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Landkreis Ludwigslust-Parchim : Warten auf ein Verkehrskonzept

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fehlanzeige ein Jahr nach dem Kreistagsbeschluss: Verwaltung will jetzt bis 2017 bestehende Pläne zusammenfassen

Die Südbahn ist weg, der Rufbus noch nicht da und die Kreisstraßen verfallen zusehends: Die viel gepriesene Mobilität scheint in der Kreispolitik keinen hohen Stellenwert zu genießen. Denn ein Gesamtverkehrskonzept für den Landkreis Ludwigslust-Parchim lässt nach wie vor auf sich warten.

Baustellen gibt es genug, so die geplante Aussperrung der Umlandbusse aus Schwerin (wir berichteten). Deshalb hat der Kreistag vor ziemlich genau einem Jahr Landrat Rolf Christiansen (SPD) einen klaren Fahrplan aufgegeben. Ein Verkehrskonzept solle her, nicht als Selbstzweck, sondern damit das Leben für Pendler, Senioren und Schüler leichter wird. Bedarf ermitteln und danach handeln, so die Anweisung. Am Ende steht die vernetzte Mobilität zwischen den einzelnen Linien und Verkehrsmitteln, sowohl zum Bus- und Zugverkehr, zum Fernverkehr als auch zum Individualverkehr.

Nach einem Jahr Stillstand kommt nun in den Kreistags-Ausschüssen der Verwaltungs-Vorschlag auf den Tisch, doch bereits bestehende Pläne zusammenzufassen. Grund: „Personelle Unterbesetzung“. Die Ausarbeitung eines Gesamtkonzepts würde zudem 400 000 Euro kosten, es wäre auch nicht vor 2019 fertig. Die einzelnen Bausteine geben heute ein undurchschaubares Bild von tausenden Seiten:

• Ein vom Kreistag beschlossener Nahverkehrsplan existiert seit 2014. Was drin steht, ist für die Verwaltung bindend.

• So will der Kreis ein Rufbussystem einführen, zuerst im Südbahn-Bereich zwischen Parchim und Plau. Es wird die Menschen in dünn besiedelten Regionen mit den Haupt-Busstrecken verbinden.

• Wie sich ländliche Räume entwickeln, entwirft bis 2020 das Integrierte ländliche Entwicklungskonzept. 20 Jahre voraus blickt die Regionalstrategie Daseinsvorsorge, ist aber nicht bindend, sondern empfiehlt nur. Daneben existiert noch das Regionale Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg

• Die landesweite Expertise Mobilität im Alter sieht den Landkreis als Lupenregion.

• Bereits seit 2009 existiert ein Regionales Radwegekonzept Westmecklenburg, das bisher viele Worte, wenig Radwege bescherte.

• Fast schon aus der Mottenkiste der Verwaltung kommt der Verkehrsentwicklungsplan des Landkreises Parchim vom September 2002. Nur wenig frischer ist der Kreisstraßenausbauplan des ehemaligen Landkreises Ludwigslust von 2007.

Ein neues, ständig aktualisiertes Konzept müsste auch Antworten auf neue Probleme wie den Ärztemangel und deshalb längere Wege bieten. Wolfgang Waldmüller, CDU-Fraktionschef im Kreistag, kritisiert, dass die Einzelgutachten zwar Probleme aufgezeigt, aber keine Lösungen geboten haben: „Der Fahrgast und sein Bedarf muss im Mittelpunkt der Planung stehen. Der beschlossene Antrag der CDU fordert ein integriertes Konzept für den Landkreis über die Kreisgrenzen vernetzt hinaus. Die Verkehrsmittel jetzt entsprechend klug zu vernetzen, darum muss es gehen. Da darf auch ein Verkehrs- und Ticketverbund keine Hürde mehr sein. Wir sind mitten in der Debatte angekommen. Was soll da jetzt dieses Zurückrudern?“ Nie zuvor habe man sich mit dem Thema Verkehr und Wandel so auseinandergesetzt, wie aktuell. Waldmüller: „Wir sind doch auf einem guten Weg und schon mittendrin. Das sollten wir fortsetzen.“

Ein Ticket für alle muss her - ein Kommentar von Udo Mitzlaff
Aus der Dienstlimousine betrachtet, schaut die Welt wunderbar mobil aus. Pendler und Fahrgäste, die täglich auf gute Straßen und schnelle Verbindungen angewiesen sind, sehen das schon anders. Das Aus für die Südbahn, drohender Umsteige-Stress für Bus-Fahrgäste in Schwerin und Kreisstraßen, die als Rütteltest für Autobauer durchgingen, markieren Handlungsbedarf. Nur: Hilft ein Gesamtverkehrskonzept wirklich? Nicht, wenn Theorie-Experten die Köpfe zusammenstecken und tausende Seiten Papier produzieren. Denn was bisher vorliegt, hat nicht geholfen. Deshalb: Statt angestaubte Pläne zusammenzurühren, sollten sich die Landräte Westmecklenburgs zuerst mutig mit Schwerins resoluter OB zusammensetzen und den Nahverkehr abstimmen. Ein Ticket für alle muss her.

 

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