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Ausgleich für A 14 : Wald gedeiht im Getreidefeld

vom
Aus der Redaktion der Parchimer Zeitung

Dargelütz wird nach Aufforstung zum „Walddorf“ / Junge Bäume entwickeln sich prächtig / Ausgleichspflanzungen für Autobahnbau

Dargelütz Und das soll ein Wald werden? Nahe Dargelütz sind in diesem Frühsommer weit und breit nur Getreidefelder zu sehen. Dabei hatte sich Ende vergangenen Jahres die Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet, dass auf rund 53 Hektar Ackerland, die überwiegend dem Land Mecklenburg-Vorpommern gehören, ein neuer Wald entstehen soll.  Mit Hochdruck hatten bis zu 25 Helfer bis zum Jahreswechsel gepflanzt. Der zuständige Revierleiter vom Forstamt Friedrichsmoor Jens-Uwe Springer hat die Erklärung: „Das Getreide ist eine optimale Schutzpflanzendecke für die Setzlinge. Sie werden so vor zu starken Sonneneinstrahlung, Austrocknung und Frost bewahrt“. Der Fachmann ist begeistert: „Schätzungsweise 99 Prozent der Pflanzen haben die kritische Phase unbeschadet überstanden. Das Wetter im Frühjahr war förderlich.“ Für ihn steht fest, dass der neue Dargelützer Wald eine perfekte Kinderstube bekommen hat.

„Das dürfte ein Traumwald werden“ hatte Jens-Uwe Springer schon beim Beginn der Pflanzarbeiten geschwärmt. Dabei stand vor einem Jahr  noch nicht einmal fest, dass sich die rund 800 Hektar große Landeswaldfläche in Springers Revier auf einen Schlag auf mehr als 850 Hektar vergrößern wird. Relativ kurzfristig war entschieden worden, dass nahe Dargelütz die größte Ausgleichsfläche im Zuge des Weiterbaus der Bundesautobahn 14 realisiert wird. Für die Straßentrasse mussten rund 150 Hektar Wald geopfert werden. Dafür werden rund 400 Hektar neu aufgeforstet, „Es ist ein Glücksfall, dass Flächen in unserem bislang 3500 Hektar großen Revier ausgewählt worden sind“, freut sich Jens-Uwe Springer. Und auch die Dargelützer haben nach dem erst jüngst beschlossenen Aus für eine Schweinemastfabrik einen weiteren Grund zur Freude.

Der Waldexperte muss das inzwischen rund 70 Zentimeter hohe Getreide erst beiseite schieben, um die jungen Bäume genau begutachten zu können.

So wie vorgeschrieben, mehr als 30 Meter von den ersten Häusern entfernt, wachsen Rosen, Haselnuss, Schlehdorn, Feldahorn und Pfaffenhütchen heran, bevor der eigentliche Wald anfängt. Lärchen, Linden, Hainbuchen, Erlen und verschiedene Eichen sind wie an Perlenketten aufgereiht. Auf Böden minderer Qualität kommen Kiefern dazu. Insgesamt wurden hier beispielsweise 100 000 Eichen und 35 000 Lärchen, die als Jungbäume aus den Forstbaumschulen in Gädebehn, Güstrow und Pinneberg stammen, gepflanzt.

Die Kiefern sind  fünf bis sieben Zentimeter groß. Die Eichen mit ihren zart grünen Blättern strecken sich  schon bis zu 70 Zentimeter und die Erlen bis zu 1,20 Meter in den Himmel. Vor wenigen Tagen wurde die erste Kulturpflege durchgeführt. Ein Traktor zieht dabei vorsichtig eine Scheibenecke durch die Furchen, um den Bäumen Licht und Luft zu bringen. „Auch in den kommenden Jahren gibt es hier jede Menge Arbeit“, weiß der Revierförster sehr genau. Der natürliche Getreide-Schutzmantel wird in den kommenden zwei Jahren immer kleiner und dann ganz verschwinden. In etwa sieben Jahren dürfte der Wald als solcher auch für den Laien zu erkennen sein. Mindestens zehn Jahre bleiben als Wildschutz die Zäune erhalten. Erst danach wird jedermann beim Waldspaziergang den Dargelützer Traumwald genießen können. „Es gehört schon etwas Fantasie dazu, sich den Wald in 80 Jahren vorzustellen. Dann wird hier der Holzeinschlag beginnen“, sagt der Revierleiter.

Für ihn wäre ein durchwachsener und nicht zu trockener Sommer eine willkommene Hilfe für die Kinderstube des Waldes. Nur die kleinen Nager könnten dann noch zum Problem werden. Aber auch dafür wurde bereits vorgesorgt. Auf dem gesamten Areal sind Sitzbrücken für Greifvögel aufgestellt worden. Von dort aus haben die gefiederten Jäger die Nager gut im Blick. Und schon jetzt haben Mäusebussard und Eulen den Dargelützer Traumwald für sich entdeckt.

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erstellt am 09.Jun.2014 | 12:21 Uhr

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