Vom Steingeld bis zur EC-Karte

Im Anschluss an die Vorlesung konnten sich die  Mädchen und Jungen die Münzsammlung  von Frank Grohmann anschauen. Der Parchimer   ist Numismatiker und möchte  mit den Parchimer Münzfreunden  Kinder für sein Hobby  gewinnen.  Simone Herbst
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Im Anschluss an die Vorlesung konnten sich die Mädchen und Jungen die Münzsammlung von Frank Grohmann anschauen. Der Parchimer ist Numismatiker und möchte mit den Parchimer Münzfreunden Kinder für sein Hobby gewinnen. Simone Herbst

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13. September 2012, 08:57 Uhr

Parchim | Das Thema Geld ist ja eher ein wenig trocken. Und auch "Die Geschichte des Geldes", wie die mittlerweile 4. Vorlesung der Parchimer Nachwuchsakademie überschrieben war, klingt nicht wirklich spektakulär. Und doch, so wie Joachim Ziegler, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Parchim-Lübz, den jungen Studenten sein Metier nahe brachte, das überzeugte. "Ich habe selbst Kinder in dem Alter, das war natürlich von Vorteil, als ich mich auf die Vorlesung vorbereitet habe", sagt Ziegler und schmunzelt.

Als die Mädchen und Jungen - schon gespannt darauf, was sie diesmal bei der Panak erfahren würden - ihren Platz im Solitär gefunden hatten, nahm er sie mit auf seine Reise. Die begann im Supermarkt beim Einkauf mit den Eltern, und sie endete im Supermarkt, als Mama oder Papa alles mitnehmen können, was beim Shoppen in den Einkaufskorb gewandert war, weil sie der Kassiererin Bares geben oder die modernste Form des Geldes und des Bezahlens - die Geldkarte - zum Abbuchen reichen. Eine gute Dreiviertelstunde unterbricht Ziegler die "Shoppingtour", erzählt von den Anfängen des Geldes, dem Tauschhandel in der Steinzeit vor 20 000 Jahren nämlich, ersten vereinfachten Methoden mit Natural-, Nutz- oder Tiergeld. Die Kinder staunten, als er mit dem Beamer ein Foto mit Steingeld an die Wand wirft. Schwergewichte von vier Metern im Durchmesser waren z.B. auf der Südseeinsel Yap in Mikronesien keine Seltenheit. "Und auch heute noch wird es verwendet, oft gehört solch ein Stein sogar mehreren Dorfbewohnern", so Ziegler. Die Kinder hören von "Krösus", dem letzten und wohl reichsten König der Lüder, einem indogermanischen Volksstamm, das in der heutigen Türkei lebte. Reich an Gold und Silber stellten sie vor etwa 3000 Jahren die ersten Münzen her. Die Griechen endeckten sie 200 Jahre später, weitere 200 Jahre etwa brauchten die Römer. Ziegler sprach von den ersten Geldscheinen, längst nicht so bunt wie die heutigen, die in China erfunden wurden und die sich 500 Jahre später auch in Europa durchsetzte, da so weniger Münzen im Umlauf waren. Von dort schlug der Sparkassenchef den Bogen über die Kontoführung, die sich mit dem sogenannten Buchgeld vor ca. 800 entwickelte, bis hin zum elektronischen Geld von heute. Und damit zurück in den Supermarkt, wo Mama mit der Geldkarte inzwischen alles bezahlt hat…

"Und jetzt", sagte Joachim Ziegler und konnte sich der ungeteilten Aufmerksamkeit seiner Studenten sicher sein, "erkläre ich euch, was selbst für Erwachsene schwer zu verstehen ist." Der Sparkassenchef sprach von Inflation, wie sie Europa in den 1920er Jahren packte, als zehn Eier in Deutschland 20 000 000 Reichsmark kosteten. Wenn es auf der ganzen Welt nichts als drei Tafeln Schokolade zu je einem Euro zu kaufen gebe, aber 20 Euro da wären, was wäre dann?, fragte er die Mädchen und Jungen. Hmmm? Schweigen! Dann würden 17 Euro übrig bleiben, für die es nichts zu kaufen gebe, erklärt er. Das Geld wäre praktisch nichts mehr wert. Nicken. "Um den Hunger in der Welt zu besiegen, reicht es deshalb nicht, einfach Geld zu drucken und es den Menschen in den armen Ländern zu geben. Es braucht immer auch die Waren als Gegenwert." Geld und Waren sollten sich wenn möglich die Waage halten. Sind die Differenzen gering, schwanken die Preise; sind sie gravierend, droht die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht zu geraten…

Dass das schlimm wäre und sie vielleicht wie die Kinder in den 20ern aus Bündeln voller Geld Türme bauen würden - Joachim Ziegler hatte zu ihrem Erstaunen in seiner Präsentation genau ein solches Bild gezeigt - haben die Nachwuchsstudenten ganz sicher verstanden. Denn sehr aufmerksam verfolgten sie den Vortrag eines am Ende sehr zufriedenen Sparkassenchefs. Unter den Zuhörern diesmal war auch der Referent der nächsten Vorlesung, Dipl.-Ing. für Nachrichtentechnik und Pilot Jürgen Thiel. Er wird am 23. Oktober erklären "Warum ein Flugzeug fliegen kann".

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