Parchim : Vom Gefühl, am Pranger zu stehen

Pastorinnen und Pastoren machten das Martyrium Jesu für die Kinder erfahrbar.
Pastorinnen und Pastoren machten das Martyrium Jesu für die Kinder erfahrbar.

Paulo-Freire-Schule begeht Passionszeit - Ungerechtigkeit verdeutlicht: Schüler spielerisch an Kreuzweg Jesu herangeführt

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26. März 2018, 21:00 Uhr

So – Ostern. Mitnichten nur Eier sammeln. Es steckt etwas dahinter und wer jetzt an Gebetsbücher und Konfirmandenstunden denkend dankend abwinkt, sollte sich im klaren darüber sein, dass die geliebten Feiertage nicht einfach so vom Himmel gefallen sind.

Wenden wir uns der Paulo- Freire-Schule zu, welche vergangenen Freitag quasi als Keimzelle christlicher Mitmach-Kultur mal wieder Schwung in die Kindermassen brachte. Die Woche zum Thema Passionszeit endete in einem Finale, welches ausgesuchter nicht hätte sein können - mit dem Kreuzweg. Doch zuerst ließen es sich während der noch recht undramatischen Morgenandacht Pastoren und Pastorinnen aus der Region nicht nehmen, selbst einmal schauspielerisch oder instrumental mitzumischen. Peter Stockmann griff zur Gitarre und so friedlich singend bekommt man Kinder unterschiedlichen Alters selten zu Gesicht. Im anschließenden Teil, dem Nachahmen des Kreuzweges in vier Stationen – die Verurteilung mit dem Weg nach Golgatha, Grabhöhle und Auferstehung Jesu – ließ dieses Martyrium in abgeschwächter Form für Kinderaugen und -ohren erfahrbar machen. Wie das gelingt, ohne mit mahnendem Finger an der Kanzel drohend ehrfürchtige Kirchgänger zu belehren? Nun, Pastor Konrad Kloss ließ es ganz entspannt angehen. Johanna war mit ihren Kollegen der schwarzen Gruppe am ersten Teil des Weges, der Verurteilung, angelangt. Sie durfte sich in die Mitte des Kreises stellen und wurde, namentlich in Tina umbenannt, eines minder schweren Verbrechens angeklagt: Sie hatte unerlaubt Fernsehen geschaut, obwohl sie ihren Eltern versprochen hatte, dies sein zu lassen. „Wofür wird Tina verurteilt?“, wollte Kloss von den Mitschülern wissen. Die kannten kein Erbarmen. Wiederholungstäterin, Brechen eines Versprechens und gelogen hatte sie auch noch – Tina hatte keine Chance. Darauf kann ganz unweigerlich nur die Todesstrafe folgen. Auch Johannes und Lukas, alias Chris und Heinz, waren kaum besser dran. Auf Kuli-Klau und Tierquälerei stand für die beiden auf jeden Fall Schelte von den Kollegen und zehn Jahre Gefängnis sowieso. Kinder können wirklich grausam sein und die „Verurteilten“ selbst waren doch recht überrascht, wie weit sich ihre Freunde so hochschaukelten. Doch sie hatten auch Befürworter: „Ich fühle mich doof, weil ich sie so schnell verurteilt habe“, kam ein Stimmchen aus den Reihen. Immerhin, Gnadengesuch möglich. „Und jetzt stellt euch vor, ihr habt das, was euch vorgeworfen wird, nicht gemacht“, ließ Konrad Kloss die Schülerinnen und Schüler das Gedankenspiel weitergehen. Ein Ungerechtigkeitsgefühl nachempfinden und verstehen hinterließ Eindruck auf die Gruppe. Fazit: „Es ist sehr einfach, eine Verurteilung auszusprechen und mit den anderen mitzumachen“, resümierte der Pastor. Die vorösterliche Darstellung manch zu Unrecht eingestaubter biblischer Begebenheiten bleibt in machen Köpfen sicher noch eine Weile präsent.

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