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Parchimer Zeitung

22. November 2017 | 03:11 Uhr

Parchim : Was wird aus den Kleingärten?

vom

Planer schlagen auf lange Sicht den Rückbau von ein Viertel der Parzellen in Parchim vor. Die Stadt will eine Konfrontation vermeiden.

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2017 | 11:45 Uhr

Welche Zukunft haben die Kleingärten in Parchim? Diese Frage und eine heftig brodelnde Gerüchteküche sorgten am Dienstagabend bei der Präsentation eines Entwicklungskonzepts im Stadthaus für einen überfüllten Sitzungssaal.

„Wir wollen die Kleingärtner frühzeitig in unsere Überlegungen einbinden“, bemühte sich Bürgermeister Dirk Flörke (CDU) darum, die Wogen zu glätten. „Wir wollen nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg entscheiden.“ Es gehe darum, so der Verwaltungschef, gemeinsam Handlungsalternativen zu entwickeln und ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen. „Dazu sollten wir unvoreingenommen Gedanken zu Ende denken dürfen.“ Ohnehin werde reichlich Zeit verstreichen, bis das Konzept in konkrete Bebauungspläne münde. „Beschlüsse fassen die Stadtvertreter.“ Die Stadt wolle Konfrontationen vermeiden. „Es wird keine sofortigen Kündigungen von Pachtverträgen geben“, versprach Flörke. Die Präsentation des Konzepts sei keine Alibi-Veranstaltung, „sondern ein Angebot zum Dialog“.

Matthias Proske und Maren Dierkes als Landschaftsarchitekten zeigten auf, woran die Kleingarten-Szene generell krankt: Leerstand von Parzellen und Überalterung der Mitglieder. Mit mehr als sechs Parzellen pro 100 Einwohner liegt die Dichte der Kleingärten in Parchim zwar fünf Mal höher als im Bundesdurchschnitt. Doch: Lediglich 42 Prozent der insgesamt 2120 Parzellen mit einer Größenordnung von insgesamt 112 Hektar können als gut ausgelastet gelten. Dazu gehören auch private und schon als Bauland auserkorene Flächen. Die 25 Vereine, die sich im Regionalverband der Gartenfreunde Parchim zusammengeschlossen haben, halten 1200 Parzellen.

Michael-Günther Bölsche, Vorsitzender des Regionalverbands der Gartenfreunde Parchim: „Wir kämpfen für Lösungen im Sinne der Kleingärtner.“ Fast 60 Prozent der Gartenanlagen (u.a. Eldeblick, Wiesengrund) weisen weniger als 50 Parzellen auf. 32 Prozent der Kleingärtner sind älter als 70 Jahre, haben die Landschaftsarchitekten dank einer Umfrage bei den Vereinen ermittelt.

Beim „Vietungseck“ als größtem Parchimer Verein macht das laut dem Vorsitzenden Manfred Egerland beispielsweise mehr als 70 Mitglieder aus. 27 Prozent aller Parzellen, so schlagen die Landschaftsarchitekten entsprechend vor, sollten deshalb auf lange Sicht endgültig rückgebaut werden. Als Beispiel wurde ein Teilbereich der Anlage „Hoffmannsruh“ genannt, der an den bereits einseitig erschlossenen Fontaneweg grenze und sich gut für eine kostengünstige Erschließung als Bauland eigne. Der Regionalverband der Gartenfreunde schlug den Vereinen deshalb vor, in den voraussichtlichen Rückbaubereichen bereits gekündigte Parzellen nicht erneut zu verpachten. Für den Rückbau kündigte Bürgermeister Flörke die großzügige Unterstützung der Stadt an. „Wir sind bereit, die Kleingärtner mit Geld bei der Aufgabe von Parzellen zu begleiten.“ Als problematisch dabei stufte er die Eigentumsverhältnisse ein, „gehören doch lediglich 40 Prozent aller Kleingartenflächen der Stadt.“ Burghard Lorenz (Die Linke), als sachkundiger Einwohner in die Stadtvertretung berufen, verwies auf den Langzeitcharakter des Kleingartenkonzepts. „Im Stadtentwicklungsausschuss war das noch kein Thema“. Auch Heike Scharf als Sachgebietsleiterin der Stadtplanung beruhigte die besorgten Gemüter: „Ein Bebauungsplan dauert nach seinem Aufstellungsbeschluss mindestens zwei Jahre, und dann wird er auch nicht sogleich umgesetzt.“

 

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