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Aus für Sozialkaufhaus Parchim : Warme Sachen für Arme? Gibts nicht

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Ausgerechnet zum Winterbeginn schließt das einzige Gemeinnützige Kaufhaus im Landkreis nach nur anderthalb Jahren - und damit auch die angeschlossene Kleiderkammer. Das ist eine Katastrophe.

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erstellt am 04.Nov.2011 | 09:47 Uhr

Parchim | Ausgerechnet zum Winterbeginn schließt das einzige Gemeinnützige Kaufhaus im Landkreis - und damit auch die angeschlossene Kleiderkammer. Das ist eine Katastrophe für die Menschen, die auf Kleidung, Möbel und Spielzeug zu niedrigen Preisen angewiesen sind. Und es ist eine Katastrophe für die Ein-Euro-Jobber, die den Kaufhausbetrieb am Laufen halten. Ganze 18 Monate hatte das Vorzeigeprojekt des Jobcenters (früher Arge) damit Bestand.

Erst am Donnerstag habe der Betreiber einen Termin beim Jobcenter bekommen, sagt Heike Loebbert, stellvertretende Akademieleiterin. Die dort übermittelten Vorgaben entzogen dem Sozialkaufhaus die Grundlage. "Die Teilnehmerzahl wurde von 44 auf 20 gesenkt, die Mehraufwandspauschale um 120 Euro pro Teilnehmer", erzählt Heike Loebbert. Noch schlimmer: Für Fixkosten wie Miete und Transporter wollte das Jobcenter plötzlich 4000 Euro pro Monat weniger bezahlen. Im August hatte der Bildungsträger um einen Termin beim Jobcenter nachgesucht. Damals wurden die Kürzungen angekündigt, aber nicht konkretisiert, da der Etat 2012 noch nicht feststand.

"Im September und Oktober haben wir mehrfach angefragt, bekamen aber erst für den 3. November einen Termin", erklärt Heike Loebbert. Schon im Februar sei FAW mit der Kalkulation runtergegangen, um sich kooperativ zu zeigen und den Sozialladen erhalten zu können. "Sie wussten seit Februar, dass wir so gut wie keinen Verhandlungsspielraum mehr haben", sagt die stellvertretende Akademieleiterin. Auch der Parchimer Vermieter kam weit entgegen. Dabei hat das Novi-Life-Team eine beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt: 12 000 Kunden zählt das Kaufhaus, die Mitarbeiter holten 4000 Spenden ab, 34 Mitarbeiter konnten in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse vermittelt werden. Die Idee hinter dem Sozialkaufhaus: Gespendete Waren von Bürgern und Geschäftsleuten, vor allem (gebrauchte) Textilien, Möbel und Elektrogeräte, werden aufbereitet und gegen ein geringes Entgelt an Bedürftige weitergereicht. Die Spenden werden auch abgeholt, der Kooperationspartner ABS arbeitet in seiner Textilwerkstatt Bekleidung auf. So gewinnen alle Beteiligten, bis hin zum Sozialamt, das Kosten spart, weil es keine teuren Neugeräte bezahlen muss. Pikant: FAW betreibt auch in Lübeck, Wismar und Grevesmühlen derartige Kaufhäuser. Dort verlängerten die Jobcenter die Verträge anstandslos. Matthias Bonack, Geschäftsführer des Jobcenters in Parchim, bestätigt die Forderung seiner Behörde, Kosten zu optimieren: "Wir wissen jetzt schon, dass im nächsten Jahr drastische Reduzierungen auf uns zukommen. Uns werden 28 Prozent weniger Mittel zur Verfügung stehen - und das, nachdem von 2010 zu 2011 schon ein Drittel gekürzt wurde." Es sei aber nicht die Absicht, das Sozialkaufhaus zu schließen, die Entscheidung des Trägers habe Matthias Bonack überrascht: "Die Mitarbeiter in Parchim haben eine sehr gute Arbeit geleistet." Das Jobcenter habe seit Jahresanfang deutlich gemacht, dass eine Fortführung nur mit "deutlich" reduzierten Kosten möglich sei.

Das hilft den tausenden bedürftigen Menschen zunächst nicht weiter. Ab 1. Dezember wird es in Parchim keine Kleiderkammer geben, keine Möbel, keine Möglichkeit, für wenig Geld Kindern einen gebrauchten Teddybären unter den Weihnachtsbaum zu legen. Es wird kälter im Landkreis...

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