Parchims Straßen : Viele Wege führen ins Zentrum

Zwei Jahre Fleißarbeit mündeten in dieses Büchlein: Edda Schulz (in der Blutstraße) mit dem soeben erschienenen Pütt-Sonderheft.
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Zwei Jahre Fleißarbeit mündeten in dieses Büchlein: Edda Schulz (in der Blutstraße) mit dem soeben erschienenen Pütt-Sonderheft.

In Parchim gibt es 239 Straßen: Ortschronistin Edda Schulz hat sie alle zusammengetragen und sich mit ihrer Geschichte beschäftigt

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20. März 2018, 04:59 Uhr

Wo ist Parchims Hauptstraße? Die findet man auf dem Dorf – in Slate, einem der neun Ortsteile der Kreisstadt. Parchim hat insgesamt 239 Straßen. 24 von ihnen sind nach Orten bezeichnet, 34 nach markanten Gebäuden. 52 Parchimer Straßen tragen den Namen von Männern, gerade mal vier Straßen sind nach einer Frau benannt: Sie erinnern an Rosa Luxemburg, an die Kaiserin Augusta sowie Clara Zetkin. Nicht ganz einig sind sich die Lokalhistoriker bei der Deutung des Namens Luisenstraße. Anwohner regten 1913 an, ihre Straße „An der Konservenfabrik“ umzubenennen, da sie befürchteten, der erst fünf Jahre zuvor eingeführte Name würde sich nicht gut bei einem Hausverkauf machen und eventuell potenzielle Käufer abschrecken. War die Umbenennung etwa eine Reminiszenz an die Ehefrau des Maschinenbauers Neubauer, dem früheren Eigentümer dieser Häuser? Oder doch an die Königin Luise, wie der Chronist Karl Augustin (1901-1942) vermutet?

Als sich die Ortschronistin Edda Schulz der Parchimer Straßennamen annahm, konnte sie auf eine profunde Vorarbeit zurückgreifen: Neben Augustin hatten sich auch die Heimatforscher Hermann Kracht (1881-1963) und Otto Köhncke (1918-2008) ausführlich mit dieser Thematik beschäftigt. Dass heimatgeschichtlich Interessierte nun eine lückenlose Übersicht aller Straßennamen mit vielen historischen Informationen in den Händen halten können, ist der zweijährigen Arbeit von Edda Schulz zu verdanken. Ebenso dem Parchimer Heimatbund, der das Ergebnis in einem Pütt-Sonderheft innerhalb der Schriftenreihe des Vereins publizierte. Heimatbund-Vorsitzender Mark Riedel bezeichnete es anlässlich der öffentlichen Präsentation „als eines der wichtigsten Werke, das in jüngerer Vergangenheit neben der vierbändigen Reihe ‚Stadtgeschichte in Daten‘ von Gerd Behrens erschienen ist“.

Dass es eines Tages einer Fortsetzung bedarf, ist schon jetzt absehbar. In der Regimentsvorstadt reifen derzeit Pläne für ein neues Wohngebiet und damit weitere Straßenzüge. Einen noch nicht ausgereizten Forschungsgegenstand bietet zum Beispiel die Bedeutung der Piepenhäger Straße, im wehrhaften Mittelalter ein Aufbewahrungsort für Wurfgeschosse. Auch der Ziegenmarkt, zu früheren Zeiten ein zentraler Abgabeort bei der Erhebung von Steuern, wäre ein eigenes Thema für sich, wie in der Veranstaltung am Sonnabend angeregt wurde.

Neben dem Ziegenmarkt kann Parchim mit weiteren Plätzen aufwarten: Die Rede ist vom Schuhmarkt, Alten Markt, Neuen Markt, Mönchhof, Rosengarten und Moltkeplatz. Letzterer bekam 1876 seinen Namen. Insgesamt acht Straßen münden auf den Platz mit der angrenzenden Parkanlage, darunter auch die Putlitzer Straße. Hier steht das Geburtshaus des Vaters von Hans-Georg Wagner aus Hamburg. Vor zwei Jahren wurde vor der Stadtvilla in der Putlitzer Straße ein Stolperstein in den Bürgersteig eingelassen. Er erinnert an Gustav Josephi. Urenkel Hans-Georg Wagner besucht regelmäßig seine Vaterstadt. Ihn freut, wenn er vom Parchimer Heimatbund immer mal wieder eine Mail mit Veranstaltungshinweisen bekommt. Das Pütt-Sonderheft über Parchims Straßennamen gehört zu seinen jüngsten Neuerwerbungen. Es ist im Museum der Stadt und seit gestern auch im Buchladen von Tilo Tambach in der Blutstraße erhältlich.

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