurde das Garwitzer Wasserwerk neu gebaut und löste eine ganze Reihe von anderen in den Dörfern ab. Drei Brunnen gibt es auf dem Gelände, allesamt rund 150 Meter tief. Pumpen in der Tiefe fördern das wertvolle Nass nach oben.

60 Kubikmeter Wasser können pro Stunde in Garwitz aufbereitet werden. Aus dem sogenannten Rohwasser wird Reinwasser, ohne dass irgendeine Chemie beigesetzt wird. Nur Eisen und Mangan werden im Wasserwerk herausgefiltert. Denn Trinkwasser darf laut gesetzlichen Vorschriften nur sehr geringe Mengen davon enthalten.

Zunächst wird das Rohwasser aus dem Tiefbrunnen in Garwitz in einen Qxydator geleitet. Mit diesem Gerät wird Luft zugeführt. Dadurch oxidieren Eisen und Mangan und lassen sich in den neu gebildeten Verbindungen besser herausfiltern.

Das passiert in zwei großen Kesseln daneben. Sie sind mit Sand gefüllt in einer Körnung von 1,25 Millimeter. Zwischen diesen Körnern setzen sich die Flocken mit den Eisen- und Manganverbindungen ab, während das Wasser von oben nach unten sickert. Um die Filter zu säubern, muss der Sand nicht ausgetauscht werden, sondern der Filter wird in entgegengesetzter Richtung – von unten nach oben – unter Druck mit Wasser frei gespült.

Das Garwitzer Trinkwasser ist aufbereitet. Es ist das weichste Wasser in der Region und wird mit 7,5 Grad deutscher Härte angeben. Damit sparen die Hausfrauen in der Region beispielsweise Waschmittel. Anders als Verbraucher in anderen Orten. Die höchsten Härtegrade verzeichnen Mestlin (21) und Herzberg (24,4).

Grund ist der geringe Anteil an gelösten Mineralien, vor allem Calciumcarbonat. Theoretisch könnte man auch das Wasser in anderen Regionen weicher machen, erklärt Olaf Dommack auf SVZ-Anfrage: „Praktisch ist das Unfug.“ Man wolle natürliches Wasser. Wenn man es enthärten würde, wäre das Trinkwasser um ein Mehrfaches so teuer wie jetzt. Dommack: „Das Wasser ist gesund - egal ob weich oder hart.“ Das aufbereitete Wasser wird in Garwitz in zwei riesige Rundbehälter aus Stahlbeton gepumpt. Sie enthalten mehr Trinkwasser, als an einem Tag in der Region verbraucht wird.

Der Verbrauch in den Haushalten entscheidet darüber, wie viel Wasser von Garwitz aus in das Netz eingespeist wird. Dazu sind mehrere Pumpen installiert, die zusammen oder auch einzeln laufen. Jede ist Drehzahl geregelt, kann also sowohl wenig als auch viel Wasser pumpen. Die Entwicklung dieser Pumpentechnik hat die Wassertürme entbehrlich gemacht, erfuhr SVZ. Denn sie wurden früher dafür genutzt, um bei schwankendem Wasserverbrauch für einen Druckausgleich zu sorgen.

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