tierquäler : Vorsicht: Rechte „Hundefänger“

Selbst Tiere müssen für rechte Propagandaattacken herhalten.
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Selbst Tiere müssen für rechte Propagandaattacken herhalten.

Verstorbener Vierbeiner sorgt in der Weststadt für Verunsicherung – Polizei ermittelt

René Stahl kann es noch immer nicht fassen. Am Sonntagabend musste er sich von seinem Mischlingshündin „Cora“ für immer verabschieden. „Sie war jahrelang meine treuste Begleiterin. „Cora“ ist mit mir zusammen sogar im Flugzeug über die Stadt geflogen“, erzählt der junge Mann mit Tränen in den Augen. Noch vor wenigen Tagen war „Cora“ nach Aussage ihres Besitzers putzmunter durch die Weststadt gelaufen. „Plötzlich ging es “Cora“ schlecht. Ich bin mit ihr sofort zum Tierarzt“, erzählt René Stahl bei einem Besuch in unserer Redaktion. Die Diagnose sei für ihn ein Schock gewesen. „Cora soll vergiftet worden sein. Da halfen auch mehrere Spritzen nicht mehr. Ich musste die Hündin einschläfern lassen“, so der Hundefreund. „Cora ist nicht das erste Opfer von Hundehassern in unserer Stadt. Ich habe gehört, dass schon mehrere Tiere vergiftet wurden. Man muss die Hundehalter warnen“, gibt sich René Stahl entschlossen. „Ich werde zur Polizei gehen und Anzeige gegen den Hundemörder erstatten“. Nach zwei Tagen Bedenkzeit – am späten Dienstagabend – hat René Stahl im Parchimer Polizeihauptrevier in der Wallallee eine entsprechende Anzeige zu Protokoll gegeben.

„Wir ermitteln in alle Richtungen. Einen konkreten Anhaltspunkt, dass der Hund des Parchimers zielgerichtet vergiftet wurde, gibt es derzeit nicht“, so Polizeisprecher Klaus Wiechmann. Ziemlich sicher sei man, dass Rattengift keine Rolle spielte. In Parchim gab es in den zurückliegenden Monaten noch keine derartige Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Auch im Ordnungsamt der Kreisstadt ist nicht bekannt, dass in der Weststadt Vierbeiner vergiftet wurden.

Erschwerend kommt hinzu, dass selbst erfahrene Tierärzte eine Vergiftung ohne aufwändige Laboruntersuchungen nicht eindeutig diagnostizieren können. Recherchen unserer Redaktion haben ergeben, dass sich eine Nachricht von angeblich „vergifteten Hunden“ unter den Tierarztkollegen keineswegs herumgesprochen hat. „Wenn so etwas passiert, informieren wir uns gegenseitig“, sagt ein Veterinär.

Nachdem René Stahl seine Cora unter die Erde gebracht hat, sorgt das tote Tier im sozialen Netzwerk facebook für heftige Reaktionen. Das Mitgefühl von vermeintlichen Tierfreunden hält sich dabei in Grenzen. Auf einschlägigen Portalen des fremdenfeindlichen Spektrums sind die Täter bereits ausgemacht. „Für uns ist klar, dass es türkischstämmige Musels waren, die bei dem kleinsten Chihuahua aufs übelste zusammen zucken“, ist zu lesen. Die Zahl der angeblich in jüngster Zeit in der Weststadt vergifteten Hunde steigt im Netz stündlich. Waren es vorgestern noch neun, wurde gestern bereits über 13 Fälle informiert. Es sei eine „Frechheit“ – so eine Facebook-Autorin – dass trotz mehrerer Warnungen der Hundebesitzer in den Medien darüber nicht berichtet werde. Und aus der Gerüchteküche kommen neue Behauptungen. So habe ein Facebookfan beim Gassigehen mit „Monti“ einen anderen Hundebesitzer getroffen, der „eine präparierte Bockwurst mit Angelhaken“ (den er an einer Bushaltestelle in der Parchimer Weststadt gefunden haben will) als Beweisstück für Giftattacken sofort an die Polizei übergeben hat. Im zuständigen Polizeihauptrevier ist das „Beweisstück“ allerdings – so ergab gestern unsere Nachfrage – bislang nicht angekommen.

„Es wäre leider nicht das erste Mal, dass üble Gerüchte verbreitet werden, um Angst und Unsicherheit zu erzeugen“, räumt Polizeisprecher Klaus Wiechmann ein. Dass Akteure aus dem fremdenfeindlichen Spektrum quasi als Trittbrettfahrer den Tod eines Hundes instrumentalisieren, sei allerdings in der Region ein Novum.

Die Polizei ist bei ihrem Ermittlungen auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. „Wer sachdienliche Angaben in der Sache machen kann, sollte sich umgehend bei der Parchimer Polizei (Telefon 038 71/6000) melden.

René Stahl wird noch einige Tage brauchen, um den Verlust seiner „Cora“ zu verkraften. „Ich schaffe mir auf jeden Fall wieder einen neuen Hund an“, sagt er. „Wer selbst schon einmal ein Tier verloren hat, weiß was das bedeutet.“

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